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Duisburg
24 Stunden voll Schweiß, Staub und Adrenalin

Duisburg: 24 Stunden voll Schweiß, Staub und Adrenalin
FOTO: Arnulf Stoffel
Duisburg. Am Wochenende sind Fahrradbegeisterte 24 Stunden lang durch den Landschaftspark Nord gebrettert. Von Julia Zuew

Die eisernen Gerüste und Rohre sind von einer Staubwolke umgeben. Schotter und Sand knirschen unter den Reifen, in der Sonne glänzen verschwitze Haut und so manche Schürfwunde. Zum elften Mal wurde der Landschaftspark am vergangenen Wochenende zu einer Hochburg für Mountainbiker - 24 Stunden lang.

Hinter den Absperrungen schwingen Zuschauer und Fans die Rasseln, die Kameras sind scharfgestellt: Die meisten Teams oder Einzelstarter sind mit Familie und Freunden im Schlepptau gekommen. Der Andrang ist groß - in den vergangenen elf Jahren hat sich eine Menge getan: "Am Anfang sind hier 1500 Leute mitgefahren, heute sind es an die 2500", sagt Peter Bongartz. Sein Team, die "Turbo Biker", setzt sich zusammen aus Siemens-Mitarbeitern. Seit knapp sieben Jahren sind sie nicht nur zum eigenen Vergnügen, sondern auch für einen guten Zweck mit dabei. "Uns fehlen noch 245 Euro, um die 100.000 Euro zu knacken, die wir in den ganzen Jahren gesammelt haben." Dabei handle es sich ausschließlich um Spenden von Privatpersonen und nicht um ein Sponsoring von Siemens, erklärt der 58-jährige Bongartz.

Das Fahrerlager ist gut gefüllt - zwischen Fahrradständern, Wasch-Stationen und Pavillons warten die Teilnehmer in Zweier-, Vierer-, oder Achterteams auf ihre Ablöse. An manchen Stationen gibt es keinen Wechsel - die Einzelstarter bezwingen die Strecke im Landschaftspark alleine. Unter den Einzelfahrern ist auch Pierre Bischoff, der in diesem Jahr bereits das Fahrradrennen "Race Across America" gewann. In neun Tagen fuhr der 31-Jährige 4930 Kilometer quer durch Amerika. Der Extremsportler, der aus Duisburg stammt, gewann als erster Deutscher dieses Rennen. Auf der Strecke im Landschaftspark landete er dieses Mal aber nicht auf dem Siegertreppchen.

Am zweiten Renntag herrscht in den Zelten überwiegend gute Stimmung. Bei vielen ist es die Freude über die geschafften Stunden und Runden. Gepaart mit der Erleichterung, dass die angestrebten 24 Stunden bald vorbei sind und der Monte Schlacko - auch Monte Schmerzo genannt - zum letzten Mal bezwungen ist. Der steinige Hügel ist der letzte Anstieg auf der Runde vor dem Ziel. Ein besseres Klima als in manchen Vorjahren herrsche auch auf der Piste selbst, sagt Tessa Bongartz, die ihren Vater beim Rennen begleitet.

Eine Neuerung in diesem Jahr: Rückenschilder wurden eingeführt, auf denen Startnummer und Name des Fahrers vermerkt sind. So können Fahrer gezielt angesprochen werden. Wenn jemand überholen möchte, kann man besser Bescheid geben. Auch bei Fehlverhalten kann sich der Betroffene Nummer und Name merken - so kann zurückverfolgt werden, wer unfair gehandelt hat. Bisher wurden die Startnummern nur vorne am Lenker des Fahrrads angebracht.

Kleinere Blessuren gehören zum Rennen dazu, einige Fahrer hat es in diesem Jahr aber schwerwiegender erwischt. Schuld daran ist besonders eine Abfahrt in der Nähe der Kletteranlagen. Sie beendete für manche Teilnehmer das 24-stündige Abenteuer vorzeitig. Mit Planken, auf denen Holzsprossen montiert sind, wird eine Treppe abgedeckt, die von den Hochöfen herunterführt. Eine fordernde Passage, weiß auch Bongartz zu berichten: "Zu Beginn sind wir noch die Stufen runtergefahren." Da reiche es, einmal vom Pedal abzurutschen oder danebenzugreifen, "schon fällt man." Besonders riskant sei es für weniger erfahrene Teilnehmer. Rettungskräfte sind jedoch in unmittelbarer Nähe stationiert - wie auch an weiteren Streckenabschnitten.

Doch nicht nur Schweiß, Dreck und Adrenalin machen das Mountainbike-Rennen aus. Auf einem kleinen Markt in der Nähe der Strecke gibt es Fahrradkleidung, Zubehör und Räder zum Stöbern und Kaufen. Zuckerwatte, Popcorn und Pommes komplettieren das Angebot. Viele Familien sind unterwegs, die Kinder jubeln den Fahrern zu, die entlang der Absperrungen "vorbeifliegen". Für viele ist es eine Art Kurzurlaub - auch wenn die meisten nach dem Rennen mindestens einen Tag Erholung brauchen, ehe es wieder in den Alltag geht.

Quelle: RP
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