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Düsseldorf
Wie teuer darf die Musikschule sein?

Düsseldorf: Wie teuer darf die Musikschule sein?
Luz Gnauk hat zwei Kinder, die in die Clara-Schumann-Musikschule gehen. Sohn Ares ist 14 Jahre alt und nimmt Gitarrenunterricht, Tochter Metis (9) ist begeistert vom Schlagzeug. Mehr als 1000 Euro kostet das die Familie im Jahr. "Es sollte nicht noch mehr werden", meint die 44-Jährige. FOTO: Hans-Juergen Bauer
Düsseldorf. Zum zweiten Mal in Folge steigen die Gebühren. Die CDU erzürnt das. Die Eltern sind geteilter Meinung. Heute wird abgestimmt. Von Jörg Janssen

Kritik und ein gewisses Verständnis: Unterschiedlich reagieren Eltern auf die heute im Schulausschuss des Rates zur Debatte stehende Erhöhung der Gebühren. Die soll im Schnitt bei etwa fünf Prozent pro Jahr liegen. Stimmt die Politik dafür, kostet beispielsweise der Einzelunterricht Klavier ab kommenden Jahr 1032 statt bislang 972 Euro, bei der musikalischen Früherziehung wären es 264 statt 252 Euro.

Seit 14 Jahren nimmt Ute Ufers Sohn Moritz (17) in der Musikschule Gitarrenunterricht. Außerdem spielt er in einer Band für Menschen mit und ohne Handicap. "Das kostet nichts extra", so die 50-Jährige, die eine Erhöhung nicht so schlimm fände, "obwohl wir drei von einem Gehalt leben". FOTO: Hans-Juergen Bauer

Luz Gnauk hat die Nachricht, dass nach rund zehn Prozent Aufschlag im vergangenen Jahr gleich wieder an der Gebührenschraube gedreht wird, überrascht. Sohn Ares (14) nimmt Gitarrenunterricht, Tochter Metis (9) lernt Schlagzeug. Das zweite Kind zahle zwar nur die Hälfte, meint Gnauk, trotzdem koste der Unterricht die Familie mehr als 1000 Euro pro Jahr. "Das ist viel und sollte eigentlich nicht noch mehr werden", meint die Mutter. Auf der anderen Seite leiste die Clara-Schumann-Musikschule eine "sehr kompetente Arbeit" und die koste natürlich etwas. Von einer Staffelung der Beiträge nach jährlichem Haushaltseinkommen, wie sie von Politikern gelegentlich ins Spiel gebracht wird, hält sie nicht viel. "Besser wäre es, mögliche Mehrkosten aus dem städtischen Etat zu bezuschussen."

Doch genau das soll nicht passieren. Zumindest glaubt das die CDU-Bundestagsabgeordnete Sylvia Pantel, die sich seit langem für die Musikschulförderung engagiert: "Der Anteil der Ausgaben, die die Musikschule aus Beiträgen decken soll, soll von jetzt 33 auf demnächst bis zu 60 Prozent steigen", glaubt sie.

Katastrophal findet dagegen Clemens Jahn das Drehen an der Gebührenschraube. "Am Ende ist Musikausbildung nur noch etwas für Wohlstandsbürger", fürchtet der 63-jährige Ex-Banker. Wer das nicht verhindere, vertiefe die oft beklagte Spaltung der Gesellschaft. Katastrophal findet dagegen Clemens Jahn das Drehen an der Gebührenschraube. "Am Ende ist Musikausbildung nur noch etwas für Wohlstandsbürger", fürchtet der 63-jährige Ex-Banker. Wer das nicht verhindere, vertiefe die oft beklagte Spaltung der Gesellschaft. FOTO: Hans-Juergen Bauer

"Vollkommen falsch", findet Clemens Jahn die geplante Erhöhung. Er lernte selbst als junger Mann an der Musikschule Oboe und Englischhorn und spielt noch heute Oboe. "In der unerbittlichen Konsequenz ist Musikausbildung am Ende nur noch etwas für Wohlstandsbürger", befürchtet der 63-jährige Ex-Banker, dessen drei Kinder Violine, Gitarre, Cello und Klavier gelernt haben. Ständig steigende Gebühren in so einem sensiblen Bereich vertieften die Spaltung der Gesellschaft. Wer nicht wolle, dass Kinder zu viel vor Bildschirmen hockten, wer sich über Gewalt auf den Schulhöfen sorge, könne die aktuellen Pläne nicht gutheißen. "Am Ende werden die Wartelisten bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten immer länger. Aber zum Glück bieten die ja Musiktherapie an. Und die zahlt ja dann die Kasse", bemerkt Jahn bissig.

Gelassener reagiert Valeria Liebermann auf die Pläne. Ihre Tochter Teresa (9) singt im Mädchenchor der Clara-Schumann-Musikschule, lernt an einer anderen Einrichtung Klavier und Gesang. Natürlich sei ihr erster Reflex zu sagen "Geht gar nicht" und natürlich sei eine solche Erhöhung schwierig für Familien, die finanziell nicht so gut gestellt seien. Auf der anderen Seite denke sie aber an die hohe Qualität der Clara-Schumann-Musikschule und an die Lehrer. Das seien oft Musiker, "die freiberuflich arbeiten und ohnehin schon nicht sonderlich gut bezahlt werden". Aus Sicht der Mutter könnte eine am Haushaltseinkommen orientierte Staffelung der Gebühren ähnlich wie bei den Düsseldorfer Kita-Kindern unter drei Jahren durchaus eine Lösung sein.

Valeria Liebermann bliebe auch bei einer möglichen Erhöhung gelassen. Ihre Tochter Teresa (9) singt im Mädchenchor der Musikschule. Sie schlägt vor zu prüfen, ob die Gebühren nicht analog zu den Düsseldorfer Kitas nach Haushaltseinkommen gestaffelt werden können. FOTO: Hans-Juergen Bauer

"Mit fünf Prozent kann ich umgehen, obwohl es in unserer Familie nur ein Gehalt gibt, und zwar ein ganz normales", sagt Ute Ufer (50). Seit dem dritten Lebensjahr erhält ihr Sohn Moritz (17) Gitarrenunterricht. Außerdem spielt er in der Musikschul-Band für Menschen mit und ohne Handicap. Und das koste die Familie nichts extra. "Es sind tolle Lehrer an der Schule, und die müssen schließlich auch ihr Geld verdienen", meint die Werstenerin.

Quelle: RP
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