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Düsseldorf
Zahl der Angriffe auf Rettungskräfte steigt

Düsseldorf. Jetzt will die Feuerwehr mit einer Umfrage herausfinden, wie und bei welchen Einsätzen es zu Gewalttaten kommt.

Für den Düsseldorfer Rettungsdienst hat das Jahr mit Gewalt begonnen. Da war der Rettungsassisstent, der in einer Wohnung in Hassels von einem aufgebrachten Angehörigen einer soeben verstorbenen Frau bewusstlos geschlagen wurde und am selben Januar-Wochenende die Besatzung eines Rettungswagens, die in der Altstadt einen Verletzten behandelte, als der Wagen von jungen Randalierern erstürmt und die Sanitäter angegriffen wurden. Die Attacken waren keine Einzelfälle, im Sommer erlitt ein Rettungsassistent beim Public Viewing-Einsatz eine Innenohrverletzung, weil jemand direkt neben ihm einen Böller zündete.

"Gefühlt" sei die Zahl solcher Übergriffe stark gestiegen, heißt es bei der Feuerwehr, die deshalb eine Umfrage unter ihren haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräften gestartet hat. 49 Gewalt-Attacken haben Feuerwehrleute seither - teils anonym - per Online-Umfrage gemeldet. Nicht nur aktuelle, sondern auch alte Fälle sind gefragt - wie die Angriffe betrunkener Fortuna-Fans, die 2009 bei der Aufstiegsfeier Rettungskräfte sogar daran hinderten, zu Verletzten durchzukommen.

Die Arbeitsgruppe, die den Fragebogen entwickelt hat, will sich vor allem Klarheit über die Situationen verschaffen, in denen ihre Kollegen angegriffen werden, ob bei den Angreifern Alkohol immer eine Rolle spielt und ob die Aggression der Täter womöglich auch schon der Grund für den Einsatz der Retter gewesen ist. Ergebnisse sollen im Frühjahr vorliegen.

Tatsächlich sind laut Landeskriminalamt seit 2011 Angriffe auf Rettungskräfte jedes Jahr um etwa 70 Prozent gestiegen. Das Land und die Gewerkschaft Komba haben deshalb auch eine landesweite Studie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse im neuen Jahr erwartet werden. Die Gewerkschaft fordert besseren Schutz für Feuerwehr- und Rettungsdienst und sieht dabei vor allem Städte und Gemeinden als Dienstherren in der Pflicht. Die sollten auch jeden einzelnen Fall von Attacken gegen Retter anzeigen und Täter mit allen juristischen Mitteln verfolgen.

Einer Gewerkschaftsforderung ist die Düsseldorfer Feuerwehr bereits seit dem Sommer voraus: Sie schult die 700 Mitarbeiter des Rettungsdienstes in Deeskalationstrainings darauf, mit aggressiven Begegnungen im Einsatz umgehen und prekäre Situationen entschärfen zu können.

(sg)
 
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