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Streit im Stadtteil Marxloh eskaliert
14-Jähriger in Duisburg getötet - Hintergründe rätselhaft

14-Jähriger in Duisburg-Marxloh getötet
Duisburg. Am späten Sonntagabend ist ein Streit unter Jugendlichen im Duisburger Stadtteil Marxloh eskaliert. Schnell kamen Hunderte Schaulustige zusammen. Die Hintergründe der Tat sind rätselhaft.  Von Katharina Mehles und Christoph Reichwein

Das Drama beginnt wohl mit einem vermeintlich harmlosen Streit. Als am Ostersonntag gegen 22.45 Uhr die Polizei zur Henriettenstraße im Duisburger Problem-Stadtteil Marxloh ausrückt, ist daraus blutiger Ernst geworden: Ein 14-Jähriger ist durch Messerstiche in den Rücken und Axtschläge ins Gesicht schwer verletzt worden, so berichten es zumindest Augenzeugen. Wenig später stirbt der attackierte Jugendliche im Krankenhaus. Verwandte wollten ihm noch zu Hilfe kommen, wurden aber ebenfalls angegriffen und verletzt. Ein 39-Jähriger und der 40 Jahre alte Vater des Jungen kamen ins Krankenhaus, wurden aber nach ambulanter Behandlung wieder entlassen. Der oder die Täter konnten unerkannt entkommen.

Während Rettungskräfte noch am Tatort um das Leben des Jungen kämpfen, haben sich Hunderte Schaulustige eingefunden. Die Stimmung ist aufgeladen, viele von ihnen schreien sich an und versuchen, aufeinander loszugehen. Die Polizei ist mit einer Einsatzhundertschaft und einer Hundestaffel vor Ort. Sie muss auch Rettungswagen und Helfer vor den aggressiven Schaulustigen beschützen.

Fotos: Polizei-Großeinsatz in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Reichwein

Auslöser für den Streit unklar

Was genau passiert ist, was der Auslöser für den Streit ist und warum er so dramatisch eskaliert ist, bleibt rätselhaft. Eine Mordkommission hat die Ermittlungen aufgenommen. Die Polizei will zu dem Fall nichts weiter sagen, verweist auf die Staatsanwaltschaft. Auch die gibt keine Auskünfte, begründet das mit "laufenden Ermittlungen". Am Dienstag soll die Leiche des Jugendlichen obduziert werden, das Ergebnis soll im Laufe des Tages bekannt gegeben werden. Auch am Dienstag werden noch Zeugen vernommen.

Der Tag nach der Tat FOTO: Christoph Reichwein

Auch am Montag war am Tatort in Marxloh noch keine Ruhe eingekehrt - noch immer standen viele Schaulustige herum, die Polizei war vor Ort. Die Stimmung wirkte bedrohlich. Nachbarn erzählten, wie sie den Osterabend erlebt haben. Zwei Jugendliche hätten gestritten, erzählten mehrere Zeugen. Einer der Jugendlichen habe dann Unterstützung angefordert. Daraufhin seien fünf Männer angefahren gekommen und hätten in den Streit eingegriffen. Diese seien zu diesem Zweck extra mit dem Auto aus Dortmund gekommen, war gerüchteweise zu hören.

Bei dem Opfer soll es sich um einen 14-jährigen Bulgaren handeln, erzählte Ramadan, einer der Nachbarn in der Straße, die auch das Zuhause vieler Roma-Familien ist. Der 37-Jährige versicherte, die Familie des Opfers gut zu kennen. Ramadan war einer der wenigen, die sich trauten, über die Nacht von Sonntag auf Montag zu sprechen. Die meisten anderen sprechen kein Deutsch und sind verängstigt. Den Auslöser des Streits hatte aber auch Ramadan nicht mitbekommen, sagte er. Dass es sich um einen Streit unter verfeindeten Roma-Familien handeln könnte, wird gemunkelt.

Der Bürgermeister des Bezirks Hamborn, zu dem auch Marxloh gehört, zeigte sich "erschrocken" von der außergewöhnlichen Brutalität des Falls. "Ich habe immer mal wieder von Müll in der Straße gehört, aber nicht von einer solchen Brutalität", sagt Uwe Heider (SPD). Er spricht von einem Stigma für Marxloh. Der Stadtteil ist auch über Duisburg und sogar NRW hinaus als Problem-Stadtteil bekannt und macht Schlagzeilen mit sogenannten Schrottimmobilien, in denen Zuwanderer aus Südosteuropa leben. Der tödliche Angriff untermauere das Negativbild, das viele hätten, dabei kenne er auch die guten Seiten des Viertels.

Um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu verstärken, überwacht die Polizei das "Pollmanneck" in Marxloh, einen besonderen Kriminalitätsschwerpunkt, seit Ende 2016 per Video. Der Tatort liegt nur wenige Straßen davon entfernt.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hatte es geheißen, der getötete Jugendliche sei 15 Jahre alt. Am Dienstag hat die Polizei das Alter des Jungen auf 14 Jahre korrigiert. Wir haben das dementsprechend im Text geändert.

Quelle: RP