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Düsseldorf
Wissenschaft: Die Zukunft ist weiblich

Düsseldorf: Wissenschaft: Die Zukunft ist weiblich
Petra Bauer ist eine Expertin für Biologie.
Düsseldorf. Von den knapp 300 Professorenstellen der Heinrich-Heine-Uni sind mittlerweile 20 Prozent von Frauen besetzt. Von Ute Rasch

Sie erforschen die Vergangenheit, um die Gegenwart besser zu verstehen. Sie beschäftigen sich mit einem breiten Themenspektrum, manche dürften für Laien nur schwer verständlich sein, andere interessieren jeden. Beispiel: Warum knirschen so viele Menschen nachts mit den Zähnen? Oder: Wieso eigentlich galt früher Genie stets als männlich?

Die Leiterin des Gründungszentrums der Uni, Eva Lutz FOTO: Hanne Horn

Wissenschaftlerinnen der Düsseldorfer Uni ergründen das Leben - in all seinen Facetten. Heute sind mehr als die Hälfte aller Studierenden junge Frauen, bei den Professorenstellen aber schrumpft der weibliche Anteil dann auf nur noch knapp 20 Prozent. Damit gilt für etliche Fächer: Die Zukunft ist weiblich. In einer neuen Veröffentlichung werden die Frauen vorgestellt, die an der Heinrich-Heine-Universität in der Forschung wirken und so helfen, die Wissenschaft voranzubringen.

Michelle Ommerborn Sie war die erste Professorin in Zahnmedizin des Uniklinikums: Ommerborn erforscht ein Thema mit Biss, das nächtliche Zähneknirschen. "Dabei geht es um ein Massenphänomen, das oft erst Jahre später erkannt wird." Früher vermutete man, dass eine Fehlstellung der Zähne die Hauptursache sei und verordnete eine Biss-Schiene. Michelle Ommerborn aber hat nachgewiesen, dass diese Annahme falsch war. Stress sei vermutlich eine der Hauptursachen, beziehungsweise die mangelnde Fähigkeit, Belastungen zu bewältigen. Um den Grad des Knirschens zu messen - bisher waren Untersuchungen teuer und langwierig - hat die Zahnmedizinerin mit ihrem Team eine neuartige Aufbissfolie aus Kunststoff entwickelt. Dank dieser Innovation kann schon in einem frühen Stadium die Intensität der Störung gemessen werden. Um allerdings das Rätsel des nächtlichen Knirschens völlig zu ergründen, wird Ommerborn noch vielen Patienten auf den Zahn fühlen müssen.

Die erste Professorin in Zahnmedizin an der Uniklinik: Michelle Ommerborn

Petra Bauer "Der Nachwuchs der Naturwissenschaften ist weiblich", titelte neulich ein Fachmagazin. Dabei geht es gerade in der Biologie um die großen Zukunftsfragen: Wie lassen sich Pflanzen züchten, die wenig Wasser brauchen, gleichzeitig aber hohe Erträge bringen? Laut WHO gehören ernährungsbedingte Krankheiten zu den großen Herausforderungen weltweit. "Eisenmangel ist dabei besonders gravierend", so die Biologin Bauer. Denn die Folge ist Blutarmut, die bei Erwachsenen Dauermüdigkeit auslösen kann.

Pflanzen zählen zu den wichtigen Eisenlieferanten in der Ernährung, sie sind in der Lage, Eisen aus dem Boden herauszulösen und zwar immer so viel, wie sie gerade brauchen. Aber wie gelingt ihnen das? Dieser Frage geht Petra Bauer bei ihrer Forschung nach. Die Hoffnung, die damit verknüpft wird: in Zukunft eisenreichere Pflanzen zu züchten - viele staatliche Organisationen und Forschungsinstitute, aber auch Saatgutfirmen sind an den Ergebnissen aus Düsseldorf interessiert.

Historikerin Irmtraut Götz von Olenhusen schreibt auch Bücher.

Irmtraut Götz von Olenhusen Nicht das Labor, sondern Bibliotheken und Archive sind die liebsten Arbeitsplätze der Historikerin. Sie hat Bücher geschrieben wie "Mord verjährt nicht. Krimis als historische Quelle." Außerdem erforschte sie, warum in früheren Epochen Genie stets als männlich galt. Ihre Erkenntnis: Man hat den Frauen in den vergangenen Jahrhunderten Bildung vorenthalten, um ihnen dann vorzuwerfen, sie seien nicht ausreichend gebildet. "Man schloss wohl von ihren weicheren Körperformen auf ein weiches Gehirn."

Die neueste Forschung der renommierten Historikerin beschäftigt sich mit der Geschichte der Psychiatrie. Wieder stöbert sie dafür in alten Akten, für sie verlässliche Quellen, "die Zeitgeschichte lebendig werden lassen und die von sozialen Umständen erzählen." Vor allem einer Frage ist sie auf der Spur: Wer bestimmte eigentlich, ob jemand als "nicht normal" zu gelten hatte. Ihre Ergebnisse werden vermutlich wieder in einem auch für Laien spannenden Buch münden.

Katharina Hilbig-Lugani Auch die Professorin für Bürgerliches Recht zählt zu den erfolgreichen Publizistinnen. In ihrer Forschung vergleicht sie die Rechte von Menschen in verschiedenen Ländern, dabei hat sie mehr Unterschiede entdeckt, als sich im vereinten Europa vermuten lassen. Zum Beispiel beim Scheidungsrecht: In Schweden seien "nacheheliche Unterhaltszahlungen" kaum bekannt, "im Vergleich dazu werden die in Deutschland großzügig geregelt." So großzügig, dass es hierzulande sogar Unterhaltszahlungen innerhalb der erweiterten Familie gibt, so muss beispielsweise eine vermögende Großmutter ihren Enkel unterstützen, wenn der von Sozialhilfe lebt - oder umgekehrt. "Das gibt es in anderen Staaten nicht." Andere Länder, andere Sitten - in Deutschland können Ehepartner durch einen Vertrag regeln, dass weniger Unterhalt gezahlt wird, als gesetzlich vorgesehen ist. Bei ihrem Vergleich mit anderen Ländern hat Katharina Hilbig-Lugani bei diesem Thema "einen ganzen Zoo an Varianten gefunden."

Eva Lutz Die Wirtschaftswissenschaftlerin, Leiterin des Gründungszentrums der Uni, ist mit ihrer Forschung nah an der Praxis. Ein Absolvent, der nach dem Studium ein Unternehmen gründen will, kann mit konkreten Hilfen rechnen. Eva Lutz, strategischer Kopf des Zentrums, hat ein Lehrprogramm für Gründer entwickelt, das sich an alle Fakultäten richtet. "Bei uns erfährt auch ein angehender Philosoph, was ein Businessplan ist oder eine Bilanz." Darüber hinaus bietet das Zentrum intensive Beratung, wenn es um die Finanzierung der künftigen Firma geht, das Spezialgebiet von Eva Lutz. Ihr aktuelles Forschungsprojekt beschäftigt sich mit einer neuen Form der Geldbeschaffung: "Crowdfunding", nach dem Prinzip: Viele Menschen zahlen meist kleinere Beträge über eine Internet-Plattform. "Wir wollten wissen, wie das einer Firma gelingt", so die Wissenschaftlerin. Ergebnis: Die Persönlichkeit des Unternehmers, nicht die Geschäftsidee, ist entscheidend - "das war vielen Gründern gar nicht bewusst."

Quelle: RP
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