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Düsseldorf
Zu Besuch im Heine-Cafe in Haifa

Düsseldorf: Zu Besuch im Heine-Cafe in Haifa
Miranda Azriel und ihr Mann Guy betreiben das Heine-Café in Haifa. FOTO: Katharina Peetz
Düsseldorf. Die israelische Hafenstadt ist seit fast 30 Jahren Partnerstadt Düsseldorfs. Unsere Autorin hat sich in Haifa auf Spurensuche nach Gemeinsamkeiten der beiden so unterschiedlich wirkenden Städte gemacht. Von Katharina Peetz

Ja, sie kenne Düsseldorf, sagt Rachel Karpf in leicht stockendem Deutsch. "Da leben viele Juden." Die Eltern der 78-Jährigen kamen aus Heidelberg, Karpf selbst ist in Israel geboren und aufgewachsen. Die alte Dame besucht regelmäßig das Heine-Café in der israelischen Hafenstadt Haifa, der Partnerstadt von Düsseldorf. Die Lage am Heinrich-Heine-Platz gab dem Café seinen Namen. Das Konterfei des Schriftstellers ziert Speisekarten und Kaffeebecher, in der Ecke steht ein Bücherregal - mit hebräischer und auch deutscher Literatur.

"Die Israelis lieben die Deutschen", sagt Miranda Azriel. Die 26-Jährige kommt aus Augsburg, lebt aber seit drei Jahren in Haifa. Ihr israelischer Mann hat zusammen mit einem Partner das Heine-Café gegründet. Inzwischen gibt es einen zweiten Standort in der Stadt. "Wir wollten ein nachbarschaftliches Café", sagt Azriel. Beiläufig stellt sie den Stammgast am Nachbartisch als Torwart des Fußballclubs Hapoel Haifa vor. Man kennt sich. Die gemütliche Café-Kultur ist ein Charakteristikum der israelischen Stadt. Außerdem gilt Haifa als Vorbild in Sachen religiöser Toleranz. Dass hier Juden, Muslime und Christen friedlich zusammenleben, zeichnet die Stadt für Miranda Azriel aus.

Und was bedeutet Düsseldorf für die Menschen in Haifa? Am Kikar Paris, dem Pariser Platz, sitzt Chaim und genießt seine Mittagspause in der Sonne. Ihm haben in Düsseldorf die Restaurants besonders gefallen. Vor fünf Jahren war er geschäftlich in der Landeshauptstadt, erzählt er, und beißt wieder in sein Falafel-Sandwich.

Hier am Kikar Paris ist auch der Startpunkt der Karmelit: Die einzige U-Bahn in Israel ist mit einer Länge von sechs Stationen auf 1,8 Kilometer Strecke gleichzeitig die kürzeste U-Bahn der Welt - auch wenn die neue Wehrhahn-Linie mit ihren ebenfalls sechs Stationen fast mithalten könnte. Im Gegensatz zur Düsseldorfer U-Bahn wird die Karmelit aber von einem Seil gezogen - andernfalls könnte die 15-prozentige Steigung des Karmelgebirges nicht überwunden werden. Die Seilbahn verbindet den wohlhabenden, auf dem Berg gelegenen Teil der Stadt, in dem sich auch die Universität befindet, mit der Unterstadt und dem Hafengebiet. Highlight Haifas ist der Ausblick von der berühmten Louis Promenade - von hier oben überblickt man die Bahai-Gärten, die zum Weltkulturerbe gehören, und die zu Füßen liegende Stadt samt Hafen und Meer.

Unten angekommen erleben Besucher die Vielfalt Haifas. Ähnlich wie in Düsseldorf gibt es eine lebhafte Kunstszene. Weil in Haifa anders als am Rhein fast das ganze Jahr Sommer ist, spielt sich auch die Kunst im Freien ab. Das "Museum without walls" (Museum ohne Wände) ist ein ganzes Straßenviertel, in dem sich lokale Künstler an Häuserwänden kreativ ausgetobt haben. Bunte Zeichnungen oder filigrane Keramikfiguren sieht man im Vorbeigehen an jeder Ecke. Und der Blick aufs Meer bleibt einem an fast keiner Stelle verwehrt.

Der Hafen von Haifa ist der wichtigste Seehafen Israels. Nur aus einiger Entfernung ist zu erkennen, dass zwischen Fracht- und Passagierterminal auch Teile der israelischen Marine stationiert sind. Das Militär ist im Alltag in Haifa bemerkbar - wie überall in Israel. Im Einkaufszentrum "City Center Outlet" zum Beispiel erregt der Anblick von jungen Frauen in grün-beiger Uniform, die beim Shopping ihre Handtasche lässig in der Armbeuge hängen haben, keine Aufmerksamkeit. Wo der Kö-Bogen mit einem ausgefeilten Architekturstil aufwartet, findet sich in der Mall ein zufälliger Mix aus alten Gaslaternen, terrakottafarbenen Wänden und künstlichen Palmen.

Die Städtepartnerschaft scheint auf den ersten Blick also eher zufällig. Wer genauer hinsieht, erkennt aber im Detail doch Gemeinsamkeiten der beiden Städte. Und zwar mehr als den Heinrich-Heine-Platz.

Quelle: RP
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