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Düsseldorf
Willkommen zurück, Mathilde!

Düsseldorf: Willkommen zurück, Mathilde!
Die "Mathilde" ist wieder an ihrem Platz. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Manche behaupten, man habe sie auch die "schlanke Else" genannt, die grüne Uhrensäule am Corneliusplatz. Das ist so schwer zu widerlegen wie zu beweisen, denn die wenigsten von uns waren dabei, als der Volksmund 1905 dem aus Berlin gelieferten gusseisernen Prachtstück seinen Kosenamen verpasste. Von Stefani Geilhausen

"Mathilde" aber scheint sich durchgesetzt zu haben, zumindest ist die Rückkehr der historischen Uhr mit modernem Innenleben aus dem Rathaus unter diesem Namen berichtet worden. Und wir wissen von Zeitzeugen, die dermaleinst viele hundert Mal die "schlanke Mathilde" umrundeten, während sie nervös auf die Angebetete zum ersten Rendezvous warteten. Aber auch die "Dating"-Generation verabredet sich bisweilen noch an der "Urania-Säule mit Normaluhr".

Die Typenbezeichnung geht auf die Berliner Uhrenfabrik Urania zurück. Die hatte eine Menge dieser Säulenuhren im Programm, was zwar erklärt, warum sich auch Dortmunder am verschnörkelten Gusseisen zu treffen pflegten. Aber nicht, warum auch die Westfalen sie als "schlanke Mathilde" ins Herz geschlossen und sogar zum Wahrzeichen des Stadtteils Hörde ernannt haben, auch ein Heimatroman ist nach ihr benannt. Dort hat der Name angeblich auch eine wahre Geschichte: Die Gattin des Bürgermeisters, der die Uhr 1908 enthüllte, soll Mathilde geheißen haben und, nun ja: füllig gewesen sein.

Immerhin: Der Name der Uhr in Lünen hat klaren Düsseldorf-Bezug. Weil die Säule dort das Bild der berühmten weißen Frau trug, hat sie seit den späten 20er Jahren den Namen "Persil-Uhr" weg. Denn das war der eigentliche Clou am Typ Urania. Er war Zwei in Eins, Uhr und Reklameträger. In Dortmund steckte obendrauf noch eine Lampe. Die fand man in Düsseldorf vermutlich nicht so schön. Hier wollte der Stadtrat bloß Eines: Zeit für die Stadt. Er beschloss sogar die Einrichtung einer "Zeitdienstanlage", die an der Grünstraße installiert wurde und sämtliche Urania-Säulen mit Normaluhr telefonisch im Vierstunden-Takt synchronisierte.

Geblieben ist von acht Stück nur die Mathilde am Corneliusplatz. Die wurde seit Herbst hübsch gemacht und steht nun einige Meter versetzt neben ihrem alten Stammplatz. Und weil das mit stehenden Uhren ja so eine Sache ist: Seit gestern Abend läuft sie wieder.

Quelle: RP
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