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Serie "So wohnt Düsseldorf"
Wohnen mit viel Draußen

Serie "So wohnt Düsseldorf": Wohnen mit viel Draußen
An der Rückseite des Hauses wurde der Dachstuhl entfernt, um mehr Platz für das Dachgeschoss nach Maß zu gewinnen. FOTO: Anne Orthen
Düsseldorf. Hinter einer schlichten Gründerzeit-Fassade in Eller entstand eine Maisonette-Wohnung mit zwei Terrassen für eine vierköpfige Familie. Von Ute Rasch

Sie liebt Dachgeschosswohnungen, er träumte von einem Einfamilienhaus. Sie ist Architektin, er Raumausstatter, beide haben ein ausgeprägtes Stilempfinden. Gelegentlich auch kontrovers. Aber wenn man Christiane Joisten und Rainer Eckert heute in ihrem Zuhause erlebt, dann ist auf den ersten Blick klar: Das ist nicht das Ergebnis von Kompromissen, sondern von einer intensiven, gemeinsamer Planung. Ob sie dabei gelegentlich miteinander gerungen haben, spielt keine Rolle mehr. Das Ergebnis zählt. Und führt dazu, dass Besucher hinter einer schlichten Hausfassade in Eller eine Überraschung erleben können.

Dieses Haus in der Nähe des Gertrudisplatzes stammt aus dem Jahr 1910 und hat schon ihrem Großvater gehört. Es war seit über 40 Jahren nicht mehr renoviert worden. Christiane Joisten erinnert sich an PVC-Böden, alte Bäder und abgehängte Decken, "eine Komplett-Sanierung war dringend notwendig." Und bot gleichzeitig die Chance, das Gebäude völlig neu zu strukturieren - und selbst dort einzuziehen. Die "schützenswerte" Fassade zur Straße durfte dabei nicht verändert werden, lediglich eine moderne Haustür öffnet heute gleich den Blick dafür, wie gründlich das alte Haus umgekrempelt wurde. Nur der alte Terrazzoboden und das Original-Holzgeländer im Treppenhaus blieben erhalten.

Christiane Joisten und Rainer Eckert in ihrer Küche. Die Glasschiebetür zum Esszimmer bleibt meistens offen. FOTO: Anne Orthen

Aus ehemals sieben Wohnungen entstanden nun vier, im Erdgeschoss zwei Appartements, in der ersten Etage eine Dreizimmer-Wohnung. Darüber entwickelte das Paar auf zwei Ebenen seine Vorstellung von einer perfekten Maisonette. "Wobei wir unsere Ideen von der Aufteilung immer wieder verändert haben", so Rainer Eckert. Zumal sich die Pläne einer wachsenden Familie anpassen sollten - mittlerweile hat das Paar zwei Kinder.

Heute verteilt sich der Familienalltag auf beide Etagen der Wohnung, unten die Kinderzimmer und die großzügige Küche mit angrenzendem Esszimmer, geteilt durch eine Glasschiebetür, die meistens offen bleibt. Vom Tisch schweift der Blick in einen alten Kirschbaum, der in jedem Frühling Blütenträume produziert. Eine Regalwand offenbart ihre Raffinesse erst beim genauen Hinsehen: die geschlossenen Elemente wie alle Schubladen sind 60 Zentimeter tief, um möglichst viel unterzubringen, die offenen Teile dagegen nur 40 Zentimeter, eine vorgezogene rückwärtige Wand kaschiert den Unterschied. Diese Elemente sind, ebenso wie die Küchen- und Badmöbel, Eigenentwürfe und wurden von einem Schreiner realisiert. Einig war sich das Paar auch bei den Farben, die sein Zuhause prägen sollten: warme Erdtöne. Sie variieren zwischen dem hellen Beige der Sandsteinfliesen in den Bädern, dem geräucherten Eichenparkett der Fußböden und den schokoladenbraunen Wänden in der Küche.

Das neue Flachdach ermöglichte die Gestaltung einer zweiten Terrasse, die über der Wohnung schwebt. FOTO: Anne Orthen

Das Dachgeschoss neu zu gestalten, war für die Architektin die wahre Herausforderung. Zur Straßenseite durfte die Fassade nur 50 Zentimeter angehoben werden, das Schrägdach musste bleiben - dort hatte sie wenig Spielraum. Aber an der Rückseite ließ sie den alten Dachstuhl komplett abreißen und eine neue Mauer ziehen, um mehr Platz zu gewinnen. Auf dieser Etage richtete das Paar sein Schlafzimmer, ein Bad und einen lichtdurchfluteten Wohnraum mit offenem Kamin ein. Schiebetüren öffnen sich zu einer intimen Terrasse, die (an drei Seiten von Mauern umgeben) wie ein luftiger Innenhof wirkt. Das neue Flachdach bot eine überraschende Möglichkeit: 60 Quadratmeter Platz für eine zweite Terrasse, die über der Wohnung schwebt - mit Fernblick bis ins Bergische Land.

Am Tag der Architektur 2012 öffnete das Paar seine Wohnung, um zu zeigen, was möglich ist, wenn eine alte Bausubstanz verwandelt werden soll - zwei Tage lang riss der Besucherstrom nicht ab. "Bauherren können sich ja oft nicht vorstellen, was man aus einem alten Haus alles machen kann", so Christiane Joisten. Wenn die beiden heute auf ihrer Dachterrasse sitzen und mit einem ersten Kaffee am frühen Morgen den Sonnenaufgang genießen, wissen sie, "dass wir alles richtig entschieden haben." Von einem Einfamilienhaus jedenfalls träumt Rainer Eckert schon lange nicht mehr.

Quelle: RP
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