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Düsseldorf
Wenn aus Schildern Möbel werden

Düsseldorf: Wenn aus Schildern Möbel werden
Basteln Möbelstücke aus ausgemusterten Straßenschildern: Patrick Reichel und Amina Jäckel von der Schülerfirma "Streetcycled". FOTO: Hans-Jürgen Bauer
Düsseldorf. Mit einer ungewöhnlichen Idee sind Schüler des Max-Planck-Gymnasiums in Düsseldorf-Stockum erfolgreich: Sie machen aus schrottreifen Straßenschildern Wohnaccessoires. Ihre Firma nennen sie "Streetcycled". Von Christopher Trinks

Ein "Vorsicht Glätte!"-Schild als Beistelltisch. Das Tablett daneben kennzeichnete in seinem früheren Dasein einmal einen Fußgängerweg. Oder wie wär's mit einer "Einbahnstraße" als Garderobe? Wenn es nach Amina Jäckel und Patrick Reichel von der Schülerfirma "Streetcycled" gehen würde, wäre dieses ungewöhnliche Sortiment inzwischen noch größer. Doch bevor das Angebot erweitert werden kann, muss erst einmal eine lange Liste von Vorbestellungen abgearbeitet werden. "Momentan geht es für uns noch, aber mal schauen, wie das während der Abiturphase wird", sagt Reichel. Eventuell muss die Produktion dann für einige Wochen ruhen, schließlich sind die beiden Vorstandsvorsitzenden noch Schüler - wie alle anderen Mitarbeiter von "Streetcycled" auch.

Begonnen hat die Geschichte der Schülerfirma im Sozialwissenschafts-Projektkurs des Stockumer Max-Planck-Gymnasiums. Regelmäßig nimmt dieser Kurs an der "Initiative Junior" teil, die sich für die Vermittlung von ökonomischer und finanzieller Bildung an Schulen einsetzt. Zu diesem Zweck unterstützt ein Netzwerk von Sponsoren und Wirtschaftsexperten die Schüler mit einem Leitfaden dabei, ihre eigene Firma zu gründen. Schon der letzte Projektkurs war mit dem Vertrieb der sogenannten "Planckleisten", einem innovativen Bilderrahmen für jede Art von Papier, erfolgreich. Nicht zuletzt deshalb nehmen auch Jäckel und Reichel an der Neuauflage des Kurses teil. "Man bekommt Einblicke in die Wirtschaft und lernt, selbstständig zu sein. Außerdem ist es eine Chance für uns zu beweisen, dass auch Schüler ein Unternehmen gründen können", sagt Reichel.

Doch für ein erfolgreiches Unternehmen braucht es zunächst einen Verkaufsschlager. In der Auftaktsitzung mit Lehrerin Hannah Matthiesen kam den zwölf Schülern schließlich die zündende Idee. "Wir fanden die schmucklosen Uhren in den Klassenzimmern immer so langweilig. Jemand meinte dann, dass man das Ziffernblatt doch durch ein Verkehrsschild ersetzen könnte", sagt Jäckel. Anschließend ging es in eine lange Planungsphase. Produktion, Finanzen, Marketing - für all das mussten sich die Schüler entsprechend ihren Stärken aufteilen. Der Vorstand wurde demokratisch gewählt.

Nachdem ein Bauhof als Kooperationspartner gefunden war, der ihnen die Schilder zum Schrottpreis überließ, steckten die Elftklässler viel Herzblut und Freizeit in die Produktion. Während die Schilder-Garderobe noch im heimischen Keller angebohrt werden kann, helfen bei den schweren Produkten wie dem Beistelltisch die Berufsschüler des Franz-Jürgens-Berufskolleg. Dort gibt es gut ausgestattete Werkstätten.

Die Herstellungskosten vereinnahmen den größten Teil des Umsatzes. Dennoch zahlen sich die Schüler einen symbolischen Stundenlohn von 50 Cent, der Rest geht an die Verkehrsopferhilfe. Nach der elften Stufe besteht dann die Möglichkeit, "Streetcycled" als richtige GmbH weiterzuführen. Für Jäckel und Reichel ist das definitiv "eine richtige Berufsperspektive."

Großer Erfolg mit Upcycling

Online-Shop Die Möbelstücke werden individuell nach Wunsch hergestellt und sind in den verschiedensten Schilder-Variationen auf der Internetseite www.streetcycled.de/ erhältlich.

Name Der Name der Schülerfirma leitet sich aus den englischen Wörtern "Street" für Straße und "upcycling" ab, was die Aufwertung eines zu verschrottenden Rohstoffs für einen neuen Gebrauch bezeichnet.

Quelle: RP
 
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