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Duisburg Hochfeld
15.000 Bulgaren und Rumänen bis Ende des Jahres

Duisburg Hochfeld: 15.000 Bulgaren und Rumänen bis Ende des Jahres
Die Zahl der Zuwanderer aus Südosteuropa in Duisburg steigt weiter. Darunter sind besonders viele Minderjährige. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. Mehr als jeder dritte Bewohner von Hochfeld stammt aus Bulgarien oder Rumänien. Von Hildegard Chudobba

Beim Thema Willkommenskultur hat Duisburg in den vergangenen Tagen wegen der Asylbewerber-Zeltstadt in Walsum viele negative Schlagzeilen gemacht. Darüber droht vergessen zu werden, dass sich die Stadt intensiv um die hierher kommenden und hier lebenden Bulgaren und Rumänen kümmern muss.

Zum zweiten Mal legt sie jetzt der Kommunalpolitik einen Sachstandsbericht vor. Er liefert - wenn auch nicht ganz aktuell - einen Überblick darüber, welche Maßnahmen angelaufen sind und noch laufen. Und er beschreibt, welche Probleme immer wieder auftauchen, vorrangig das der finanziellen Sicherheit. Da sind aber auch die immer wiederkehrenden Beobachtungen, dass die Rumänen und Bulgaren aufgrund der Erfahrungen in ihren Heimatländern Behörden mit Skepsis begegnen.

So sah Duisburgs Zeltstadt für Asylbewerber aus FOTO: dpa, fg kno

Der Sachstandsbericht macht deutlich, dass der Duisburger Arbeitsmarkt von den zugezogenen EU-Bürgern wegen deren Qualifikationen eher nicht profitiert. Von zehn Hartz-IV-Beziehern haben neun keine berufliche Ausbildung. Auch wenn die Rumänen und Bulgaren somit nur begrenzt Aussicht haben, hier einen Arbeitsplatz zu finden, so hält deren Zuzug offenbar ungebremst an. Ende Februar dieses Jahres lebten 10770 von ihnen in Duisburg. Das sind mehr als doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Vor allem bei den Rumänen stieg der Anteil im vorigen Jahr signifikant, und zwar um 160 (!) Prozent. Rund 5000 Bürger aus dem osteuropäischen Land waren im Februar 2014 hier registriert, davon waren fast 3200 jünger als 18 Jahre. Bevorzugte Wohngebiete sind im Bezirk Innenstadt der Stadtteil Hochfeld und im Bezirk Hamborn der Stadtteil Marxloh mit Anteilen von 37 bzw. 21 Prozent. Grund: Hier ist der Wohnungsleerstand besonders groß. "Durch die räumliche Segregation auf besonders betroffene Wohnquartiere in Hochfeld, Meiderich und Marxloh setzt dort eine Abwärtsspirale ein, die die Stadterneuerungsmaßnahmen der letzten Jahre kontrakariert bzw. zunichte macht", stellen die Verfasser der Studie ganz nüchtern fest.

Stadt Duisburg lässt die Problemhäuser räumen FOTO: Christoph Reichwein

In vielen Fällen fehlt es diesen Zugezogenen an (Kranken-)Versicherungsschutz, die Menschen sind gar nicht oder unzureichend geimpft. Bei untersuchten Frauen aus Bulgarien und Rumänien, die in Bordellen arbeiten, "lag eine hohe Zahl von diagnostizierten Befunden vor", stellte das Gesundheitsamt fest. Es fehlt auch auf diesem Sektor an Geld und Personal, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Ohne gemeinnützige Organisationen wie Caritas, Awo oder DRK wären die Versorgungslücken noch größer.

Um den Bulgaren und Rumänen das Leben und Arbeiten zu ermöglichen, müssen die meisten zunächst Deutsch lernen. Das gilt für die Erwachsenen, aber auch für die Kinder und Jugendlichen. Von August 2013 bis Februar 2014 reisten allein 1700 schulpflichtige Kinder ein. Abgesehen davon, dass sie kein Deutsch sprechen, geschweige denn schreiben, haben etliche noch nie eine Schule von innen gesehen. Sie müssen rechnen, schreiben und lesen lernen, aber auch, wie man sich in einer Schule benimmt und dass Unterricht kein Angebot ist, dass man nicht nach Lust und Laune annimmt. Aber auch Jugendlichen, die auf eine Lehre vorbereitet werden sowie Erwachsenen, die in ihren Heimatländern nie einer regelmäßigen Arbeit nachgegangen sind, mangelt es in diesem Bereich an Grundqualifikationen (und an beruflichen).

Fotos: So leben Zuwanderer im Problemhaus FOTO: dpa, Caroline Seidel

Die Verfasser der Studie gehen davon aus, dass sich bis zum Jahresende bis zu 15000 Bulgaren und Rumänen offiziell in Duisburg aufhalten werden, von denen die wenigsten ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können, sondern von sogenannten Transfereinkommen, also Zuwendungen aus Steuermitteln, leben müssen.

Quelle: RP
 
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