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Flughafen Düsseldorf
Wie beim Park-Service betrogen wird

Fotos: Ärger über Park-Service in der Region
Fotos: Ärger über Park-Service in der Region FOTO: Andreas Bretz
Düsseldorf. Am Düsseldorfer Flughafen gibt es seriöse Firmen, die Autos von Fluggästen parken. Immer wieder aber werden Kunden von einigen Anbietern betrogen. Und das mit System, sagen Insider. Sie sprechen von "mafiösen Strukturen".

Es war kurz nach Beginn der Feriensaison im vergangenen Jahr, als Detlef B. genug hatte. Der Taxifahrer, der sehr häufig beruflich am Flughafen ist, sah sie jeden Tag: Mitarbeiter von Firmen, die anbieten, die Fahrzeuge von Fluggästen unterzustellen. B. beobachtete schon seit Monaten wie die Männer Schlüssel in Empfang nahmen, wie die Fluggäste Richtung Flugsteig gingen und die Autos vom Gelände fuhren. Gleichzeitig wusste er von hunderten Autos, die im Stadtgebiet verteilt zum Teil mehrere Wochen lang parkten. Autos mit fremden Kennzeichen, sehr häufig aus den Niederlanden, aus Belgien, die in Industriegebieten und auf Brachflächen standen. B. machte Fotos von den parkenden Autos, von den Männern, die in Transportern zu den Parkplätzen gefahren wurden.

Er dokumentierte auch, wie die Autos von den Männern markiert wurden. "Es war offensichtlich, dass PH Parkhaus heißen sollte.", sagt B. Eines Tages jedoch bekam er Besuch von zwei südländischen Männern, die ihm drohten und verlangten, dass er die Fotos löscht. "Ich hatte Angst, deshalb habe ich eine Chipkarte vor ihren Augen zertreten." B. möchte deswegen auch anonym bleiben.

Sein Erlebnis sagt jedoch viel aus über die Arbeitsweise einiger Park-Service-Unternehmen am Flughafen. Systematisch benutzen Unternehmen nicht nur öffentliche Stellflächen im Düsseldorfer Stadtgebiet, sie betrügen auch ihre Kunden, wenn sie ihnen vorgauckeln, dass ihr Auto sicher im Parkhaus oder auf einem bewachten Stellplatz untergebracht wird. Und sie bringen damit eine Branche in Verruf. Insider sprechen von "mafiösen Strukturen".

Liste: So viel kostet das Parken an deutschen Flughäfen FOTO: dpa, Werner Hennies

Dabei geht es um viel Geld. Interne Mails, von denen die Rheinische Post Kenntnis hat, belegen, dass bis zu 100 Aufträge am Tag bei einer der Firmen eingehen. Zwischen 40 und 50 Euro pro Woche verlangen die Park-Service Unternehmen für einen Stellplatz, so kommen schnell sechsstellige Umsätze zusammen. Und das im Monat. "Wir wissen und kennen die Probleme am Düsseldorfer Flughafen", sagt Frank Ferraro vom Bundesverband unabhängiger Flughafen-Parkplatzbetreiber. Allerdings sei auch der Verband machtlos gegen die Schwarzen Schafe.

Zudem sei Düsseldorf so etwas wie ein Kampfgebiet. Parkplätze sind rar und teuer. In München etwa gebe es die Probleme nicht. Dort wurde der Flughafen weit außerhalb der Stadt gebaut, Park-Service-Unternehmen hätten genügend Möglichkeiten, bei umliegenden Landwirten Stellplatz anzumieten. In Düsseldorf hingegen fehle einfach Platz, sagt Ferraro.

Bei einem Unternehmen, das einen sicheren Parkplatz bereits für 39 Euro pro Woche anbietet, gehöre der Betrug offenbar zum Geschäftsprinzip. "Das ist gar nicht darauf ausgelegt, ein ehrliches Geschäft zu machen", sagt ein Kenner des Unternehmens. Da diene eine angemietete Fläche in der Nähe des Flughafens lediglich als Rangierplatz, von wo die Autos auf das Stadtgebiet verteilt werden. Zudem, so der Kenner des Unternehmens, würde die Mehrheit der Umsätze auch gar nicht beim Finanzamt angegeben. "Das wandert cash einfach in die Tasche."

Nach Informationen der Rheinischen Post ist gegen einen Mann, der gleich bei vier der Unternehmen als Geschäftsführer fungiert, Strafanzeige wegen Betruges erstattet worden. Bisher ist diese Anzeige jedoch noch nicht bei der Staatsanwaltschaft anhängig. Immer wieder weisen Leser der RP auf die mutmaßlich illegalen Aktivitäten hin. Das Ordnungsamt muss jeden Fall einzeln prüfen.

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