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Düsseldorf
Zum Shoppen ins Museum

Düsseldorf: Zum Shoppen ins Museum
Mal hat es mehr mit der im Haus ausgestellten Kunst zu tun, mal weniger, was die Museumsshops wie hier im K20 ihren Kunden bieten. FOTO: Bernd schaller
Düsseldorf. Einkaufen nach dem Kunstgenuss ist heute selbstverständlich. Die Düsseldorfer Häuser bieten eine Fülle origineller Dinge und haben viele Stammkunden. Von Ute Rasch

Wie kommt das Huhn ins Museum? Nun steht das Tier aus knallblauem Kunststoffabfall im Shop des Kunstpalastes am Ehrenhof und ist ein Renner im Sortiment - ein Objekt zwischen Kunst und Kitsch. Museumsshops sind Orte mit starker Verführungskraft. Dort lassen sich Dinge finden, von denen man nicht ahnte, dass man sie haben will, geschweige denn gebrauchen könnte. Längst bieten sie über Poster, Postkarten und Bücher hinaus eine Mischung, die irgendwo pendelt zwischen einem kuriosen Radiergummi und der Replik eines Kunstwerks.

So klein war Düsseldorf nie. St. Lambertus und der Fernmeldeturm, die Kniebrücke und der Schlossturm passen exakt in eine Streichholzschachtel, eine winzige Silhouette aus Holz für 8,90 Euro. Diese Mini-Stadt liegt direkt neben der Kasse des Museumsshops in der Kunstsammlung NRW. Und ist vermutlich der kleinste Artikel in einem großen Sortiment. Die Shops von K20 und der Dependance für zeitgenössische Kunst K21 werden von der Kölner Buchhandlung König betrieben. "Wir wollen in erster Linie die ständige Sammlung und die Ausstellungen mit einem anspruchsvollen Buchangebot begleiten", erläutert Franz König.

Was er damit meint, lässt sich zurzeit eindrucksvoll an der Uecker-Ausstellung ablesen. Bildbände, Monografien, Kataloge, auch Seltenes und längst Vergriffenes, werden im Museumsshop geboten. In einer Glasvitrine liegt der Katalog einer Zero-Ausstellung aus den 1960er Jahren neben einem Schatz: Uecker hat zu einer Buchreihe mit Texten von Nobelpreisträgern Einbände und Buchstützen aus Bronze gestaltet - nun ist das limitierte Sammlerstück für 2950 Euro zu haben.

Nur ein paar Schritte entfernt haben junge Museumsbesucher gerade Fingerpüppchen aus Peru entdeckt, die in einer Eierschachtel stecken. Während ihre Mutter das Buch "Tatort Kunst - über Fälscher, Betrüger und Betrogene" zur Kasse trägt. "Heute erwarten Besucher einen Shop, er gehört für sie zum Erlebnis Museum dazu", so König. Und dient durchaus der gegenseitigen Förderung. Eine Bonnard-Postkarte weckt vielleicht den Wunsch, das Original eine Etage höher zu sehen - und umgekehrt: Nach dem Besuch der Kunst nehmen Besucher das Motiv eines Bildes gern mit.

Es soll ja Besucher geben, die ausschließlich zum Einkaufen ins Museum kommen und die Kunst mit keinem Blick würdigen. "Wir haben viele Stammkunden", bestätigt Marcella Uthmann, Leiterin der beiden Shops im Museum Kunstpalast. Und wo lässt sich sonst am Sonntagnachmittag noch schnell ein Mitbringsel für die Abendeinladung besorgen? Auch dafür wird im Ehrenhof Vielfalt geboten: von der schlicht-schönen Vase für 9,95 Euro, Papiergirlanden aus einer Behindertenwerkstatt bis eben zum blauen Kunsthoff-Huhn, das Frauenhände in Afrika gestaltet haben.

"Wir sind auf solche besonderen, unverwechselbaren Dinge spezialisiert, die eine Geschichte erzählen", meint die Shop-Chefin. So bietet sie handgeschöpftes Papier aus Nepal neben Geschirrtüchern von einer kleinen Siebdruckerei aus Hamburg an und erweitert ihr Sortiment regelmäßig auf einer Spezialmesse in Paris. Was sie präsentiert, entscheidet sie nach Saison (Ostern, Weihnachten), aber vor allem nach den aktuellen Ausstellungen. Zur Fotoausstellung von Wim Wenders wurde umgeräumt, um Witziges und Kurioses zu offerieren - von Reisetagebüchern bis zu Trinkbechern, die Foto-Objektiven täuschend ähnlich sehen. "Was wir bieten, sollte unverwechselbar und originell sein." So wie ein Collier, bestückt mit winzigen Rubensfrauen, oder der hauseigene Honig, der von Bienenstöcken auf dem Museumsdach stammt.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Geschäfte ist für die Museen jedenfalls nicht zu unterschätzen. Obwohl über Umsatzzahlen nicht gern gesprochen wird, meint Marcella Uthmann: "Die Shops zählen neben den Eintrittskarten zu den wichtigsten Einnahmequellen." Allerdings sprudelt diese Quelle höchst unterschiedlich, je nach Ausstellung und Besucherzahlen. "Durch unsere Lage könnten wir allein nicht existieren. Wir hängen am Tropf des Museums."

Quelle: RP
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