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Rund ums Rathaus
Willkommen im Neu-Sprech

Meinung | Düsseldorf. Ob Oberbürgermeister Thomas Geisel oder Rheinbahn-Chef Michael Clausecker - mit den ehemaligen Managern ziehen nicht nur neue Strategien in die Stadtverwaltung und ihre Töchter ein. Von Denisa Richters

Er ist smart, keine Frage. Michael Clausecker lächelt, präsentiert seine Strategie mit gezielter Lockerheit - kein Schlips, die Hände auch mal in den Hosentaschen, dabei dynamisch in den Knien wippend. "Smarte Verkehrsangebote in smarter City" steht auf einem der - Verzeihung - Charts, die an die Wand projiziert werden. Nun, gemeint ist, dass die Rheinbahn, deren Chef Clausecker ist, ihren Kunden digitale und stärker vernetzte Angebote machen will. Und weil das Digitale auch in Düsseldorf eine Hauptrolle spielt, ist jetzt vieles smart, manches sogar smarter.

Klingt gut. Fast möchte man cool sagen, wenn das nicht so oldschool wäre. Und es muss auch nicht immer Englisch sein. Wie wäre es hiermit: Zu den Zielen, die gut bezahlte Berater für die Rheinbahn identifiziert haben (und die sicherlich in die Management-Zielvereinbarungen fließen werden) gehört: "Intermodale Mobilität orchestrieren". Was wieder Vernetzung umschreibt, diesmal von Park & Ride (erst parken, dann auf den Öffentlichen Personennahverkehr, den ÖPNV, umsteigen) und Bike & Ride (erst Radfahren, dann ÖPNV). Auf keinen Fall setzt Clausecker auf "One size fits all" - quasi eine Lösung für alle Bereiche -, sondern entscheidet sich von Fall zu Fall für das jeweils Passende. Der hochgewachsene Rheinbahn-Chef war lange Zeit Manager in der Privatwirtschaft - und hat von dort nicht nur die Strategien mitgebracht, sondern auch die Sprache. Ob die alte Tante Rheinbahn die versteht? - Nun, Oberbürgermeister Thomas Geisel, vorher ebenfalls Manager, pflegt einen ähnlichen Stil im Rathaus: Er hat in seiner zweijährigen Amtszeit schon viele "letter of intent" (Absichtserklärung) unterschrieben, spricht gerne von "cash flow" (Kapitalfluss), will "bottom-up, nicht top-down" (von unten nach oben, nicht umgekehrt) sein Personalkonzept umsetzen. Es versteht sich von selbst, dass Geisel Zielvereinbarungen in der Stadtverwaltung eingeführt hat. Immerhin führt er einen Konzern mit rund 10.000 Mitarbeitern.

Als Manager der Stadt sah sich auch sein Amts-Vorvorgänger Joachim Erwin. Düsseldorf war für ihn "Handy-City", "committen" (sich verpflichten) gehörte zum Alltag - und manchmal sogar "downsizen" (etwas nicht zu groß spielen).

Quelle: RP
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