| 15.00 Uhr
Tag des Bieres
Woher der Name "Altbier" kommt
New Yorker trinken Düsseldorfer Altbier
New Yorker trinken Düsseldorfer Altbier FOTO: RP/Hans Onkelbach
Sie sind Rivalen, deren Liebhaber das Gegenüber kaum ausstehen können. Und doch sind die grundlegenden Eigenschaften sehr ähnlich: Altbier und Kölsch sind Obergärige Vollbiere mit durchschnittlich 4,8 Volumenprozent Alkohol und einer Stammwürze von 11,3 bis 11,5 Prozent. Am heutigen Tag des Bieres feiern auch Düsseldorf und Köln ihr lokales Getränk. Von Johannes Bornewasser

Wer in Düsseldorf oder am Niederrhein einkehrt, darf den Besuch eines typischen Altbier-Brauhauses nicht versäumen. Vom Studenten bis zum Rentner, vom Touristen bis zum "Ureinwohner" - beim gemeinsamen Altbier treffen verschiedene Alters- und Gesellschaftsschichten aufeinander.

Während der Name in Köln stets für Anspielung auf die Frische des Produktes sorgt, hat der Name "Alt" eine ganz simple Erklärung. Nicht das Alter des Produktes, sondern das des Brauverfahrens ist gemeint.

Traditionelles Brauverfahren

Das Brauverfahren stammt aus der Zeit, als technische Kühlverfahren noch nicht bekannt waren. Es ermöglichte, Bier auch bei höheren Außentemperaturen gären und reifen zu lassen. Zur Herstellung wurde in weiten Teilen des Landes obergärige Hefe verwendet. Sie benötigte während des Brauens, unter anderem wird der Malzzucker dabei in Alkohol umgewandelt, Temperaturen zwischen 15 und 20 Grad Celsius.

In den Gärbottichen steigt die Hefe nach dem Gärprozess an die Oberfläche des Bieres. Untergärige Hefe, die sich am Boden des Bottichs absetzt, benötigt dagegen Temperaturen von vier bis neun Grad.

Carl von Linde erfand im Jahr 1873 die erste Kältemaschine, die fortan für die Herstellung von Pilsener- oder Exportbieren verwendet wurde. In Düsseldorf beschränkten sich die Braumeister trotz der neuen Erfindung auf ihre alteingesessene Biertradition, der sie bis heute treu blieben.

Während des Brauens spielt neben der Hefe auch die Stammwürze eine entscheidende Rolle. Sie ist eine Messgröße beim Bierbrauen und bezeichnet den Anteil der aus Malz und Hopfen gelösten nichtflüchtigen Stoffe vor der Gärung. Dies sind vor allem Malzzucker, Eiweiß, Vitamine und Aromastoffe.

Das deutsche Reinheitsgebot

Nicht zuletzt die "längste Theke der Welt" in der Düsseldorfer Altstadt lässt die alten Rezepte der Hausbrauereien weiterleben. Selbstverständlich halten sich die Brauereien seit jeher an das deutsche Reinheitsgebot, das dem bayerischen Reinheitsgebot aus dem Jahr 1516 entstammt. Der Erlass besagt, dass ins Bier ausschließlich Hopfen, Malz und Wasser gehöre. Insbesondere in den USA wird das deutsche Reinheitsgebot bis heute als beliebtes Werbemittel für die Qualität eines Bieres eingesetzt.

Altbierkonsum rückläufig

Doch trotz der gleichbleibenden Qualität, mit der das Altbier beworben wird, kämpfen einige  Brauereien mit rückläufigem Bierkonsum. Bereits die Entwicklung im Jahr 2007 war für die Hersteller der Düsseldorfer Spezialität mitunter ernüchternd. Von Januar bis November 2007 wurden noch 1.156.407 Hektoliter Alt gebraut. Im Jahr 2008 waren es dagegen nur noch 1.062.517 Hektoliter. Das entspricht einem Rückgang von 8,1 Prozent.

Zum Vergleich: Kölsch verzeichnete lediglich einen Rückgang von drei Prozent auf 1.998.465 Hektoliter. Doch nicht nur das traditionelle Altbier wird seltener konsumiert. Auch Pils verlor im gleichen Zeitraum um rund 1,6 Prozent. Tranken die Deutschen im Jahr 1976 pro Kopf noch 151 Liter Bier, sind es heute nur noch 110 Liter.

Marktführer ist die zur Interbrew-Gruppe gehörende Brauerei Diebels. Offizielle Zahlen gibt das Unternehmen nicht bekannt, der Geschätzte Bierabsatz liegt jedoch bei etwa 400.000 Hektolitern. Frankenheim folgt mit rund 250.000 Hektolitern, Schlösser produzierte 2008 etwa 200.000 Hektoliter.

Doch nicht überall ist der Trend rückläufig. Die Brauerei Füchschen investiert in diesem Jahr rund 1,3 Millionen Euro für eine neue Fassabfüllanlage. Immerhin legte das Unternehmen im Vorjahr von rund 25.000 auf 26.700 Hektoliter zu. Den Grund glaubt Füchschen-Chef Peter König zu kennen: "Für ein paar Glas Bier ist bei unseren Gästen immer Geld da."

Das wird sich besonders am heutigen Tag des Bieres zeigen, den in und um Düsseldorf tausende Altbierliebhaber mit einem Schluck der lokalen Spezialität ausklingen lassen werden.

Quelle: born
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung.
Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.


Melden Sie diesen Kommentar