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Kolumne
Wenn der kleine Justus (k)ein Päckchen bekommt

Düsseldorf. Versandhandel kann so bequem sein. Das war schon zu Zeiten der dicken Kataloge so. Und ist es mit dem Internet erst recht. Wenn da nur nicht der komplizierte Vorgang der Lieferung wäre.

Das Universum von Amazon, Zalando und Co - unendliche Weiten, verschlungene Wege, kuriose Vorschriften. Hier ist eine Neue. Um sie zu erklären, stellen wir erst mal die handelnden Personen vor. 1. Justus. Er ist drei, und ein aufgeweckter Kerl. Schreiben kann er aber noch nicht. Das zu erwähnen wird später von Bedeutung sein. 2. Sein Vater. Geschäftsmann, hat schon einiges erlebt und gesehen. Aber nun stößt er an seine Grenzen. 3. Die Mitarbeiterin der DHL-Filiale an der Hansaallee. Dieses Geschäft mit den schwer zu merkenden Öffnungszeiten gilt vielen linksrheinisch lebenden Düsseldorfern als eine Mischung zwischen Los-Bude, Bermuda-Dreieck und "Verstehen-Sie-Spass"-Kulisse. Motto: Du weißt nie, ob es geöffnet hat, was drinnen passiert oder wie es Dir geht, wenn Du wieder raus kommst. Falls Du wieder raus kommst. Die Story: An Justus Adresse (die auch die seiner Eltern ist), wird mit seinem Vor- und Zunamen ein Päckchen gesandt. Es passiert, was meistens passiert, wenn so was passiert: Es ist keiner daheim, als der Bote klingelt. Also tut er das, was er immer tut, wenn er nichts tun kann: Er hinterlässt einen Hinweiszettel, wo und wann das Paket abzuholen sei. So weit, so üblich. Am nächsten Tag will Justus' Vater das Paket abholen und geht in besagte Filiale. Dort legt er den Zettel vor und erwartet nun, die Sendung zu erhalten. Stattdessen hört eine Frage: "Haben Sie eine Vollmacht?". Noch ist der Mann freundlich und erklärt, dass der Adressat sein Sohn ist und er ja wohl für den Jungen ein Paket abholen darf. Zudem sei der Junge des Schreibens natürlich nicht mächtig und könne ihm also deshalb und auch wegen mangelnder Geschäftsfähigkeit keine Vollmacht ausstellen. Das ist alles richtig und logisch, aber der Dame ist es vor allem eins - nämlich egal. Denn sie hat ihre Vorschriften, und die besagen: ohne Vollmacht kein Paket. Immerhin könne die Ehe der Eltern zerrüttet, das Sorgerecht strittig und alles gar nicht einfach sein.

Aha - aber: was tun. Da nicht damit zu rechnen ist, dass Justus binnen kurzer Zeit und vor fristgemäßer Rücksendung des Pakets das Schreiben lernt (zwecks Erstellung einer Vollmacht), stehen sowohl der Vater wie auch Dame am Schalter vor einer kniffligen Aufgabe. Dass Justus selbst mitkommt, um das Päckchen zu holen, würde auch nichts helfen, denn dafür bräuchte er einen Personalausweis. Aber so was hat der Steppke noch nicht. Ist er gar als Kind nicht berechtigt, Päckchen zu bekommen?

Als Lösung scheint ein Telefonat mit dem Paketdienst denkbar. Dort hat man eine Idee: Man werde das Paket erneut zustellen, und zwar zu einem fest verabredeten Zeitpunkt, zu dem Justus auch sicher anzutreffen ist.

Das scheint machbar, und wird so vereinbart.

Weil das mit dem Termin aber nicht so präzise klappt, ist der Kleine dann aber doch nicht da, dafür aber erneut der Vater. Der geht an die Tür, sieht dort den freundlichen DHL-Boten mit dem Objekt der Verwirrung in der Hand und hört die Frage: "Ein Paket für Justus G. - das ist doch hier, oder?" Der Vater bejaht, stellt sich als Vater vor und stellt sich mental bereits auf eine weitere Runde in dieser schwergewichtigen Beziehungskiste mit DHL ein. Ein Irrtum: Der Fahrer hat offenbar keine Lust, dieses Päcksken zurück zum Wagen zu tragen, bittet um eine Unterschrift - und drückt es dem verdutzten Mann in die Hand.

Ohne Vollmacht, und auch ohne Ausweis.

Quelle: RP
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