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Düsseldorf
Wird die Sekundar- zur Gesamtschule?

Düsseldorf. Partner einer möglichen Ampelkoalition denken darüber nach. Denn der Sekundarschule fehlt die Oberstufe. Von Jörg Janssen

Die von SPD, Grünen und inzwischen auch von der FDP befürwortete fünfte Düsseldorfer Gesamtschule wird möglicherweise am Hermannplatz in Flingern entstehen. Sie würde im Gebäude der Montessori Haupt- und Sekundarschule eingerichtet und die erst vor einem Jahr eröffnete Sekundarschule mittelfristig ersetzen. "Das ist eine von mehreren Möglichkeiten, über die wir nachdenken und diskutieren wollen", sagt Schulexperte Wolfgang Scheffler (Grüne), der bei den bald anstehenden Verhandlungen zur Rot-Gelb-Grünen-Ratskoalition eine mitentscheidende Rolle spielt. Auch FDP-Frontfrau Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die bereits bei den Sondierungsgesprächen dabei war, gibt sich offen: "Eine Überlegung ist das. Wir werden mit unseren möglichen Partnern darüber ideologiefrei diskutieren." Und für den künftigen OB Thomas Geisel (SPD), "wird es auch bei diesem Thema keine Denkverbote geben".

Die wichtigsten Hintergründe und Fragen im Überblick:

Was spricht für eine Gesamt- an Stelle der Sekundarschule? Die Sekundarschule ist eine Schule der Sekundarstufe I, das heißt sie geht - wie die Haupt- und Realschulen - nur bis zur 10. Klasse. Potenzielle Abiturienten müssen danach in die Oberstufen von kooperierenden Schulen wechseln. Vor allem auf dem Land ersetzt dieser neue Typus von Gemeinschaftsschule zu klein gewordene und deshalb in ihrem Bestand gefährdete Haupt- und Realschulen. Im Zweifel erspart das den Jungen und Mädchen lange Wege in andere Städte. Anders ist die Situation in Düsseldorf. Hier wird es bis auf weiteres sämtliche Schultypen und Schulformen geben. Die Sekundarschule tritt hier als weiteres (Zusatz-)Angebot bis Klasse 10 neben die etablierten Angebote. "Deshalb sind in Großstädten wie Düsseldorf klassische Gesamtschulen mit eigener Oberstufe und Abituroption als Alternative zum Gymnasium deutlich nachgefragter", sagt Scheffler. Der Politiker hält die Umwandlung deshalb nur für konsequent. Zumal in Düsseldorf jedes Jahr rund 250 potenzielle Gesamtschüler mangels Plätzen abgewiesen werden müssen.

Wie würde die Umwandlung vonstattengehen? Laut Bezirksregierung muss die Stadt als Schulträger einen Antrag auf Umwandlung stellen. Nach Angaben einer Sprecherin gibt es allerdings im Regierungsbezirk weder Präzedenzfälle noch Voranfragen. Grundsätzlich sei eine solche Umwandlung aber möglich. Um die Gesamtschule zum Schuljahr 2015/16 an den Start zu bringen, müsste Düsseldorf bis November den Antrag einreichen.

Was wird aus den bisherigen Sekundarschülern? Kommt es zur Umwandlung, würden - so die Einschätzung von Bezirksregierung und Sekundarschulleiterin Birgit Planken - die jetzigen Sekundarschüler (ab August wird es einen fünften und einen sechsten Jahrgang geben) bis zum Ende der 10. Klasse weiter als Sekundarschüler unterrichtet. Erst von 2015/16 an könnte dann mit den ersten Fünftklässlern die neue Gesamtschule an den Start gehen. Neue Sekundarschüler würden ab diesem Zeitpunkt nicht mehr eingeschult.

Was sagt die Sekundarschule zu den Plänen? Schulleiterin Birgit Planken befürwortet eine mögliche Umwandlung. "Ich sehe das als große Chance und stehe voll dahinter", sagt die Pädagogin. Schwierigkeiten von der Schulaufsicht erwartet sie nicht. Ihrer Einschätzung nach wird das Land die Düsseldorfer Pläne positiv begleiten. Das engagierte, von ihr und anderen Pädagogen für die Montessori-Sekundarschule entwickelte Konzept sei ohne weiteres auf die mögliche neue Gesamtschule übertragbar. Planken: "Wir haben bereits bei den letzten Anmeldungen gemerkt, dass sich Düsseldorfer Eltern lieber eine klassische Gesamtschule, die ohne erneuten Schulwechsel zum Abitur führen kann, wünschen."

Was spricht gegen eine Umwandlung? Einwände gibt es mehrere. Viele Eltern, die ihre Kinder im neuen Schultyp angemeldet haben, wollten genau diesen. Plötzlich wäre der nur noch ein kurzlebiges "Zwischenmodell" mit baldigem Verfallsdatum. Hinzu kommt: Die Sekundarschüler (zwei Jahrgänge) müssten, wenn sie weitermachen, nach Klasse 10 in jedem Fall auf eine andere Schule wechseln. Denn die im Aufbau befindliche Gesamtschule vor Ort hätte zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Oberstufe.

Gibt es bessere Standorte? Nach Einschätzung einiger Experten: Ja. Denn im Norden der Stadt existiert bislang gar keine Gesamtschule. Dagegen liegt beispielsweise die Hulda-Pankok-Gesamtschule nicht weit weg von Flingern. Beide Standorte könnten um dieselben Schüler konkurrieren.

Quelle: RP
 
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