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Düsseldorf
Zeitdruck verteuert Flüchtlingsunterkünfte

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Düsseldorf. Die FDP zweifelt an dem 69-Millionen-Paket für Modulanlagen. Die Stadt sagt: Wir brauchen sie im Herbst unbedingt. Von Arne Lieb

Das 69-Millionen-Euro-Paket für sechs Modulanlagen löst eine so intensive politische Diskussion aus wie kein zweites Bauprojekt für Flüchtlinge. Vor der heutigen Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses ist unklar, ob die FDP ihre Zustimmung geben wird - damit ist die Mehrheit in Gefahr. Die Liberalen fühlen sich nicht umfassend genug informiert und kritisieren zudem, dass das Geld zusätzlich zum Haushaltsplan bereitgestellt werden soll. Die CDU-Opposition wiederum will voraussichtlich die beiden in Holzbauweise geplanten Unterkünfte (Oberlöricker Straße/Auf'm Tetelberg) mittragen, nicht aber die Standorte In der Nießdonk und Ickerswarder Straße, da sie mit je rund 500 Plätzen zu groß seien.

Die Verantwortlichen bei der Stadt betonen, dass die sechs Anlagen mit insgesamt rund 2000 Plätzen (weitere Standorte: Franz-Rennefeld-Weg, Lützenkircher Straße) im Herbst unbedingt benötigt würden. Denn 1900 derzeit vorhandene Plätze fallen bis dann weg, unter anderem, weil Verträge auslaufen. Ohne die nun zur Abstimmung stehenden Anlagen wären damit nur noch 7000 Plätze für Flüchtlinge vorhanden. Die Stadt geht aber davon aus, dass die Zahl der Flüchtlinge von derzeit rund 5600 Personen stark steigen wird. "Wir müssen sonst Turnhallen belegen", sagt Stadtdirektor Burkhard Hintzsche.

Die aktuelle Diskussion wirft ein Schlaglicht auf die hohen Kosten zur Unterbringung von Flüchtlingen. Noch immer sind rund 500 Menschen in Hotels eingemietet. Es handelt sich dabei um Hotels der einfachsten Kategorie, hauptsächlich in der Innenstadt. Hoteliers machen dadurch ein gutes Geschäft - zumal die Stadt seit der Zeit der schwarz-gelben Mehrheit auf diese Lösung setzt. Für die Unterbringung werden dort pro Person und Monat durchschnittlich 1131 Euro fällig. Auch Provisorien wie die Anmietung von Traglufthallen schlagen stark zu Buche.

Die Stadt will durch die neuen Modulanlagen auf solche Notlösungen möglichst verzichten. Allerdings ist auch diese Form der Unterbringung alles andere als günstig - und die Preise steigen. Der Branchenverband spricht von einer Erhöhung um bis zu zehn Prozent seit dem vergangenen Jahr, Branchenkenner von bis zu 20 Prozent wegen der bundesweit enormen Nachfrage. Das Amt für Gebäudemanagement verzichtet wegen der Krisenlage zudem auf eine Ausschreibung. "Dafür ist keine Zeit", sagt Projektleiterin Birgit Lilienbecker. Durch den Kauf der Anlagen will man aber nachhaltiger wirtschaften: Nach fünf Jahren haben sich die Kosten im Vergleich zur Anmietung amortisiert, vor allem die Anlagen in Holzbauweise sollen dann noch für viele Jahr nutzbar bleiben.

Eine Unterbringung in Wohnungen oder umgewidmeten Bürohäusern - insgesamt sind so derzeit 3900 Flüchtlinge untergebracht - ist deutlich günstiger. "Für die Kosten der Hotelzimmer könnten wir vielleicht sogar Penthäuser anmieten", sagt die Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch. Man sehe aber keinen Weg, auf dem angespannten Wohnungsmarkt so schnell genug Objekte zu akquirieren. Koch betont, dass der Handlungsdruck keineswegs geringer als im vergangenen Jahr geworden sei. Sie spricht vom "Fluch der guten Tat": "Vielleicht haben wir der Politik zu stark den Eindruck vermittelt, dass in Düsseldorf alles von alleine läuft."

Quelle: RP
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