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Düsseldorf
Wenn Oma das wüsste

Düsseldorf: Wenn Oma das wüsste
FOTO: RED
Düsseldorf. Backen liegt voll im Trend: Wer beim nächsten Geburtstag der Star sein möchte, überrascht mit einer Designer-Torte.Längst haben sich Geschäfte in Düsseldorf auf passendes Zubehör spezialisiert. Wer keine Lust hat, der lässt backen. Von Ludwig Krause

Liebe geht durch den Magen? Wenn es nur so einfach wäre. Weil mittlerweile selbst jeder Student ein paar Grundgerichte fehlerfrei hinbekommt, reicht Kochen zum Imponieren längst nicht mehr aus. Wer richtig Eindruck schinden will, backt. "Mit dem Backen, wie man es von seiner Großmutter kennt, hat das aber nicht mehr viel zu tun", sagt Jörg Nerlich (28) von Cake Mart.

Das Geschäft hat im Februar an der Friedrichstraße eröffnet und sich auf Backzubehör spezialisiert: Ausstechformen, Totenwerkzeug, Farben, Verpackungen und - mittlerweile fast am wichtigsten - Fondant. Die weiche Zuckermasse ist der Stoff, aus dem die kreativen Träume der (Hobby-)Bäcker gemacht sind. Damit lassen sich die Torten veredeln, oder direkt in Tiere, Handtaschen und Comic-Figuren verwandeln. "Heute muss es erst richtig gut aussehen. Danach kommt der Geschmack", sagt Nerlich. "Je ausgefallener die Kreation, desto mehr Reaktionen gibt es."

Nur ein kleiner Teil des Sortiments: Cake Mart-Verkäuferin Franziska Langmann mit Deko-Artikeln, Formen, Zuckerperlen und Schokolade. FOTO: andreas Bretz

Angefangen hat Cake Mart-Geschäftsführerin Kyongmi Handke vor sechs Jahren mit einem reinen Online-Versandhandel. Mittlerweile verkauft sie die Produkte auch in drei Geschäften: Neben Köln und Duisburg nun eben auch in Düsseldorf, mit 140 Quadratmetern die bisher größte Filiale. "In den USA oder Großbritannien gibt es diesen Trend schon länger, bei uns kommt er jetzt auch richtig an", sagt Nerlich. Etwa 20 Mitarbeiter arbeiten mittlerweile bei Cake Mart, der Markt wächst.

Ausgelöst wurde der Trend durch die Cupcake-Mode, sagt Silke Konschak (36) vom Onlineversand Suqarqueen, dessen Lager sich an der Alexanderstraße befindet. "Danach kamen die Cakepops und Fondant-Torten", sagt sie. Für alle Nichteingeweihten: Cakepops sind kleine Kuchen am Stiel, Cupcakes tassengroße Kuchen mit Cremehaube. Und was wird der nächste letzte Schrei? "Cakepops ebben gerade ein wenig ab, Maccarons und französisches Feingebäck werden immer angesagter", sagt Konschak. Der Markt ist mittlerweile so relevant, dass auch Discounter nicht mehr um ihn herumkommen. "Bei Aldi gab es neulich Fondant. Dadurch werden Leute auf das Thema gebracht, danach kommen sie zu uns", sagt Konschak. "Davon profitieren wir absolut."

Wer keine Lust hat, selbst Hand anzulegen, der lässt backen - von Marie Labude zum Beispiel. Die gebürtige Australierin erschafft "Custom Cakes" in Düsseldorf. Für die Wunschtorten bringt die 32-Jährige essbare Schichten wie eine Bildhauerin in Form und legt den Fondant-Mantel um. Mit einer Airbrush-Pistole und Lebensmittelfarbe wird die Torte lackiert. Um die 200 Euro zahlen Kunden für eine Handtaschen-Attrappe. Dafür stecken aber auch bis zu 13 Stunden Arbeit in den Stücken.

Es geht aber auch deutlich einfacher, wie Backkurse bei Sugarqueen zeigen. "Unsere Teilnehmer sind zwischen 14 und 55 Jahre alt, also wirklich bunt gemischt", sagt sie. Beim Geschlecht herrscht größere Einigkeit. "90 Prozent sind weiblich", sagt die 36-Jährige. Männer seien vor allem dann Kunden, wenn sie vom Fach sind. Dabei lässt sich mit Fondant und etwas Geschick doch auch das Logo der Fortuna oder der Borussia formen.

Quelle: RP
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