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Mein Düsseldorf
Wenn der Stil voll in die Hose geht

Düsseldorf. Sie ist nicht tot zu kriegen - die Jogging-Hose. Einst war sie aus Ballonseide, heute ist sie aus Baumwolle. An ihrer Hässlichkeit hat das nichts geändert.

Reden wir mal über Mode. In einer Stadt, die diesen Begriff ja gern im Namen führt, ist das naheliegend. Allerdings soll es hier um ein Kleidungsstück gehen, das eigentlich mit Mode nichts zu tun hat, weil es nämlich unmodisch im wahrsten Sinne des Wortes ist, dafür aber immer noch angesagt: Wir sprechen von der Jogging-Hose.

Ihr Image ist, gelinde gesagt, voll in die Hose gegangen - und das nicht erst, als sich ein als Pop-Titan gebauchpinselter (und tatsächlich sehr erfolgreicher) Musiker einst damit ablichten ließ. Das tat er jedoch nicht, weil er es so schön findet, sondern da er - als Werbeträger - die Dinger einst gratis bekam. Nix bezahlen zu müssen ist für Dieter Bohlen (der ist gemeint) schon immer ein treibendes Argument gewesen. Aber auch andere zerfransten das Image dieses für den Sport kreierten Beinkleids - Fred Fußbroich etwa, dieser bedauernswerte nette Kölner, der an seiner TV-Berühmtheit und den daraus resultierenden Sperenzchen des Sohnes Frank so tragisch scheiterte.

Aber dennoch: Das Ding - heutzutage nicht mehr aus dem Stoff, der mal Ballonseide hieß, sondern aus normaler Baumwolle - ist nicht tot zu kriegen. Man sieht es auf der Kö und in der Altstadt, morgens beim Bäcker und danach beim Metzger. Kurz: Immer und überall. In der geschmacklich abgründigsten Kombi gar mit nicht geschnürten, knöchelhohen Sportschuhen.

Nun muss man ja nicht Karl Lagerfeld zustimmen, der neulich sagte "Wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren", aber eins ist sicher: Jede Kontrolle über die eigene Erscheinung ist in jedem Fall weg. Denn außer dauergebräunten Hungerhaken-Models mag man diese Konstruktion - egal, woraus sie gewebt ist - eigentlich keinem anhängen. Zumal sie dem urbanen Eigner jedes Gefühl für seine körperlichen Grenzen nimmt und einem Mann eine Weite für wesentliche Körperteile vorgaukelt, die er unmöglich goutieren kann. Also: fort damit, wenn überhaupt, dann nur daheim und allein auf der Couch zu Chips und Cola tragen. Aber nie vor den Augen anderer, und schon gar nicht in dieser Stadt, in der äußerer Schein zwar bisweilen übertrieben, aber immerhin gepflegt wird. Das mag man oberflächlich finden, aber viele gut angezogene Leute zu sehen ist durchaus unterhaltsam. Wer das nicht glaubt, kann ja mal durch das Zentrum von Gelsenkirchen schlendern.

Zudem sollte man den Namen der Bux ändern: Dass sie mit dem absolut vernünftigen Sport des Joggens in Verbindung steht, muss auf ihre Ursprünge zurückgehen. Als man sie nämlich schuf, weil sie weit und damit bequem war und die Bewegung nicht einschränkte. Heute schlabbert sie natürlich immer noch - aber ohne jeden sportlichen, dafür oft mit adipösem Hintergrund.

Fazit: Jogging-Hosen sind für Leute, die glauben, Stil sei das längere Ende vom Besen. Sie gehen gar nicht. Es sei denn, man will aussehen wie Dieter Bohlen in den Achtzigern. Dann kann man aber auch oben Vokuhila tragen - und hat damit wirklich jede Kontrolle über seine Optik aufgegeben.

Quelle: RP
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