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Düsseldorf
Wo Fußball nach Bratwurst schmeckt

Düsseldorf: Wo Fußball nach Bratwurst schmeckt
O Captain, my Captain: Michael Oehlschlägel (links) führt die SG Benrath-Hassels aufs Feld, Dominik Eßer den FC Tannenhof. FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Blutgrätsche, Schweiß, Bier - und ehrliche Leidenschaft: Über 10 000 Menschen spielen in Düsseldorfer Vereinen Fußball. Erstmals wird das Eröffnungsspiel der Kreisliga A im Fernsehen übertragen. Würdigung des Amateurfußballs. Von Henning Rasche

Dominik Eßer sagt: "Wir sind keine Gurken, wir spielen schon Fußball." Fünf Fußballtermine hat er in der Woche, es ist seine große Leidenschaft. Seit dem dritten Lebensjahr spielt der 26-Jährige Fußball, natürlich ist der Innenverteidiger und Kapitän des FC Tannenhof keine Gurke. Er sagt es trotzdem, als müsse er sich und sein Team verteidigen, wie auf dem Platz. Düsseldorf ist eine sehr spielstarke Gegend, findet er: "Es geht immer heiß her." Auf das große Spiel gegen die SG Benrath-Hassels sind er und seine Jungs heiß. "Die können sich auf was einstellen", sagt Eßer.

Im Vereinshaus des FC Tannenhof bietet der Wirt gerade den Taxiteller an. Taxi-Teller: Sieben Euro für Currywurst, Gyros und Pommes. Draußen hämmert der Regen auf die Pflastersteine, der Rasenplatz kämpft mit dem Absaufen. Drinnen haben sich ein paar Kinder zum Essen hingesetzt, klätschnass vom Training. Ansonsten macht die Sportanlage des FC Tannenhof einen gepflegten Eindruck, sauber, ordentlich, der Platz hübsch präpariert. Dass die erste Fußballmannschaft des Fußballclubs aus Eller in der Kreisliga A aufläuft, klingt da irgendwie ein bisschen traurig.

In Düsseldorf spielen 10 000 Frauen und Männer, Mädchen und Jungen in 65 verschiedenen Vereinen Fußball. Sie trainieren zwei, drei, manchmal sogar viermal in der Woche. Am Wochenende sind Trainings- oder Meisterschaftsspiele, gemeinsames Kegeln oder Jahreshauptversammlungen. Schiedsrichter reisen umher, halten den Kopf her für jeden Fehlpass. Und unzählige Ehrenamtler verkaufen Eintrittskarten, Bier, pflegen den Platz und waschen die Trikots. Wer das traurig findet, hat nichts verstanden.

Der FC Tannenhof ist Gastgeber einer fast wahnsinnigen Premiere. Center.tv überträgt das Eröffnungsspiel der Kreisliga A zwischen dem FC und der SG Benrath-Hassels. Mit Einlaufkindern, Bierwagen, Halbzeitinterviews und erfahrenem Sportkommentator. Dessen Name steht zwar noch nicht fest, soll aber eine Größe aus der Bundesliga sein. Irgendjemand in der Kategorie Frank Buschmann. Sechs Kameras und einen Ü-Wagen wird center.tv auffahren, ein Aufwand, den der Düsseldorfer Sender noch nie für ein Fußballspiel betrieben hat. Am 22. August, 17 Uhr, ein Samstag, ist das Spiel, eingebettet in ein üppiges Rahmenprogramm. Zwei Tage später, am Montag um 20.45 Uhr, läuft es dann im Fernsehen.

Kai Schumacher, der Geschäftsführer des FC Tannenhof, erwartet einen Zuschauerrekord. Insgesamt sollen das Spiel vor Ort, bei center.tv und auf Konserve im Internet "eine fette sechsstellige Menge Menschen" sehen, sagt Schumacher. Sonst kommen so etwa 100 Zuschauer im Schnitt. Auch der Leiter der Sponsoring-Abteilung beim Gegner aus Hassels, Andreas Klose, freut sich auf die Übertragung, eine Chance sieht er darin. Schumacher findet, der Amateurfußball brauche "neue Impulse". Das stärke den Fußball. "Wir sind alle heiß wie Frittenfett."

Der Ruf des Kreisliga-Fußballs pendelt zwischen himmelhochjauchzend und katastrophal. Dabei stehen auf dem Feld 22 Vollathleten. "Da hat keiner mehr eine Kugel", sagt Kai Schumacher. Die Kreisliga ist ein hartes Geschäft geworden. Umstrukturierungen stehen auf dem Programm, Ligen werden schlanker und effizienter. Wer da auf dem Feld nicht 110 Prozent gibt, verliert und steigt ab. "Das ist kein Hobbyfußball mehr", sagt Bernd Biermann, der Leiter des Fußballkreises 1, Düsseldorf. So ernst ist das, entweder ist Fußball alles oder gar nichts.

Michael Oehlschlägel, Innenverteidiger und Spielführer der SG Benrath-Hassels, ist angespornt von der Fernsehübertragung. "Sie macht in der Mannschaft natürlich niemanden traurig", sagt er. Die Vorbereitung mache ihm sowieso immer Spaß, in diesem Jahr noch mehr. Und klar: "Mit null Punkten wollen wir nicht nach Hause fahren." Es geht schließlich um alles.

Quelle: RP
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