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Unsere Woche
Abschied von der Schnäppchen-Stadt

Duisburg. Die Rathaus-Politik hat mit ihrer Sitzung am Montag das Jahr 2015 ausklingen lassen und zugleich die Signale für etliche wichtige Projekte gestellt, die im kommenden Jahr umgesetzt werden.

Dr. Peter Langner dürfte ein Eintrag in die Analen der Stadt sicher sein. Als erstem Kämmerer seit Jahren ist es ihm gelungen, einen ausgeglichenen Haushaltsplan für 2016 vorzulegen. Ein schöneres Abschiedsgeschenk - er geht bekanntlich im Januar in den Ruhestand - hätte er der Stadt nicht hinterlassen können, die seit Jahrzehnten tiefrote Zahlen schreibt. Ohne Schulden ist Duisburg zwar noch lange nicht. Aber setzt seine nachfolgerin Dr. mmm mmm seinen Kurs fort, dann dürfte in den kommenden Jahren zumindest der laufende Haushalt in Schwarz geschrieben werden. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja auch eine Chance, die Milliarden an Altschulden mal los zu werden.

Wie sehr die Stadt unter dem fehlenden Geld leidet, kann jeder Bürger sehen, wenn er vor die Haustüre tritt. Marode Straßen, geschlossene Bäder, sparsam gepflegte Parks und Grünanlagen, Schulen mit unzumutbaren Sanitärenanlagen, Sportvereine, denen das Dach ihres Clubhauses auf den Kopf zu fallen droht - auch wenn es drastisch klingt und es vielleicht nicht überall vernachlässigt aussieht: Der Sanierungsstau ist groß. Mit Hilfe der Investitionsoffensive, der der Rat am Montag zustimmte, kommt nun Bewegung. Ein Großteil der Maßnahmen war zwar schon beschlossen und sollte aus Haushaltsmitteln finanziert werden. Doch durch den 73-Millionen-Euro-Scheck aus Berlin bleibt in der städtischen Kasse Geld übrig, das an deren Stellen zum Wohl von Duisburg verbaut werden kann.

Wirbel hat gemacht, dass der Rat am Montag dem Geschäftsführer des Immobilien Managements quasi den Stuhl vor die Türe rollte. Wenn sein Vertrag Ende nächsten Jahres ausläuft, wird der 59-Jährige gehen. Die Personalentscheidung war für viele überraschend, auch wenn an Uwe Rohdes Arbeit immer wieder Kritik laut geworden war, weil er sich für die Erledigung seiner Aufträge zu viel Zeit nahm. Auch Führungsschwäche wurde ihm vorgeworfen, wofür die Solidaritätsaktion seiner Kollegen am Montag im Rathaus ein Hinweis sein könnte. Wenig überraschend war hingegen der erste Schritt zum Abschied vom FOC. Auch wenn dem Investor am Montag noch in paar Wochen Zeit zur Nachbesserung gegeben wurden, für dieses Projekt ist die letzte bereits Klappe gefallen. In der Vergangenheit gab es Vorschläge, das Schnäppchen-Center in der Duisburger Altstadt (Münzstraße) anzusiedeln. Abgesehen davon, dass eine solche Entscheidung nicht unwesentlich beim Investor liegt, was würde das für die City bedeuten? Sicherlich würden dann die Fans von vermeintlichen Super-Sonderangeboten von überall her zu uns kommen. Aber gäben die ihr Geld auch für Hochpreisigeres auf der Königstraße aus? Bilden sie die Kundenschicht ab, die Duisburgs Geschäftsleute so dringend benötigen? Sorgen sie dafür, dass die Stadt wieder ein attraktives Oberzentrum des Niederrhein wird? Eher nicht! hch

Quelle: RP
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