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Ausnahmezustand in Duisburg
7000 Menschen fliehen vor der Bombe
Bombensprengung in Duisburg: Verkehrschaos 2012
Bombensprengung in Duisburg: Verkehrschaos 2012 FOTO: Christoffer Kleindienst
Duisburg. Fast zeitgleich sorgten gestern in Duisburg der Fund einer Zehn-Zentner-Bombe und der Brand einer Turnhalle für einen Großeinsatz der Feuerwehr. Die Bombe wurde gestern Abend gegen 22.25 Uhr kontrolliert gesprengt. Von Christian Schwerdtfeger

Helga Stöwer sitzt in ihrer Wohnung beim Kaffeetrinken, als das Telefon klingelt. Ihr Sohn ist am Apparat. "Mama, du musst sofort raus, die haben eine Bombe bei dir an der Straße gefunden."

In diesem Moment schellt es an der Tür. Polizei und Ordnungsamt sind gekommen, um die 68-Jährige zu warnen und sie zu bitten, so schnell wie möglich die Wohnung zu verlassen. Die Rentnerin schnappt sich sofort die Autoschlüssel und informiert zwei Nachbarinnen, mit denen sie zum Evakuierungsraum an der Falkstraße fährt.

Es war kurz nach 16 Uhr, als in Duisburg Kaßlerfeld an der A 40 nahe der Anschlussstelle Duisburg-Häfen eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden wurde.

Explosionsgefahr

Da es sich bei dem Sprengsatz um eine Zehn-Zentner-Bombe mit kompliziertem Säurezünder handelte, leitete die Polizei aus Sicherheitsgründen eine sofortige Evakuierung in einem Radius von 750 Metern um den Fundort ein. Für den Abend war eine kontrollierte Sprengung geplant. Mehr als 7000 Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Auch der Duisburger Weihnachtsmarkt wurde gesperrt.

Zeitgleich zur Evakuierung löste die Feuerwehr Großalarm im benachbarten Stadtteil Hochfeld aus. Eine Turnhalle einer ehemaligen Schule war in Brand geraten. Die Rauchwolke war kilometerweit in der Stadt zu sehen. Da kurzfristig Explosionsgefahr bestand, ordnete die Polizei auch dort eine Evakuierung von 200 Metern um den Brandherd an. Benzinkanister drohten zu explodieren. Am Abend waren die Flammen gelöscht. Laut Amtsleiter Uwe Zimmermann wurde das Feuer gelegt. "Es war Brandstiftung. Darauf deutet alles hin."

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) eilte sofort zur Bomben-Evakuierungsstelle, um mit den betroffenen Anwohnern zu sprechen. Link hat schon selbst mehrere Sprengungen erlebt, bei denen er das Haus verlassen musste. "In 99 Prozent der Fälle geht das ja gut aus, aber ein Restrisiko besteht immer", sagte Link. In keiner anderen Stadt werden so viele Bomben gefunden wie in Duisburg.

"Wir haben bis jetzt Glück gehabt"

Zuletzt wurde im Juli eine Fünf-Zentner-Bombe, ebenfalls mit Säurezünder, gesprengt. Johannes Bergmann vom Ordnungsamt: "Was das betrifft, sind wir Deutscher Meister. Wir haben bis jetzt Glück gehabt, dass diese Bomben nicht wie in Viersen in direkt bewohntem Gebiet lagen. Aber es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis es auch in Duisburg so weit ist."

In Viersen hatte der Fund einer Weltkriegsbombe mit Säurezünder im September ein noch größeres Chaos ausgelöst. Mitten in der Innenstadt wurde eine Fünf-Zentner-Bombe entdeckt, die ebenfalls gesprengt werden musste. Die Detonation der Bombe hinterließ erhebliche Schäden an Gebäuden und Geschäften. In München sorgte die Sprengung einer Bombe im August für einen Millionenschaden.

Als besonders schwierig in Duisburg gestaltete sich die Evakuierung des Altenheimes an der Klemensstraße. "Viele der Insassen sind bettlägerig und gehbehindert", sagte DRK-Einsatzleiter Jean-Claude Schenk. "Wer laufen kann, wird zur Sammelstelle gebracht, der Rest auf Krankenhäuser verteilt." Erschwerend kam die Verkehrslage hinzu. Mehrere Krankentransporte blieben im Stau stecken. Die A 40 zwischen Kreuz Duisburg-Nord und Kreuz Moers musste für die Dauer des Einsatzes gesperrt werden.

"Die Sprengung ist erste Sahne verlaufen"

Gestern Abend gegen 22.25 Uhr sprengten Experten des Kampfmittelräumdienstes die Bombe. Dabei entstand ein etwa drei Meter tiefer und drei Meter breiter Krater auf einem Industriegelände unmittelbar an der A 40. "Die Sprengung ist erste Sahne verlaufen" sagte Sprengmeister Peter Giesecke. "Wir haben so gut wie keine Zerstörungen, bis auf tiefe Risse in der Betondecke eines Parkplatzes."

Auch ein Baum wurde entwurzelt. Allerdings sei nicht alles reibungslos verlaufen. Giesecke: "Wir mussten sehr lange auf Licht warten, was das Anbringen der Sprengladungen erschwerte." Aus der Sicht von Oberbürgermeister Link war das Krisen-Management zufriedenstellend. "Das war sehr gute Arbeit. Großartig, Respekt. Wir hatten uns schon alle möglichen Horrorszenarien vorgestellt."

Quelle: RP/csr/rm
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