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Serie So Wohnt Düsseldorf
Wohnprojekt nur für Frauen

Serie So Wohnt Düsseldorf: Wohnprojekt nur für Frauen
Sie könnten die ersten Düsseldorfer Beginen werden: v.l. Dorothea Krotczek , Chris May, Karin Köster (sitzend). FOTO: Christoph Reichwein
Düsseldorf. Beginenhöfe waren wirtschaftlich autonome Lebensgemeinschaften von Frauen, die weder verheiratet waren, noch ins Kloster wollten. Dorothea Krotczek , Chris May und Karin Köster wollen ein ähnliches Projekt auf die Beine stellen. Von Ute Rasch

Essen hat längst einen. In Köln planen sie gerade den zweiten. Düsseldorf hinkte der Entwicklung eine Weile hinterher, aber nun soll auch hier bald ein Beginenhof entstehen. Beginen, haben die nicht im Mittelalter gelebt? Nun sind sie wieder da und passen offenbar eine über Jahrhunderte erprobte Wohnform an die modernen Zeiten an. Soeben wurde der Verein "Düsselbeginen e.V." vorgestellt, die drei Gründerinnen suchen zurzeit alles auf einmal: ein geeignetes Gebäude, einen Investor, künftige Gefährtinnen - und dann wollen sie einer alten Idee neues Leben einhauchen.

Karin Köster sitzt in ihrer gemütlichen Altbauwohnung, Hündin Lena zu ihren Füßen, und hat eine Vision: "Eine alte Schule wäre großartig." In ihrer Vorstellung hat die Zukunft schon ziemlich konkrete Formen angenommen. Da finden sich 15 bis 20 Frauen, die bisher ganz verschiedene Leben gelebt haben, die aber eines eint: Der Wunsch, im Alter in Gemeinschaft zu leben. Und das Motto: Freude verdoppelt sich, wenn man sie teilt. Köster: "Wir wollen die spannenden Dinge des Lebens miteinander teilen. Und das sollte frühzeitig geplant werden."

Über 500 Frauen in Deutschland haben die alte Beginen-Kultur wiederbelebt, auch den Namen, "denn der war früher in den Städten Europas bekannt", sagt Karin Köster. Die historischen Beginenhöfe waren wirtschaftlich autonome Lebensgemeinschaften von Frauen, die weder verheiratet waren, noch ins Kloster wollten. Ohne männliche Bevormundung und Schutz lebten sie miteinander und arbeiteten für die Gemeinden. "Dadurch gewannen sie über vier Jahrhunderte hinweg einen großen Einfluss auf das Glaubens- und Wirtschaftsleben der Städte."

Die heutigen Beginen sind alle berufstätig und wirtschaftlich unabhängig, die meisten leben als Singles - eine Renaissance dieser alten Kultur wünschen sie sich dennoch. "Uns schwebt vor, Wahlverwandtschaften zu entwickeln", so die Gründerinnen. Sie geben sich schon jetzt klare Strukturen für das spätere Zusammenleben: Wenn eine der Mitbewohnerinnen pflegebedürftig wird, soll sie in der Gemeinschaft bleiben, "sie kann sich darauf verlassen, dass die anderen Pflege organisieren und für sie da sind", meint Karin Köster.

Doch bis es soweit ist, müssen noch etliche Hürden überwunden werden. Bei einem Info-Tag des Amtes für Wohnungswesen hat sich der Verein im November der Öffentlichkeit vorgestellt. Jetzt beginnt die Objektsuche. Ein altes Gebäude, wie es die Beginen in Essen gefunden haben, wäre ideal. Aber auch ein Neubau wie in Köln ist denkbar. "Auf jedem Fall müssen wir einen Investor finden", und dann soll ein Konzept entwickelt werden, ob die Wohnungen vermietet oder verkauft (auch eine Mischform sei möglich) oder als Anteile einer Genossenschaft vergeben werden.

Beschlossene Sache ist dagegen, dass alle Beginen eine eigene Wohnung zwischen 50 und 90 Quadratmetern bekommen, darüber hinaus soll Gemeinschaft in einem großen Wohnraum mit Küche und Bibliothek gelebt werden und in einem von allen bewirtschafteten Garten - "das Thema gesunde Ernährung ist für uns wichtig."

In einem zweiten Gemeinschaftsraum soll Platz sein für Yoga- und Tanzkurse, Meditation, aber auch für Literaturlesungen, Konzerte, vielleicht eine Theatergruppe. Auch ein kleines Nachbarschafts-Café sei denkbar. "Wir haben viele Ideen." Vor allem möchten die Gründerinnen "anders alt werden, als das heute oft noch üblich ist." Und ein Beginenhof sei ein bewährtes Mittel gegen Einsamkeit.

Quelle: RP
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