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Duisburg
Ab Januar ist die DVG ohne VIA unterwegs

Duisburg. Die Kooperation mit den Verkehrsbetrieben aus Essen und Mülheim läuft am Jahresende aus. Die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) geht dann wieder ganz eigene Wege. Von Hildegard Chudobba

Im Juli 2007 gab es in der Mülheimer Stadthalle ein feines Fest für das gerade neu gegründete Gemeinschaftsunternehmen "Via". Die Duisburger Verkehrsgesellschaft und die aus Mülheim und Essen schworen sich die Treue. Günter Kozlowski, Staatssekretär des Ministeriums für Bauen und Verkehr des Landes NRW, lobte Via bei dieser Gelegenhit: "Dieses Unternehmen wird - so meine Prognose - zum Muster einer kommunalen Kooperation, dem andere Gebietskörperschaften folgen werden - mitunter auch in anderen Bereichen der Daseinsvorsorge."

Kozlowski lag mit seiner Bewertung daneben. Denn das Musterkind hat versagt, die Kooperation ist beendet. Während Essen und Mülheim weiterhin eng zusammenarbeiten, hat sich die DVG ihrer eigenen Stärke besonnen. Denn die Synergieeffekte traten nicht im erwarteten Umfang ein. Anfangs war von jährlich zehn Millionen Euro Einsparungen für die drei Partner die Rede, eingetroffen ist davon nur ein Bruchteil. Und wirklich zusammengewachsen sind die Belegschaften der drei Unternehmen in den zurückliegenden acht Jahren nie.

Die Trennung erfolgte im gegenseitigen Einvernehmen - wie es bei Scheidungen oft heißt. Man redet auch weiterhin miteinander, es wird sogar nach wie vor gemeinsame Felder geben, vor allem im IT-Bereich oder auch bei der elektronischen Steuerung von Haltstellen-Beschilderung, aber nur, so weit es aus Sicht der DVG wirtschaftlich ist.

Marcus Wittig, Vorstandsvorsitzender des Duisburger Versorgungs- und Verkehrskonzerns, stand VIA zum Schluss zwar kritisch gegenüber, ist aber davon überzeugt, dass die Kooperation mit sehr viel mehr Zeit durchaus hätte funktionieren können. "Die Entflechtung wird für die Fahrgäste nicht bemerkbar sein, sondern vollzieht sich vor allem im Hintergrund", erklärt er. Drei Personalräte und Vorstände mit eigenen Vorstellungen und Erwartungen, dazu drei Belegschaften mit ganz eigenen, über Jahrzehnte gewachsenen Strukturen und Selbstverständnissen - daran scheiterte Via letztlich.

Für den neuen-alten Weg hat sich die DVG bereits aufgestellt. Das Personal ist quasi neu sortiert worden, sprich, wer als DVG-Mitarbeiter für Via Aufgaben in Essen und Mülheim übernommen hat und umgekehrt, ist wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Die VIA-Arbeitsverträge von DVG-Beschäftigten wurden inzwischen umgeschrieben.

Auch alleine hat die DVG ihre Zukunftssicherung in Angriff genommen. Dazu gehört, dass in eigenen Jahren im Tunnel ein neues Zugsicherungssystem eingebaut werden kann, das kompatibel ist mit dem der Düsseldorfer Rheinbahn, mit der die DVG gemeinsam die Strecke der U 79 bedient. In einigen Monaten werden neue Straßenbahnen bestellt. Und ebenfalls im kommenden Jahr wird die Stadt voraussichtlich einen neuen Nahverkehrsplan vorlegen, von dem entscheidend abhängt, welche Bus- und Bahnstrecken die DVG künftig im Stadtgebiet "bedienen" soll. Berücksichtigung darin wird finden, dass Duisburg - zumindest im Stadtsüden - wachsen will und derzeit schon einige Neubaugebiete entwickelt, deren Bewohner dann ja vielleicht auch Straßenbahn- und Busfahrgäste der DVG werden wollen.

Quelle: RP
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