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Heimat erleben in Düsseldorf
Zehn Jahre Nicht-Museum

Heimat erleben in Düsseldorf: Zehn Jahre Nicht-Museum
Das Heine-Haus erstrahlt seit der Renovierung von außen in relativ schlichter weißer Optik. - Foto: Andreas Endermann FOTO: RP
Düsseldorf. Von der Bäckerei zur Mata-Hari-Passage - das Geburtshaus Heinrich Heines hat viel gesehen. Nun hat das Heine-Haus Geburtstag. Von Ludwig Krause

Nirgends Devotionalien, Kinderbettchen oder Jugendschreibtische. Das Heine-Haus ist seit zehn Jahren Literaturhandlung, Café und Veranstaltungsraum - aber sicher kein Museum. "Wir haben immer wieder Menschen im Laden stehen, die sich etwas komplett anderes unter dem Geburtshaus von Heinrich Heine vorgestellt haben", sagt Selinde Böhm.

Sie und ihr Mann Rudolf Möller sind im Jahr 2006 mit ihrem Buchladen von der Neu- an die Bolkerstraße gezogen. "Nach vier Jahren Verhandlungen", wie sie einräumen. "Die Bolkerstraße ist als längste Theke der Welt bekannt. Also nicht unbedingt die typische Umgebung für ein Geschäft wie unseres", sagt Möller. Denn auch das Haus selbst war lange vieles, aber nicht unbedingt ein Ort der Literatur.

Das Gebäude an der Bolkerstraße 53 soll bereits im 17. Jahrhundert als Wohn- und Geschäftshaus errichtet worden sein. Seinen heutigen Ruf hat es seit dem Jahr 1797, als der kleine Harry Heine im Hinterhaus das Licht der Welt erblickte. "Und wenn ich sage nach Hause gehn, dann meine ich die Bolkerstraße und das Haus, worin ich geboren bin", schreibt der Dichter selbst. Wäre er über die Jahrhunderte nach Hause gekommen, er hätte an dem ihm so vertrauten Ort große Veränderungen gesehen. Das Geburtshaus war nie wirklich ein Pilgerort - auch, weil Düsseldorf sich in der Vergangenheit nicht immer leicht mit dem Sohn der Stadt getan hat. Im Haus folgten Bäckereien auf Metzger und Gemischtwarenläden, Kitsch auf Künstlichkeiten. Extravagante Besucher, die Publikum anzogen oder sich selbst Publikum genug waren. Legendär war die Mata-Hari-Passage mit der gleichnamigen Boutique genau dort, wo sich Heines Geburtshaus befand.

Der Eingang zur Mata-Hari-Passage. Wo Heine zur Welt kam, konnte lange geshoppt werden. FOTO: Markus Luigs

1991 kaufte die Stadt das Gebäude, in dem sich bis zur Eröffnung des Heine-Hauses das Literaturbistro Schnabelewopski befand. 2006 wurde es als literarisches Zentrum wiedergeboren. Mit Hilfe einer "Public-Private-Partnership" zwischen der Stadt, dem Verein zur Förderung des Heine-Hauses und schließlich der Literaturhandlung Müller & Böhm. Wo Harry zur Welt kam, finden heute Lesungen und andere Kulturveranstaltungen statt. Genau das war es auch, was Selinde Böhm und Rudolf Möller gelockt hat. Jürgen Habermas, Herta Müller, Denis Scheck - nur wenige Namen derer, die hier gewesen sind.

Heinrich Heine war nicht nur Dichter, er war Journalist, kritischer Zeitgeist. Ein Freund von Karl Marx, ohne Kommunist zu sein. "Auch Heine war Avantgarde", sagt Selinde Böhm. Also bewahrt man eben doch viel von ihm auf - nur nicht im materiellen Sinne. Oder fast nicht: Exakt 50 Backsteine des Geburtshauses sind übriggeblieben. Und natürlich bis heute zu sehen.

Rudolf Müller und Selinde Böhm in ihrer Literaturhandlung. Das Heine-Haus ist kein Museum, greift den Geist Heines aber auf. FOTO: hans-Jürgen Bauer
Quelle: RP
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