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Düsseldorf
Wer ist am schnellsten in der City?

Fahrrad, Bahn oder Auto – wer kommt am schnellsten durch den Berufsverkehr?
Düsseldorf. Drei RP-Reporter haben vom Südpark aus den Test gemacht - mit dem Fahrrad, dem Auto und der Bahn. Wer schafft es im Berufsverkehr am schnellsten bis zum Rathaus? Von Marlen Kess, Maximilian Krone und Milena Reimann

Täglich suchen sich mehr als 200.000 Düsseldorfer ihren Weg zur Arbeit quer durch die Stadt. Hinzu kommen etwa 390.000 Pendler, die aus der Stadt hinaus oder in die Stadt hinein pendeln. Bei diesen Zahlen ist Stau programmiert. Rund 90 Stunden pro Jahr stehen Autofahrer in Düsseldorf laut einer Untersuchung des Naviherstellers TomTom im Stau. Höchste Zeit, die Alternativen zu testen.

Ein Ziel, drei Fortbewegungsarten: Marlen Kess (oben links) wählte das Auto, Milena Reimann (oben rechts) nahm die Bahn, und Maximilian Krone filmte seine schnelle Radfahrt zum Rathaus mit der Helmkamera (unten). FOTO: Kess, Krone, Reimann,

Es ist ein sonniger Morgen im Juni und es ist die perfekte Pendlerzeit: 8.35 Uhr. Wir stehen am Park-and-Ride-Parkplatz am Südpark und wollen wissen: Mit welchem Verkehrsmittel kommt man als Pendler am besten von A nach B? Das Ziel: das Jan-Wellem-Denkmal am Rathaus. Das sind fünf Kilometer für Fahrradfahrer Max, wenige Meter mehr für Autofahrerin Marlen bis zum Parkhaus an der Kunsthalle plus 500 Meter Fußweg vom Parkhaus zur Statue. Und je nach Linie neun bis elf Stationen mit der Bahn für Milena.

Los geht es am Stadtpark

Fahrrad Mit Schwung schwinge ich mich auf den Sattel, radle an der ÖPNV-Kollegin, die offenbar ihre Bahn verpasst hat, vorbei. Die erste Ampel steht auf grün, so überhole ich auch die Kollegin im Auto. Was sie noch nicht weiß: Ihr droht sofort stockender Verkehr. Ich hingegen fahre zügig daran vorbei, lasse die Uni-Klinik hinter mir und passiere die erste große Kreuzung Auf'm Hennekamp.

Bahn Als ich auf dem Bahnsteig ankomme, ist der Kollege mit dem Zweirad an mir vorbeigefahren - und die Bahn gerade weg. Auf einer großen Anzeigetafel stehen die kommenden Züge. Schwer zu lesen beim hellen Sonnenlicht, ich schaue stattdessen auf meine App. Als nächste soll die U73 kommen, auf Bahnsteig 4. Ich stehe auf dem Bahnsteig 8/9 und sehe weit und breit keinen Bahnsteig 4. Erst, als die Bahn einfährt, verstehe ich: Der Bahnsteig 4 befindet sich um die Ecke auf der anderen Straße. Einem erfahrenen Pendler wäre das nicht passiert.

Auto Am Parkplatz sieht es gut aus für mich. Es gibt noch Platz - und das sogar im Schatten. Als ich losrolle, zeigt sich auch die Straße von ihrer besten Seite. Bis zur zweiten Ampel ist kaum etwas los. Dann allerdings ändert sich das Bild, und ich fahre auf den ersten kleinen Stau zu. Dieser entpuppt sich dann aber doch als stockender Verkehr. Kein Problem also, das Fahren ist entspannt. Es ist bisher eine ausnehmend ruhige Autofahrt.

Die Bahn ist leer, die Straßen sind es nicht

Fahrrad In Bilk angekommen passiert mir das, was einem Profi-Pendler wohl nicht passieren würde: Ich habe die Orientierung verloren. Nach markanten Punkten Ausschau haltend radle ich vor mich hin, bis ich den Real erreiche. Von dort aus kenne ich den Weg. Zielstrebig steuer ich die Friedrichstraße an, stehe dabei kurz im Stau und wechsle auf den Gehweg.

Bahn Durch meine Bahnsteigsuche habe ich gut fünf Minuten verloren. Inzwischen bin ich aber in der U79 und habe 14 Minuten Fahrzeit vor mir. Die Bahn ist nahezu leer. Jetzt beginnt der entspannte Teil meines Weges: Brötchen, Kaffee und meine Zeitung habe ich dabei. Erst mal frühstücken.

Auto Je näher man der Innenstadt kommt, desto voller wird es. Nahezu an jeder Ampel steht man ein paar Minuten, vor allem auf der Corneliusstraße. Das kostet Zeit - und Nerven. Die haben nicht alle: Neben mir überfahren gleich zwei Autofahrer nacheinander eine rote Ampel. Beides SUV, natürlich. Das irritiert mich offenbar nachhaltig - kurze Zeit später versäume ich, abzubiegen. Das passiert dem normalen Autopendler sicher nicht und kostet mich ein paar Minuten. Auf der Alexanderstraße, die ich nun nehmen muss, wird gebaut - und die Ampelschaltung ist gefühlt unendlich langsam. Mittlerweile habe ich nicht mehr das Gefühl, besonders schnell unterwegs zu sein.

Verzögerungen im Parkhaus

Fahrrad Es folgt der Abschnitt, vor dem mich alle gewarnt haben: die Friedrichstraße. Unberechenbar sei sie für Radfahrer, ja lebensgefährlich. Davon merke ich aber wenig. Ein breiter Markierungsstreifen für Radler und Autofahrer, die diesen nicht zuparken oder plötzlich die Türe aufreißen. Zusammen mit anderen Zweirädern komme ich meinem Ziel immer näher.

Bahn Erst am Hauptbahnhof, drei Stationen bevor ich aussteigen muss, wird die Bahn voller. Jetzt müssen einige Leute stehen. Macht mir nichts, ich habe meinen Platz ja seit zehn Minuten sicher. Auch den Stehenden scheint das nichts auszumachen. Sie tragen Kopfhörer und lesen auf dem Smartphone.

Auto Bis zum Parkhaus am Grabbeplatz geht es gut voran, dort angekommen wird es problematisch. Das Parkhaus ist unübersichtlich - und manche Menschen können einfach nicht parken. Nochmals vergehen mehrere Minuten, bis ich einen Parkplatz gefunden habe. Im Laufschritt mache ich mich auf den Weg Richtung Rathaus, etwa 500 Meter Fußweg liegen noch vor mir. Schon das ist unpraktisch.

Am Ende gibt es einen klaren Sieger

Fahrrad Die Breite Straße habe ich ohne Probleme hinter mir gelassen, die Altstadt liegt kurz vor mir. Als ich abbiegen will, darf ich es nicht. Ich bleibe also an einer Ampel stehen und warte, bis die Fußgänger Grün bekommen. Über die Flinger Straße geht es dann weniger schnell (Achtung Fußgänger!) in Richtung Marktplatz. Noch einen Schlenker am Uerige vorbei und ich bin da. Von den beiden Kolleginnen fehlt jede Spur. 21 Minuten habe ich gebraucht. Ich mache es mir im Schatten auf den Stufen des Rathauses gemütlich und beobachte, wie die Geranien vor den Fenstern des Gebäudes gegossen werden.

Bahn Da nicht alle wie ich an der Heinrich-Heine-Allee aussteigen, muss ich mich von meinem Sitzplatz zur Tür durchwinden. "Entschuldigung, darf ich mal vorbei?" Dann geht alles ganz schnell: Rolltreppen hoch und ab in die Fußgängerzone. Früh am Morgen ist hier nicht viel los, die Geschäfte haben zu, der Trubel steht erst noch bevor. Ich biege ab und sehe schon von weitem: Kollege Max mit dem Fahrrad ist schon da! Meine Stoppuhr zeigt 28 Minuten und 39 Sekunden. Allerdings: Wäre ich Profi-Pendler und hätte am Anfang den richtigen Bahnsteig gefunden, wäre ich fünf Minuten früher hier gewesen. Doch den Sieg hätte mir das auch nicht gebracht.

Auto Als ich am Rathaus ankomme, sehe ich die anderen beiden schon dort stehen. Bei 29 Minuten stoppe ich meine Uhr. Wie zu erwarten war, lohnt sich das Autofahren in der Stadt kaum. Es ging zwar verhältnismäßig entspannt und flüssig vonstatten, aber es geht unter anderem durch die Parkplatzsuche zu viel Zeit verloren. Hätte ich mich nicht verfahren, wäre ich zwar schneller gewesen als Bahnfahrerin Milena - das Fahrrad hätte ich aber auch nicht eingeholt.

Quelle: RP
 
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