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Vorher-Nachher-Bilder
Wie sich bekannte Plätze in Düsseldorf verändert haben

Der Brehmplatz in den 1950er Jahren (links) und der Platz heute. FOTO: Wolfgang Teltz/Andreas Endermann
Düsseldorf. Ein Foto-Vergleich zeigt, wie sich bekannte Plätze der Landeshauptstadt im Lauf der Jahrzehnte entwickelt haben. Nicht immer zum Besseren, finden Zeitzeugen. Von Arne Lieb und Heide-Ines Willner

Wolfgang Teltz erinnert sich, wie er als Kind Ein- und Zwei-Pfennig-Stücke auf die Schienen am Brehmplatz gelegt hat - und sich freute, wenn die Straßenbahnen die Geldstücke platter gemacht hatten.

Das „Café Wien“ in den 1930er Jahren (links). Inzwischen steht ein nüchterner Bau an der Ecke. FOTO: Manfred Sieberling /Andreas Endermann

Ein Verkehrsknoten war der Platz im Zooviertel damals wie heute. Das zeigt ein Foto, das die Mutter in den 1950er Jahren aufgenommen hat. Zu dieser Zeit stand zeitweise sogar ein Schutzmann an dem damals existierenden Kreisverkehr. "Das war auch nötig, denn jeder fuhr, wie er wollte", erinnert sich Teltz.

Die Bebauung im Hintergrund des Fotos ist über die Jahrzehnte gleich geblieben, die Kreuzung wurde aber erst kürzlich neu gestaltet. Wolfgang Teltz ist dem Zooviertel über die Jahre treu geblieben. Findet er, dass der Brehmplatz besser geworden ist? "Nein, damals war er schöner."

Das Linksrheinische Eldorado für Kinder

Wenn Georg Eiker an seine Kindheit in Nieder- und Oberkassel denkt, dann kann er seine Erinnerungen in einem Satz zusammenfassen: "Wir hatten unsere Freiheit." 1950 im Heerdter Krankenhaus geboren und im Elternhaus an der Oberkasseler Straße aufgewachsen, erzählt er von einem Eldorado, das für die Kinder gleich vor der Haustür begann: Felder und Gärten waren noch unbebaut, Autos gab es kaum, ab und zu tuckerte ein Moped über die Straße oder der Wagen von Bäcker Menke. "Wir brauchten keinen Abenteuerspielplatz, konnten über die Felder querbeet durch den Stadtteil laufen. In der damals üblichen Jungs-Kleidung: Lederhose, das Fahrtenmesser am Hosenbund, waren wir selbst Abenteurer."

1905 spielten spielten Kinder unbeschwert am Kaiser-Wilhelm-Ring, heute gibt es dort einen Radweg.FOTO: Verschönerungsverein/ Hans-Jürgen Bauer

In der Stube bleiben - undenkbar. Die Eltern waren nach dem Krieg mit dem Aufbau beschäftigt, die Sprösslinge nutzten die Zeit, unbeaufsichtigt draußen herumzustromern. "Im Sommer haben wir im Rhein gebadet und sind von der alten Oberkasseler Brücke in den Fluss gesprungen." Das sei zwar verboten gewesen, "aber wir Jungs haben es trotzdem gemacht." Mit dem Fahrrad und Mutters "Fresspaket" ausgerüstet, ging's am Rhein entlang bis nach Ilverich, und im Winter luden die überschwemmten und vereisten Rheinwiesen zum Schlittschuhlaufen ein. Heute, 50 Jahre später, ist das Geschichte. Doch Wehmut kennt Eiker nicht. "Die Entwicklung des Bezirks ist nicht schlecht. Noch immer lässt es sich hier gut leben." Aber: "Wir müssen aufpassen, dass er nicht durch eine überdimensioniere gleichförmige Bebauung kaputt gemacht wird." Investoren hätten wenig Interesse am Stadtteil, glaubt er. Das Ergebnis sei eine seelenlose Architektur.

Wildes Nachtleben

In den 1920er Jahren entwickelt sich in Düsseldorf ein wildes Nachtleben. Ein legendärer Ort ist das "Café Wien" an der Ecke Königsallee/Graf-Adolf-Straße. In dem Laden, ehemals auch Corso Cabaret, gibt es Vergnügungen und Unterhaltung auf mehreren Etagen. Dazu gehören Weinstuben, Getränkebars und Café-Tische. In dem Eckhaus befindet sich auch einer der ersten Läden der Stadt, der Kondome verkauft - im Volksmund wird sie daher "Gummi-Ecke" genannt, erzählt Stadtgeschichts-Experte Thomas Bernhardt. Die Zeiten sind lange vorbei - heute erinnern nur noch Fotos an das Tanzlokal, wie jenes, das Manfred Sieberling von seinem Schwiegervater übernommen hat. Die Bombenangriffe des Zweiten Weltkriegs zerstörten das Gebäude. Heute findet sich dort ein Bau neueren Datums, der die Parfümerie Pieper beherbergt.

Quelle: RP
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