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Düsseldorf
Wo Amtsärzte zur Schule gehen

Düsseldorf. Ute Teichert leitet die Akademie für öffentliches Gesundheitswesen, die Mediziner weiterbildet. Von Sonja Schmitz

Als vor einiger Zeit Flughafen, Feuerwehr, Stadt und Uniklinik am Airport den Ernstfall probten, saß Ute Teichert hustend und mit Fieber in einem Flugzeug. Sie spielte eine an Lungenpest erkrankte Frau, die möglichst schnell ins Krankenhaus gebracht werden musste. Laut Drehbuch setzten sich die Sitznachbarn weg, die Stewardessen waren überfordert. "Erst als die Notärzte kamen, hatte ich als Patient das Gefühl: Da ist ein Anker", erzählt Teichert in ihrem Büro an der Kanzlerstraße in Rath.

Für die Ärztin, die seit zwei Jahren die Akademie für öffentliches Gesundheitswesen leitet, war die Übung ein interessanter Perspektivwechsel. In ihrem Alltag stehen Fragen der Aus-, Fort- und Weiterbildung im Vordergrund. Für das öffentliche Gesundheitswesen bietet die Akademie Weiterbildungen zum Facharzt, zum Fachzahnarzt und zum Fachapotheker an. Wer Hygiene- oder Lebensmittelkontrolleur werden möchte, kann sich an der Akademie dazu ausbilden lassen. Mehr als 3000 Teilnehmer besuchen pro Jahr die Angebote.

"Aus- und Fortbildung im Verbund zu organisieren, macht Sinn", sagt Teichert. Schließlich ist die Zielgruppe recht klein - etwa 2500 Ärzte sind in ganz Deutschland im öffentlichen Gesundheitswesen beschäftigt. Deshalb haben sich zur Fortbildung sechs Länder zusammengeschlossen: NRW, Niedersachsen, Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein und Hessen. Im kommenden Jahr schließen sich zwei weitere an: Berlin und Rheinland-Pfalz, wo Teichert zuvor selbst ein Gesundheitsamt geleitet hatte.

Erst kürzlich hatten sich in Düsseldorf Verantwortliche im öffentlichen Gesundheitswesen bei ihrer Jahrestagung über Gesundheitsvorsorge bei Flüchtlingen ausgetauscht. Ärzte stehen bei dem Thema vor Hürden, erklärt Teichert, beispielsweise der Sprachbarriere. "Der sprachliche Zugang ist wichtig", sagt sie, "und Laiendolmetscher aus der Familie sind oft keine gute Lösung." Videodolmetscher seien eine praktikable Alternative, allerdings keine Kassenleistung.

Ein großes Thema bei der Versorgung von Flüchtlingen sind Schuluntersuchungen für Seiteneinsteiger. Während die Ärzte sonst Fünf- und Sechsjährige untersuchen, sind die jugendlichen Flüchtlinge eher zwischen zehn und 14 Jahren. Das macht die Schuleingangsuntersuchungen schwierig, denn die sind alters- und sprachgenormt. "Die Frage ist, wie findet man heraus, ob der Schüler eine Behinderung hat?", so Teichert. Dafür müssen Antworten gefunden werden.

Genau das findet Teichert bei der Arbeit im öffentlichen Gesundheitswesen aber auch spannend: Immer wieder wechseln die Anforderungen, man denke an Epidemien wie Ehec, Vogel- und Schweinegrippe, auf die der öffentliche Gesundsdienst reagieren muss. Für die gute medizinische Versorgung der Bevölkerung braucht es auch Personal - und das wurde in Deutschland stark reduziert: um mehr als 30 Prozent in 15 Jahren. Ein Umstand, den Teichert, die auch Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes ist, mit Sorge sieht. Und wenn es offene Stellen gibt, sind sie oft nicht leicht zu besetzen. Für den Dienst dort rührt Teichert deshalb mit Überzeugung die Werbetrommel.

Quelle: RP
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