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Kunstberater erneut vor Gericht
Wer bekommt die Filmrechte am Fall Achenbach?

Hintergrund: Das ist Helge Achenbach
Hintergrund: Das ist Helge Achenbach FOTO: Endermann, Andreas
Düsseldorf. Der wegen Betrugs verurteilte frühere Kunstberater Helge Achenbach arbeitet im Offenen Vollzug derzeit mit Flüchtlingen. Am Dienstag muss er als Zeuge vor Gericht aussagen. Es geht um Schadenersatz, den die Erben von Berthold Albrecht von ihm fordern. Außerdem gibt es Gerüchte über eine Verfilmung seiner Geschichte.  Von Hans Onkelbach und Stefani Geilhausen

Wie geht es weiter im Fall Helge Achenbach? Nach wie vor hat er beste Kontakte in die internationale Kunst- und Sammlerszene. Vermögende Sammler aus China oder Russland interessiert nicht, dass er derzeit eine Haftstrafe verbüßt - und manche haben davon gar nicht erst erfahren. In der Kunstszene trauen viele dem früheren Kunstberater - seit wenigen Tagen 65 Jahre alt - zu, nach seiner Entlassung dort weiterzumachen, wo er 2014 bei seiner Verhaftung aufhören musste.

Ist der Fall Achenbach juristisch erledigt, wenn seine Strafe verbüßt ist? Noch lange nicht. Am Dienstag steht der Fall gleich vier Mal auf der Terminliste des Landgerichts. Es geht um den Schadenersatz, den die Erben von Berthold Albrecht von ihm forderten. Ein Urteil, wonach Helge Achenbach rund 20 Millionen Euro an sie zahlen sollte, hatte das Oberlandesgericht aus formalen Gründen gekippt. Heute wird neu verhandelt, vor der 6. Zivilkammer, die schon das aufgehobene Urteil sprach. In einem weiteren Verfahren geht es um Oldtimerkäufe Albrechts, für die Achenbach verdeckte Provisionen, so genannte Kickback-Zahlungen, kassiert haben soll. Dieselbe Kammer befasst sich auch mit der Echtheit einer Munoz-Skulptur, die Achenbach an Albrecht verkauft hatte, und die angeblich nicht vom Künstler autorisiert ist. Dazu soll heute die Lebensgefährtin des verstorbenen Juan Munoz aussagen. Helge Achenbach selbst ist vor einer anderen Zivilkammer als Zeuge geladen: Er soll aufklären, wem rund 70 Immendorff-Affen gehörten, die der Insolvenzverwalter von Achenbachs Kunstberatung versteigern ließ. Eine Schweizer Galerie behauptet, dass die Stücke ihr gehörten und nur als Kommissionsware in Achenbachs Lager gestanden haben. Anspruch auf diese Affen erhebt auch Immendorffs Witwe Oda Jaune.

So lief der Fall Helge Achenbach

Was tut Achenbach zurzeit? Der international bekannte Kunstvermittler ist seit September vorigen Jahres im Offenen Vollzug. Er verlässt täglich morgens die JVA Moers, arbeitet tagsüber bei der Diakonie in Düsseldorf und kümmert sich um junge Flüchtlinge. Nach seiner Verhaftung war sein Firmennetzwerk zusammengebrochen - das hat, ebenso wie die Betrügereien, die ihn in diese Lage gebracht haben, weitreichende juristische Folgen - auch solche, die nicht öffentlich verhandelt werden. Achenbach hat also auch eine ganze Menge Anwaltstermine.

Wie ist Achenbachs Perspektive? Er hat nach Ansicht von Fachleuten gute Chancen, im Frühsommer nächsten Jahres auf Bewährung entlassen zu werden, dann wären zwei Drittel der Strafe abgesessen.

Wie geht es dann weiter? Zuletzt tauchte Achenbach wieder in den Schlagzeilen auf, weil sich angeblich in London ein Investor gefunden hat, der die von Achenbach an die Albrecht-Familie verkaufte Kunst und die Oldtimer kaufen will - Medienberichten zufolge für die rund 120 Millionen Euro, die Berthold Albrecht einst dafür bezahlt hat.

Welche Folgen hätte der Verkauf? Rein rechnerisch wäre damit der Schaden ausgeglichen. Allerdings nicht juristisch, denn seinerzeit hat Achenbach die Stücke zu von ihm erhöhten Preisen weitergegeben, also den Tatbestand des Betruges erfüllt. Es wäre aber denkbar, dass der bislang ungenannte Investor sein Angebot mit der Idee macht, sich Achenbachs Knowhow für künftige Geschäfte zu sichern - und ihm, sozusagen als eine vorgezogene Provision, genug Geld gibt, um die Schadenersatzansprüche der Albrecht-Familie zu begleichen. Damit wäre Achenbach auch aus der finanziellen Klemme, seine vollzogene Privatinsolvenz wäre beendet, und er könnte wieder seinen Geschäften nachgehen.

Wird er das tun? Das ist offen - derzeit äußert er sich nicht, denn er hat von der Justiz striktes Kontaktverbot mit Journalisten. Und daran hält er sich, um seine vorzeitige Entlassung nicht zu gefährden. Alles, was derzeit über ihn in den Medien steht, taucht dort ohne sein Zutun auf.

Wird Babette Albrecht dem Verkauf zustimmen? Wohl kaum. Sie hat bereits während des Strafverfahrens gegen Helge Achenbach, das sie selbst durch eine Strafanzeige ins Rollen gebracht hat, immer betont, dass sie an einem Verkauf der Sammlung kein Interesse hat - nicht zuletzt, weil diese Sammlung ihrem Mann sehr wichtig gewesen sei. In ihren Augen hat Helge Achenbach die Freundschaft ihres Mannes ausgenutzt, was sie ihm besonders übel nimmt. In einem Gespräch hat sie kürzlich betont, es gehe ihr nur um Gerechtigkeit und um die aus ihren Augen gerechtfertigte Bestrafung eines Betrügers. Sie machte dabei auch deutlich, dass sie sehr genau verfolgt, was mit Helge Achenbach geschieht, wie er sich im Offenen Vollzug verhält. Sie war exakt informiert über seine Aktivitäten und fühlt sich und ihre Kinder von den Medien falsch dargestellt, übrigens auch im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit, den sie im Namen ihrer fünf Töchter um das Erbe und die Macht im Unternehmen bei Aldi-Nord führt.

Reichen 120 Millionen Euro für die Albrecht-Sammlung? Rechtsanwalt Andreas Urban, der die Albrecht-Kinder als Erben vertritt, sagte am Montag, ihm liege kein derartiges Angebot vor. Allerdings könnte die genannte Summe schon deshalb keine Verhandlungsbasis sein, weil seit der Zeit, in der Berthold Albrecht diese Summe in Kunst und Oldtimern anlegte, auch Zinsen angefallen seien. Im Übrigen stellte Urban klar, dass sich im Fall eines Verkaufs weder am Tatbestand des Betrugs noch an der Schadenersatzpflicht Achenbachs etwas ändern würde. Dass die Kunstwerke seit ihrer Anschaffung deutlich im Wert gestiegen seien - was Achenbach im Strafverfahren immer wieder zu seiner Entlastung unterstrichen hatte - wird seitens der Albrecht-Erben bezweifelt.

Wer ist dieser genannte Investor? Achenbach äußert sich nicht, jener Teil der Kunstszene, der ihn gut kennt, glaubt an einen ursprünglich in Deutschland arbeitenden Geschäftsmann, der mit Achenbach aufgrund früherer Geschäfte einen engen Draht hat und ihm viel verdankt. Der Mann arbeite international, unter anderem in London.

Kürzlich wurde Achenbach mit Heiner Lauterbach in einem Restaurant gesehen. Könnte er die Rolle übernehmen? FOTO: dpa, chc sab

Seine von ihm geschiedene Frau hat bereits das zweite Buch über den Fall geschrieben, plant er Ähnliches? Das ist nicht auszuschließen - wird aber erst spruchreif, wenn er entlassen wird, vorher wird die Justiz ihm nicht erlauben, seine Geschichte zu vermarkten. Als sicher gilt, dass es bereits großes Interesse von Filmemachern an seiner Story gibt. Es heißt, ein Doku-Filmemacher, der bereits die Geschichte der Aldi-Brüder verfilmt hat, sei mit Hilfe des Kölner Schriftstellers Günter Wallraff an ihn herangetreten. Außerdem wurde Achenbach erst kürzlich mit Schauspieler Heiner Lauterbach im Düsseldorfer Restaurant "Robert's Bistro" bei einem sehr intensiven Gespräch gesehen - unwahrscheinlich, dass die zwei nur übers Essen gesprochen haben. Zudem hat der Schauspieler Matthias Brandt bereits eine Art Trailer über den Fall gedreht und sucht offenbar nach einem Produzenten.

Quelle: RP
 
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