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Duisburg
50-Millionen-Euro Job für Ex-Citymanager

Duisburg. Ralf Oehmke soll für die Gebag unter anderen das Tausendfensterhaus und das Neudorfer Tor verkaufen. Von Ingo Blazejewski

Er hat zwei Jahre Zeit und eigentlich nur eine Aufgabe: Kommunal-Manager Ralf Oehmke soll für die städtische Wohnungsgesellschaft Gebag vier Gebäude verkaufen. Es handelt sich um sehr bekannte Adressen in Duisburg: das Tausendfensterhaus in Ruhrort, das Office- sowie das Medical-Center ebenfalls in Ruhrort und das Neudorfer Tor. Die Gebag will sich nach eigener Aussage auf ihr Kerngeschäft mit Wohnimmobilien konzentrieren und sich daher von eigenen Gewerbebauten trennen.

"Die Immobilien sollen im Paket verkauft werden", sagte Gebag-Chef Bernd Wortmeyer. Gesamtwert der drei Gebäude: 50 Millionen Euro. Im Fokus als Käufer stehen institutionelle Anleger. Zu den Verhandlungen hält man sich bedeckt, laut Wortmeyer gebe es "positive Signale".

Die namhaften Immobilien, die das Bild ihres Stadtteils prägen, sind im Eigentum von diversen Gebag-Töchtern. Deren Geschäftsführung haben Gebag-Fachleute quasi nebenbei mitgemacht. Bis zum August.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt endlich eine Tätigkeit für einen ihrer hoch bezahlten, aber seit zweieinhalb Jahren aufgabenlosen Manager gefunden: Ralf Oehmke, 54 Jahre alt, ehemaliger Chef der Innenstadt-Entwicklungsgesellschaft IDE, Jahresgehalt rund 150.000 Euro. Die IDE wurde Ende 2012 aufgelöst, weil die Entscheidungsträger in der Stadt zu der Einsicht kamen, dass die City-Planung im Baudezernat doch besser aufgehoben ist. Der Skandal: Im Sommer 2012 wäre der Vertrag von Oehmke ausgelaufen, der Aufsichtsrat hatte ihn zuvor aber um fünf weitere Jahre verlängert, auch der Stadtrat schritt nicht ein. Die Folge: Oehmke, wegen der City-Planung und dem Bahnhofsplatten-Desaster ständig unter Beschuss, erhielt, ohne einen Finger zu rühren, von Januar 2013 bis Mitte 2015 ein Monatsgehalt von rund 12.500 Euro.

Verzweifelt hatte die Stadt nach einer adäquaten Tätigkeit gesucht, seit dem Sommer dürfte sich Oehmke jetzt als der am besten bezahlte Immobilien-Makler Duisburgs fühlen. Die drei Immobilien für die anvisierten 50 Millionen Euro an den Mann zu bringen, dürfte dennoch kein Kinderspiel sein. Zwar hat das zehn Jahre alte Neudorfer Tor mit 8700 Quadratmeter Nutzfläche und der markant grünen Metallverkleidung eine Krankenkasse als Hauptmieter, und auch das Office- sowie das Medical-Center (Buchwert insgesamt 20 Millionen Euro) haben mit Ärzten, Kliniken und dem Gesundheitsamt verlässliche Mieter. Problematisch ist eher die Situation im denkmalgeschützten und 1993 sanierten Tausendfensterhaus in Ruhrort. Zu Beginn des Vorjahres stand fast die Hälfte der 11.600 Quadratmeter an Gewerbefläche leer. Zwar mietete die Stadt vor einem halben Jahr noch 2500 Quadratmeter an, der Leerstand erstreckt sich allerdings immer noch auf ein Viertel der Fläche. Wohl auch deshalb soll der Verkauf aller vier Gebäude im Paket erfolgen.

Ob der Deal dieses Jahr zustande kommt, ist fraglich. "Vermutlich erst 2017", schätzt Gebag-Chef Wortmeyer. Zeit hat Oehmke noch genug: Sein Vertrag läuft bis Mitte 2017. Ob er die Immobilien verkauft oder nicht, spielt für sein Salär keine Rolle: Das 2012 vertraglich festgelegte Gehalt muss ihm die Stadt so oder so zahlen.

Quelle: RP
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