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Düsseldorf
Zamek kehrt zurück

Düsseldorf. Die Insolvenz des Suppenherstellers Zamek bewegte die Düsseldorfer. Vor einem Jahr wurde das Traditionsunternehmen von einem Investor gekauft. Jetzt kommt die Marke mit neuen Produkten zurück in den Handel. Von Thorsten Breitkopf

Kaum eine Lebensmittelmarke wird so eng mit Düsseldorf verbunden wie der Fertigsuppenhersteller Zamek. Das Unternehmen wurde 1932 gegründet und hat bis heute seinen Sitz in Düsseldorf. Zameks Brühwürfel revolutionierten die Nachkriegsküche der Deutschen. Zamek war eine deutschlandweit bekannte Marke. Die Fortuna trug das rot-weiße Emblem auf ihren Trikots. Je nach Produktionstag roch der ganze Stadtteil Reisholz nach Hacienda-Topf. Doch vor etwa drei Jahren zogen dunkle Wolken auf über dem Traditionsunternehmen aus Düsseldorf. Erst gab es einen langen und erbittert geführten Streit um einen Haustarifvertrag. Dann lieh sich Zamek knapp 45 Millionen Euro an der Düsseldorfer Börse. Personal wurde reduziert. Die Eigentümerfamilie plante ein neues Werk in Polen, drohte mit dem Umzug nach Dresden. Doch zu all dem kam es nicht mehr. Erst wurde Geschäftsführer Michael Krüger gefeuert, dann auch Petra Zamek vom Amt der Geschäftsführerin entbunden. Die Zamek-Anleihe verlor binnen kurzer Zeit mehr als ein Drittel ihres Wertes. Ende Februar 2014 stellte die Firma Antrag auf Insolvenz beim Düsseldorfer Amtsgericht. 600 Mitarbeiter an den Standorten Dresden und Düsseldorf bangten um ihre Jobs. Und das leider zurecht. Die Produktion wurde zwar im Insolvenzverfahren in Eigenregie aufrecht erhalten. Doch sank die Mitarbeiterzahl rapide. Nach Auslaufen des Insolvenzgeldes im Mai 2014 mussten 125 Beschäftigte sofort gehen. Weitere Mitarbeiter verloren in einzelnen Schritten ihre Jobs. Die Eigenverwaltung wurde nach Zoff mit den Anleihegläubigern aufgegeben und im Juni übernahm der Insolvenzverwalter das Ruder. Es begann die schwierige Suche nach einem Käufer für Zamek. Sonst drohte das Aus. Angeblich gab es lange zwei Interessenten, darunter einen direkten Wettbewerber, was für die Produktion in Düsseldorf wohl das Ende bedeutet hätte.

Im November 2014 dann der Durchbruch: Das Frankfurter Investment-Unternehmen Dricon Capital kaufte alle drei operativen Gesellschaften von Zamek. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Preis im unteren zweistelligen Millionenbereich gelegen haben. Zamek war gerettet.

Inzwischen, gut ein Jahr nach der Übernahme, hat sich Zamek wieder einigermaßen berappelt. "Mitte des Jahres spürten wir noch ein Umsatzloch, weil während der Insolvenz kaum Aufträge reingekommen waren", sagte Zamek-Geschäftsführer Johannes Book im RP-Interview. Doch das Unternehmen sei auf dem Weg der Erholung. "Im vierten Quartal war der Umsatz schon wieder deutlich stärker. Wir sind voll lieferfähig und haben das Vertrauen des Handels zurückerobert", so Book. Nach einem leichten Stellenabbau im Sommer hat Zamek heute noch 130 Mitarbeiter. Beide Standorte konnten erhalten werden. "Wir sind überzeugt, die Voraussetzungen für eine Trendumkehr in 2016 geschaffen zu haben. Wir haben ein engagiert arbeitendes Team, erste neue Aufträge konnten gewonnen werden", sagt Book. Das Tal der Tränen sei durchschritten. Die Belegschaft habe treu zum Unternehmen gestanden. Der Krankenstand sei viel niedriger als vor der Insolvenz.

Und die Übernahme aus der Insolvenz beschert Zamek sogar eine Renaissance. Viele Jahre lang wurden die meisten Produkte aus dem Hause unter der Marke "Dr. Lange" verkauft. Doch eine bei der Uni Osnabrück in Auftrag gegebene Studie hat ergeben, dass die Bekanntheit der Marke Zamek weitaus größer ist als der Kunstname "Dr. Lange". Daher will Book in den kommenden Monaten wieder mehr auf die Marke Zamek setzen, die zeitweise fast vollständig vom Markt verschwunden war. Zamek produziert heute etwa zu 70 Prozent Handelsmarken für Supermarktketten und Discounter und zu 30 Prozent Waren unter dem eigenen Label.

Um gegen Maggi, Knorr und Co. anzukommen, setzt Zamek nun auf neue Produkte. Die neue Tomate-Mozzarella-Suppe etwa ist laut Book im Markt gut angekommen, ebenso Waren aus dem Bereich Bio-Food. "Im zweiten Quartal 2016 wird die Marke Zamek in neuem Verpackungsdesign in die Märkte kommen", sagt Book. Das große rote Zamek-Logo, dass auch übergroß vor der Zentrale in Reisholz steht, prangt dann wieder auf den Düsseldorfer Produkten.

Quelle: RP
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