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Düsseldorf
Wohnbunker "Papillon" fliegt in die Pleite

Düsseldorf: Wohnbunker "Papillon" fliegt in die Pleite
Der "Papillon" an der Pariser Straße in Heerdt ist ein außergewöhnliches Wohnprojekt, das noch nicht komplett fertiggestellt ist. FOTO: Andreas Endermann
Düsseldorf. Im Frühjahr gewann der Wohnbunker in Heerdt noch den Immobilien-Oscar bei der "Mipim" in Cannes. Jetzt wurde für die Objektgesellschaft des ehrgeizigen Projekts die Insolvenz angemeldet. Grund sind Mehrkosten in Millionenhöhe. Von Uwe-Jens Ruhnau

Der Bunker an der Pariser Straße war für die beiden Heerdter Andreas Bahners und Peter Jung die Larve, die in einen Schmetterling verwandelt werden kann. Daraus folgte der Name "Papillon", und tatsächlich ging der Plan auf. Aus dem hässlichen Betonklotz ist ein spektakuläres Wohnhaus mit auskragenden Räumen und Terrassen geworden, im Mai/Juni wurden die ersten Wohnungen übergeben. Für ihr Projekt wurden die Investoren im März bei der weltgrößten Immobilienmesse "Mipim" in Cannes mit dem Sieg in der Kategorie Sanierung belohnt. Das bittere Erwachen folgt jetzt: Die Kosten sind explodiert, der Geschäftsführer der "741 Projektentwicklung GmbH", Gerd Schmitz, hat Insolvenzantrag gestellt.

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Eskaliert ist die Situation vor zehn Tagen. Nach Informationen unserer Redaktion soll Schmitz die Gesellschafter Bahners und Jung aufgefordert haben, innerhalb weniger Tage zwei Millionen Euro bereitzustellen, eine weitere Zahlung von 1,1 Millionen Euro sollte folgen. Da das Geld nicht floss, wurde der Insolvenzantrag gestellt. Handwerkerrechnungen sind nunmehr offen, aus "Rache" wurde kurzzeitig die Hauseingangstür ausgebaut. Ein Schock für die noch junge Hausgemeinschaft.

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Die Erwerber haben teils eine unsichere Situation. Fast alle haben dem Vernehmen nach den vollen Kaufpreis entrichtet, wie zu hören ist, floss die letzte Rate "auf freundschaftliches Drängen" der Entwickler. Wer wegen Mängeln einen Teil des Geldes einbehalten hat, soll noch nicht im Grundbuch stehen. Auch gibt es nicht zu jeder Wohnung ein Abnahmeprotokoll und es fehlt auch die Gesamtabnahme des Baus durch die Stadt. "Wir wollen jetzt die Restarbeiten mit den Handwerkern durchführen", sagt Marc Kömmerling, einer der Erwerber. So sind die Autoaufzüge zu den Wohnungen, wo die Fahrzeuge auf Terrassen abgestellt werden können, noch nicht nutzbar, da diese Terrassen noch nicht gepflastert sind.

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Der Finanzfachmann Bahners, der vor seiner Selbstständigkeit Direktor bei der Stadtsparkasse war, spricht "von der schlimmsten Situation in meinen Leben". Er und Jung seien "tief erschüttert". Zur Sache dürfe er nichts sagen. Aus einer Mail an die Käufer geht jedoch hervor, dass rechtliche Schritte erwogen werden. Steuerer Schmitz, der bei namhaften Entwicklern Großprojekte mit betreut hat, soll für die Verhandlungen mit den Handwerkern und die Vergaben zuständig gewesen sein.

Der schwierige Umbau des Bunkers muss dafür gesorgt haben, dass das Projekt aus dem Ruder lief. Dies führte schon vor der Eskalation zu Preissteigerungen. Die Diamantseilsägen brauchten neun Monate, um die großen Blöcke aus den 2,30 Meter dicken Wänden herauszuschneiden. Es gab weitere Verzögerungen und Verteuerungen. Ende Mai stiegen die Gesamtkosten von 16 auf 20 Millionen Euro. Mit aktuellen Nachträgen liege man bei bis zu sieben Millionen Euro Mehrkosten, ist zu hören. Bahners und Jung haben ihren Gewinn abgeschrieben, teils andere Immobilien verkauft und Geld zugeschossen, insgesamt sollen es um die drei Millionen Euro ein. Nun haben sie die Reißleine gezogen, als Insolvenzverwalter ist die Kanzlei Bremen Houben eingesetzt. Handwerker haben Forderungen in Millionenhöhe. Sie sind aktuell die Hauptgeschädigten.

Quelle: RP
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