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Düsseldorf
Willkommenskultur im kleinen Rahmen

Düsseldorf. Schüler des Luisen-Gymnasiums tauschten sich im Rahmen der Unesco-Projekttage mit Flüchtlingen in der Teerstegen-Kirchengemeinde aus. Von Sven-André Dreyer

Der Zustrom schutzsuchender Menschen aus Syrien, vom Balkan oder aus Afrika wird täglich durch die Medien analysiert und aufbereitet. Dennoch fehlt vielen, die nicht unmittelbar Berührung mit der konkreten Flüchtlingsbetreuung haben, ein unmittelbarer Kontakt und Bezug zu den Menschen aus Nigeria, aus Somalia oder der Arabischen Republik.

Im Rahmen der Unesco-Projekttage beschäftigten sich Schüler des Luisen-Gymnasiums hautnah mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik. "Als Mitglied des Netzwerkes der Unesco-Projektschulen fühlen wir uns seit 1992 ganz besonders den Leitlinien dieses Netzwerkes verpflichtet", erklärt Angelika Miller, Lehrerin für Französisch und Latein. Das innerstädtische Gymnasium, das von Schülern aus rund 50 Nationen besucht wird, bildete in diesem Jahr insgesamt zwölf Projektgruppen unter dem Motto "Sieh hin! - Misch dich ein!".

Um die Lebenssituationen, die Bedürfnisse und Hilfsmöglichkeiten der Schutzsuchenden zu ermitteln und zu diskutieren, trafen sich nun rund 20 Schüler in der Evangelischen Teerstegen-Kirchengemeinde, Teerstegenplatz 1, mit Menschen aus Flüchtlingsländern.

"Ich hatte erst Bedenken", erklärt der 17-jährige Schüler Amar Silydedic. Zu intim erschienen dem Gymnasiasten die Erfahrungen der Flüchtlinge, zu persönlich, mit diesen Menschen über ihre Erlebnisse im Heimatland und auf ihrer Flucht zu sprechen. Dennoch: Der auf Deutsch und Englisch geführte Erfahrungsaustausch bei Gebäck und Obstsaft entwickelt sich schon recht bald zur ungezwungenen Unterhaltung. So berichtete ein 1988 in Nigeria Geborener beispielsweise von seiner großen Liebe zum Fußball. Er selbst spielt leidenschaftlich, lebt bereits seit elf Monaten in Düsseldorf und unterhält sich mit den Schülern bereits problemlos auf Deutsch. "Ich habe nicht erwartet, dass wir so gut miteinander kommunizieren können", stellt auch Linus Meiser fest. Der 17-jährige Schüler ist begeistert von der Begegnung. Beim gemeinsamen Kartenspiel waren Musik, Sportereignisse und Zukunftspläne sowie viele weitere, mitunter private Themen Gegenstand der freundschaftlichen Begegnung zwischen Schülern und Hilfesuchenden.

Am dritten Projekttag wurden die Begegnungen unter Berücksichtigung einer zuvor geführten Passantenumfrage zum Thema aufgearbeitet und zusammengefasst. "Vielleicht ergeben sich aus der Begegnung auch Möglichkeiten für zukünftige Patenschaften, Kooperationen und Lernunterstützungen", hofft Projektlehrerin Angelika Miller.

Den Kontakt zur Terstegen-Kirchengemeinde fand die Projektgruppe des Luisen-Gymnasiums über Dörte Märtesheimer. Die pensionierte Lehrerin engagiert sich in der Gemeinde ehrenamtlich und unterrichtet dort Flüchtlinge in Deutsch. "Die Flüchtlinge verlieren nicht nur ihre Heimat, sondern - und das ist das Schlimmste - auch ihre Sprache", sagt die ehemalige Lehrerin für Naturwissenschaften.

Großen Wert lege sie auf eine deutliche und korrekte Aussprache, sagt Märtesheimer, denn nur so könne eine reibungslose Kommunikation zwischen Hilfesuchenden und Einheimischen im Gastland stattfinden. Geübt werden die Vokabeln über konkrete Beobachtungen des Alltags.

Quelle: RP
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