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Uerige produziert "Baas"
Whisky made in Düsseldorf aus der Hausbrauerei

So entsteht der Whisky in der Hausbrauerei Uerige
So entsteht der Whisky in der Hausbrauerei Uerige FOTO: dpa, skm ve
Düsseldorf. Die Düsseldorfer Altbierbrauerei "Uerige" produziert seit 2007 auch Whisky. Das Nationalgetränk der Schotten in kleinen, feinen Mengen. Whisky ist im Trend, etwa 150 Destillen gibt es in Deutschland.

Die Fenster stehen weit offen, die Holzfässer in der Dachkammer sind wechselnden Temperaturen ausgesetzt. Die blanken, hellen Gefäße enthalten Whisky made in Düsseldorf. Über das frische Lüftchen, das vom nahen Rhein hereinweht, sagt André Meurer: "Das unterstützt die Reifung". So halten es die Schotten mit ihrem Whisky auch. Der 35-jährige Braumeister der Düsseldorfer Hausbrauerei "Uerige" kennt sich damit aus.

Seit 2007 entsteht in dem traditionellen Brauhaus mitten in der Düsseldorfer Altstadt auch Whisky. Die Marke heißt "Baas", das bedeutet auf rheinisch "Chef". Drei Jahre reift die Spezialität in Fässern aus amerikanischer Eiche. Kenner erschnuppern darin Anklänge von Kamille, Marzipan und angespitztem Bleistift. Hat man einen Schluck im Mund, kommen Vanille und Aprikose dazu. Solche blumigen Aroma-Beschreibungen gibt es auch für die weltberühmten Whisky-Marken aus Schottland.

"Das Schöne ist, dass es sich ergänzt", sagt Christoph Tenge, der technische Leiter vom "Uerige", "die Nähe zum Bier ist da". Denn Bier und Whisky haben am Anfang einen gemeinsamen Entstehungsprozess: Gemälzte Gerste wird mit Wasser angesetzt. In einem zweiten Schritt wird die Maische wieder getrennt und vergoren. Ab hier gehen Gerstensaft und Feuerwasser getrennte Wege.

Nur mehrere hundert Flaschen werden jedes Jahr abgefüllt. Das ist etwas für Kenner und hat seinen Preis. Vor allem vor Weihnachten sind die bauchigen Flaschen gefragt. Eine Produktion im großen Stil ist nicht geplant. "Es wird immer etwas für Liebhaber bleiben", sagt Tenge.

Aber die Zahl der Liebhaber nimmt zu. Whisky ist im Trend. Etwa 150 Destillen gibt es nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Whiskybrenner in Deutschland. Die meisten sind in den vergangenen zwei oder drei Jahrzehnten dazugekommen. "Whisky ist eine Passion, eine Leidenschaft", meint Silvia Steck, die Sprecherin des Verbandes. Den Whisky-Freunden geht es um das Geschmackserlebnis, die überraschende Aromenfülle, die in jedem kleinen Schluck steckt.

Etwa ein Mal im Monat destilliert André Meurer, der Braumeister im "Uerige". Zunächst ist die hochprozentige Flüssigkeit klar wie Glas. Die Farbe von Bernstein entsteht erst im Fass. Zum Schluss kommt Wasser dazu, der Whisky mit 42,5 Volumenprozent ist fertig. Oder er wird direkt in Fassstärke abgefüllt.

Braumeister Meurer lässt die Spezialität nicht nur in frischen Eichenfässern reifen. In anderen Holztonnen lag zuvor Sherry, weißer Portwein oder amerikanischer Bourbon. Wenn die Whiskymacher solche Raritäten ergattern, ist die Freude groß, denn die Fässer haben viel Einfluss auf den späteren Geschmack. Wie sich das Aroma entwickelt, stellt sich erst ein paar Jahre später heraus.

Schwere Whiskys aus dem schottischen Highland können nach Teer oder sogar nach Arznei schmecken. Der Düsseldorfer Vertreter ist eher rund und weich. Doch Vergleiche mit den großen Schotten sind nicht vorgesehen. "Wir sind Rheinland", sagt Bierbrauer Meurer selbstbewusst.

(lnw)
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