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Analyse
Wie viel Polizei braucht Düsseldorf?

Analyse: Wie viel Polizei braucht Düsseldorf?
Wo könnte man Polizeistellen einsparen? Mit dieser Frage befasst sich derzeit eine Expertengruppe. FOTO: Robin Schweitzer/RP-Foto: Christoph Göttert
Düsseldorf. Eine Expertengruppe bastelt im Geheimen an einer landesweiten Reform, die zum Ziel hat, Polizeistellen einzusparen. Zur Diskussion stehen Objektschutz, Hundertschaften und der Einsatz bei Bagatelldelikten. Was das für Düsseldorf bedeuten könnte. Von Stefani Geilhausen

Seit Jahren wird im Düsseldorfer Polizeipräsidium von allen Seiten an der Personaldecke gezerrt. Kürzlich erst hat Polizeipräsident Norbert Wesseler ein Projekt gegen Gepäckdiebe vorgestellt, das am Flughafen dienstplanunabhängig im Einsatz ist. Um sieben Tage lang 24-stündige Präsenz gewährleisten zu können, braucht es ausreichend Leute. Vor allem dann, wenn die gleiche Einheit auch in der Altstadt gegen Taschendiebe und in Wohngebieten gegen Einbrecher und Autoknacker vorgehen soll. Stellen zu streichen klingt da wenig sinnvoll. Aber von den Ideen der Experten-Kommission könnte die Düsseldorfer Polizei durchaus profitieren.

Objektschutz Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat die Düsseldorfer Polizei ihre aufgelöste Objektschutztruppe reaktiviert, 2005 eine eigene Wache für sie eingerichtet. Derzeit sind dort 138 Beamte im Dienst, die meisten kommen direkt aus der Ausbildung. Sie verbringen ein "Pflichtjahr" damit, vor Schutzobjekten Präsenz zu zeigen. Das ist eine Aufgabe, die weder besonders fordert, noch den polizeilichen Berufserfahrungsschatz bereichert. Und sie könnte auch von einem - gut ausgebildeten - Privatunternehmen erfüllt werden. So wie auch Juweliere ihren eigenen Sicherheitsdienst engagieren. Aber: Bei der Zuweisung neuer Kräfte ist der hohe Bedarf für den Objektschutz bislang vom Land immer berücksichtigt worden. Dieser Bonus fiele mit dem Objektschutz weg.

Raub, Betrug, Diebstahl: Kriminalität in der Altstadt FOTO: Christoph Göttert

Kleinkram Die frei werdenden Polizeibeamten sollten ihre gute Ausbildung auch nicht darauf verwenden müssen, Schadensbestätigungen für Versicherungen auszufüllen oder sich um die Äpfel vom Baum im Nachbargarten zu kümmern. Rund 24 000 Unfälle hat die Düsseldorfer Polizei voriges Jahr aufgenommen, bei denen niemand verletzt und die beteiligten Fahrzeuge nicht schwer beschädigt wurden. Rechnet man für jeden im Durchschnitt 20 Minuten, wird das von den Experten anvisierte Einsparpotenzial offensichtlich. Also: Bagatellunfälle von der Aufgabenliste der Polizei streichen. Dafür braucht man keine Ausbildung in Gefahrenabwehr und Strafverfolgung. Um gegen Ruhestörungen einzuschreiten, auch nicht. Das ist laut Straßensatzung ohnehin Aufgabe des städtischen Ordnungsdiensts. Würde die Stadt den OSD ausbauen - etwa auch auf Nachtdienst - könnte der das auch wahrnehmen.

Demonstrationen Seit Berlin Bundeshauptstadt ist, demonstriert das westliche Deutschland am liebsten in Düsseldorf. 2008 waren es 379 Demos, 2014 schon 800. Und in diesem Jahr sind es bislang schon 608! Sehr oft - wie bei den montäglichen Dügida-Aufmärschen - ist dabei mindestens eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei dabei. 18 davon gibt es im Land, die wollen die Experten reduzieren. Aus Düsseldorfer Sicht dazu ein klares Nein. Die Hundertschaften sichern nicht nur die Demos, sondern auch zahllose Fußballeinsätze - nicht nur nach Fortuna-Spielen, sondern auch nach Partien in Nachbarstädten, wenn die Fans in Düsseldorf feiern gehen. Solche Drehscheiben-Einsätze schafft die Düsseldorfer Polizei nicht allein. Wenn sichergestellt bleiben soll, dass die Hundertschaft die Düsseldorfer Polizei immer dann verstärken kann, wenn sie gebraucht wird - das gilt auch in Sonderfällen für die Umsetzung des Konzepts zur sicheren Altstadt - muss die Bereitschaftspolizei bleiben, wie sie ist. Es ist ja nicht so, dass sich die Beamten in jüngster Zeit dort auch nur einen Tag lang gelangweilt hätten.

Quelle: RP
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