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Die Woche Im Rathaus
Wie der OB mit Hegel das Schauspielhaus gerettet hat

Düsseldorf. Stadtchef Thomas Geisel spielt mit viel Energie den Buhmann. Warum nur? Er selbst hat dafür eine hochphilosophische Antwort gegeben.

Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) musste sich zuletzt den Vorwurf anhören, kein Interesse an Kultur zu haben. Für ihn persönlich trifft das nicht zu. Nicht nur, dass er oft bei Kulturveranstaltungen zu finden ist. Im Stadtrat bewies Geisel bei der Debatte ums Schauspielhaus seine humanistische Bildung - und ergänzte die verwirrende Debatte um eine noch verwirrendere Fußnote.

Im Nachhinein, so sagte der Stadtchef am Rednerpult halb im Scherz, sei sein Vorstoß vielleicht einfach eine "List der Vernunft" gewesen. Für alle, die weniger von Philosophie verstehen als der OB: Hegel meinte mit diesem Begriff, dass Menschen durch ihr Handeln einen Zweck erfüllen können, der ihnen selbst nicht bewusst ist. Der Oberbürgermeister wäre demnach der Retter des Schauspielhauses, weil er einen Verkauf zur Diskussion gestellt hat. Das ist ganz schön viel politische Dialektik.

Geisels Handeln in dieser Angelegenheit lässt jedenfalls so viel Interpretation zu wie manches philosophische Traktat. Er hat aus der - absolut zulässigen - Debatte um die hohen Kosten für eine Sanierung in Windeseile eine Diskussion um die Zukunft des Theaters entfacht - und auch nicht gestoppt, als der Stadtrat sich längst hinter dem Schauspiel versammelt hatte. Hatte er einen Plan B? Wollte er den Intendanten in seine Schranken weisen? Oder muss sich die Stadt daran gewöhnen, dass ihr erster Bürger gern laut denkt? Man weiß es nicht.

Der eigentlich als Kulturversteher angetretene Stadtchef spielt jedenfalls die Rolle als Buhmann mit erstaunlicher Energie. Er ließ sich bei der Debatte im Central ausbuhen. Und auch bei der Debatte im Rat stimmte er keinen versöhnlichen Ton an. Er räume ein, er habe Fragen gestellt, die der "eine oder andere unziemlich fand", sagte Geisel - das war der Satz, der einer Entschuldigung am nächsten kam. Es blieb an Parteifreundin Klaudia Zepuntke, die Theater-Verbundenheit der Sozialdemokraten zu bekunden. "Das Schauspielhaus war noch nie so sicher wie heute", sagte Zepunkte, offenbar auch Freundin der Dialektik.

Die CDU, in deren Regierungszeit das Theater zuletzt auch nicht gerade geglänzt hat, freute sich über die Chance zum großen Auftritt. "Die Fantasie des OB kennt keine Grenzen, seine Dreistigkeit auch nicht", sagte Friedrich Conzen und beklagte, "von Flensburg bis Passau" rede man verächtlich über Düsseldorf. Nach Geisels philosophischen Statement meldete sich auch Manfred Neuenhaus von der Teilzeit-Opposition FDP. Er warf Geisel vor: "Sie machen es nur schlimmer." Er hat wohl Hegel nicht verstanden.

Quelle: RP
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