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Duisburg
114.000 Jodtabletten für den Ernstfall

Duisburg: 114.000 Jodtabletten für den Ernstfall
Jodtabletten sollen helfen, wenn’s ernst wird. FOTO: dpa, obe gfh skm vge
Duisburg. Die Stadt Duisburg wird vom Innenministerium mit Jodtabletten ausgestattet, die im Falle eines Atomunglücks verteilt werden sollen. Schwangere, Kinder und Jugendliche sollen die Tabletten in der Notsituation bekommen. Von Carolin Skiba

Wie in anderen NRW-Städten bereits geschehen, soll nun auch Duisburg mit Jodtabletten für einen atomaren Ernstfall ausgestattet werden. 114.000 Tabletten zum Schutz der Schilddrüse sollen bald in Krankenhausapotheken lagern und bei einem Atomunglück an Kinder, Jugendliche und Schwangere verteilt werden.

Naheliegend wäre, die Diskussion um die Atomkraftwerke in Belgien als Auslöser für die Verteilung zu sehen. Das Kraftwerk Tihange machte bereits vor einigen Monaten mit Rissen im Reaktor negative Schlagzeilen. Seither herrscht auch im Nachbarland Deutschland Besorgnis. Doch auf Anfrage teilt das Innenministerium mit, dass die Verteilung der Tabletten auf einer überarbeiteten Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) basiere. "Wir als Innenministerium richten uns nach dieser Empfehlung. Da diese wegen des Unglücks in Fukushima erst kürzlich überarbeitet wurde, kommen wir der Umsetzung nun nach", sagt Marlen Mailänder vom Innenministerium. Nach Fukushima habe sich herausgestellt, dass der Radius, innerhalb dessen Städte nach einem Unglück betroffen sind, größer ist, als bisher angenommen.

Je nach Entfernung zu einem Reaktor empfiehlt die SSK unterschiedliche Maßnahmen. Duisburg liegt etwa 140 Kilometer vom Kraftwerk Tihange entfernt und befindet sich somit in der sogenannten "Außenzone". Diese beginnt ab 100 Kilometer. Für diese Zone empfiehlt die SSK Schwangeren, Kindern und Jugendlichen im Ernstfall die Einnahme von Jodtabletten. Daraus ergibt sich die Stückzahl von 114.000 Tabletten. Weitere Maßnahmen gibt es für Duisburg und andere Städte, die weiter als 100 Kilometer entfernt sind, nicht.

Wie die Tabletten verteilt werden, ist Sache der Stadt. Eine Sprecherin teilte auf Anfrage mit, dass es bislang noch kein Konzept gebe, wie das Jod im Notfall zum Bürger kommt. "Es gibt aber einen Arbeitskreis, der sich damit beschäftigt", sagt die Sprecherin.

Doch wie sinnvoll sind Jodtabletten in einem möglichen Ernstfall? Wolfgang Müller von der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) erklärt: "Die Überlegung ist, dass im Falle eines Reaktorunfalls radioaktives Jod austritt, das zu Krebserkrankungen führen kann. Ist die Schilddrüse aber zuvor schon ausreichend mit Jod gefüllt, geht man davon aus, dass sie kein radioaktives Jod mehr aufnimmt." Was mit den anderen Stoffen ist, die bei einem Unfall austreten könnten, wie etwa das chemische Element Strontium, könne er nicht sagen. Strontium könne sich eventuell im Knochen absetzen und ebenfalls zu schweren Erkrankungen führen. "Dagegen gibt es aber nichts, was man vorbeugend einnehmen könnte", sagt Müller.

Kerstin Ciesla, stellvertretende Landesvorsitzende des BUND, nennt die Verteilung von Jodtabletten eine "Pseudosicherheit" Zwar finde sie es positiv, dass man bemerkt habe, "dass wir in der Windrichtung liegen", ein Sicherheitsgefühl habe sie dadurch aber nicht. Der Nuklearmediziner Jörg Kanja hingegen begrüßt die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche mit Jod versorgt werden sollen. "Sie befinden sich ja noch im Wachstum, da kann es schneller zu Zellveränderungen kommen, als bei älteren Patienten."

Quelle: RP
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