| 00.00 Uhr

Kolumne Auf Ein Wort
"Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz"

Düsseldorf. In der Fastenzeit verhüllt das sogenannte Hungertuch das Kreuz in den Kirchen. Das bischöfliche Hilfswerk Misereor in Aachen beauftragt seit vielen Jahren Künstler aus aller Welt mit der Gestaltung dieses Tuches. In diesem Jahr ist ein abstraktes Bild des chinesischen Künstlers Dao Zi zu sehen, das in der Bildmitte einen großen, glänzenden Goldklumpen zeigt und damit vielfältige Assoziationen hervorruft. Das scheinbar grenzenlose Streben des Menschen nach materiellem Reichtum und Geld, das eine nahezu magische Anziehungskraft auszuüben scheint. Das Gold symbolisiert für Christen aber auch Jesus Christus, der in dieser Perspektive zum Stein des Anstosses wird.

Der Künstler will anregen, darüber nachzudenken, was wir wirklich zum Leben brauchen, was ein erfülltes Leben ausmacht, aber gleichzeitig auch auf den Reichtum dieser Erde, die Bodenschätze und Ressourcen hinweisen. Eigentlich ist genug für alle da. Jeder Mensch hat ein Recht auf Glück und ein menschenwürdiges Dasein. Wir wissen, dass viele Menschen davon ausgeschlossen sind.

In der Bergpredigt können wir lesen: Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz! Wo ist unser Schatz? Wonach streben wir? Wie viel ist genug? Fragen, denen sich jede und jeder stellen muss und bei denen es nicht nur um materiellen Besitz geht. Beziehungen, Freundschaften, das Eingebundensein in eine Gemeinschaft, Solidarität mit Menschen aus anderen Ländern, das Teilen - all das kann reich machen, uns beschenken. In der vergangenen Woche traf ich den Leiter von Misereor, Pater Pirmin Spiegel, der von der Begegnung mit einem Flüchtlingsmädchen berichtete, dessen Vater bereits in Deutschland lebt. "Mein Vater ist ein reicher Mann", erzählte das Kind begeistert. "Er wohnt in einem Raum mit einer Tür davor".

Die Fastenzeit und besonders der kommende Misereor-Fastensonntag können unseren Blick darauf lenken, Lebensqualität nicht mit Konsumqualität zu verwechseln. Vielleicht auch ein Impuls, den Reichtum anderer Kulturen wahrzunehmen.

ANTONIUS KERKHOFF LEITET DAS ASG-BILDUNGSFORUM, DAS VON DER KATHOLISCHEN KIRCHE MITGETRAGEN WIRD.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Kolumne Auf Ein Wort: "Wo dein Schatz ist, da ist dein Herz"


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.