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Düsseldorf
Weltläden werden kleiner

Düsseldorf: Weltläden werden kleiner
Kekse, Tee und Kaffee: Doris Fuchs, Presbyterin der evangelischen Kirchengemeinde Gerresheim, zeigt eine Auswahl der Produkte des kleinen Weltladens. FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. In den 1970er Jahren boten viele Kirchengemeinden in eigenen Läden fair gehandelte Produkte an, überwiegend aus Entwicklungsländern. Heute können diese auch in Supermärkten gekauft werden. Von Sven-André Dreyer

Es begann in den 60er Jahren: Die Welthandels- und Entwicklungskonferenz forderte 1964 in Genf erstmals die Förderung des Handels zwischen Ländern mit unterschiedlichem Entwicklungsstand. Besonders Länder der dritten Welt wollten eine gerechte Entlohnung für Produkte wie Kaffee und Kakao, Gewürze und Zucker. 1969 eröffnete der erste Weltladen - damals noch als "Dritte-Welt-Laden" - in den Niederlanden, dann breitete sich die Bewegung rasant aus. Das Angebot umfasste agrarische Erzeugnisse aus Entwicklungsländern, aber auch Kunsthandwerk, Haushaltswaren und Kleidung. Viele Kirchen beteiligten sich an der Idee und eröffneten Weltläden, um Waren von kleinbäuerlichen Betrieben, Kleinfirmen und Selbsthilfegruppen aus Afrika, Asien und Lateinamerika anzubieten. Inzwischen gibt es die Produkte in vielen Supermärkten.

"Insbesondere die Gründerjahre der Thomas-Kirchengemeinde waren sehr politisch", erzählt Anita Becker (54), Ehrenamtskoordinatorin und in der Gemeinde zuständig für alle ehrenamtlichen Mitarbeiter und deren Projekte. "Logische Konsequenz, dass wir damals auch einen großen Weltladen eröffneten." Mit großem Engagement und Zeitaufwand wurde "Tommis Laden" in den 1970er Jahren in der Gemeinde etabliert. Dabei ging es den Ehrenamtlern, die die Produkte nicht nur sorgsam auswählten und bestellten, sondern in der Gemeinde auch verkauften, nicht nur um das ökologische Bewusstsein. "Im Vordergrund stand vielmehr immer auch die Intention, die Öffentlichkeit über die Produkte, die Besonderheiten des Herkunftslandes, die Menschen, die sie erzeugen, deren Ideen und Leistungen, aber auch deren Rückschläge zu informieren." Ein wirtschaftlicher Aspekt habe dabei nie im Vordergrund gestanden, so Becker, zumal die fair gehandelten Produkte, was den Verkaufspreis betrifft, nie mit den Erzeugnissen des klassischen Handels konkurrieren konnten. Mit Umbau der Kirchengemeinde und der Integration eines Zentrum Plus vor einigen Jahren wurde schließlich auch "Tommis Laden" zugunsten eines Cafés deutlich reduziert. Übrig geblieben ist neben einem Second-Hand-Shop für Bekleidung heute nur noch ein kleiner Verkaufsbereich.

Auch Doris Fuchs, stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums der Evangelischen Kirchengemeinde Gerresheim, berichtet vom Rückgang des Angebots und Grundkonzepts eines Weltladens in der Gemeinde. "Das Alleinstellungsmerkmal, fair gehandelte Produkte zu verkaufen, ist aufgehoben, seitdem es diese Produkte beinahe in jedem Supermarkt zu kaufen gibt", sagt die 52-Jährige. Auch die Kirchengemeinde in Gerresheim bietet weiterhin fair gehandelte Produkte an, jedoch in wesentlich geringerem Umfang an. Dennoch: "Auch wenn es heute fast nur noch ein symbolischer Verkauf dieser Produkte ist, so erinnern wir damit doch nach wie vor daran, wie wichtig dieser Aspekt ist", sagt Fuchs. "Offensichtlich hat der Gedanke der 1970er Jahre nun die große Masse erreicht", sagt Anita Becker, die dem heutigen Verkauf fair gehandelter Produkte in Supermärkten ebenfalls nicht kritisch gegenüber steht. "In den ersten Jahren war sehr viel Überzeugungsarbeit notwendig, die Produkte zu kaufen. Und wir haben daran nachhaltig mitgearbeitet, das Bewusstsein für diese Produkte zu schärfen."

Quelle: RP
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