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Duisburg
Ärger über Zustände in Friemersheim

Duisburg: Ärger über Zustände in Friemersheim
Janine Marsollek wohnt in der Siedlung am Erlinghagenplatz und ist entsetzt über die Zustände dort. Der Müll ist nur eines von vielen Problemen. FOTO: Christoph Reichwein
Duisburg. In einer Wohnsiedlung in Friemersheim herrschen Zustände, wie sie sonst nur aus Marxloh oder Hochfeld bekannt sind. Eine Mieterin ist verzweifelt, doch der Stadt sind die Hände gebunden. Von Carolin Skiba und Christoph Reichwein

An der zerborstenen Scheibe im Hausflur hängt der Hinweis, dass auf dem gesamten Gelände des Wohnkomplexes Erlinghagenplatz das Grillen streng verboten ist. Der Zettel, - wie zum Protest - angezündet. Mutwilliger Vandalismus, nicht nur hier. Zerkratzte Autos, Müll und Essensreste auf der Wiese, abgenagte Hühnerknochen und Kippenstummel im Hausflur. Die Haustür schließt nicht richtig - das Schloss wurde durch Tritte zerstört, so dass nun auch diejenigen sich Zutritt zum Haus verschaffen können, die keinen Schlüssel besitzen. Und davon gibt es einige. An den vom Hausmeister ordentlich beschilderten Briefkästen kleben immer wieder neue Namensschilder. Zahlreiche rumänische und bulgarische Namen, innerhalb der vergangenen anderthalb Jahre in krakeliger Handschrift und mit Tesafilm hinzugefügt. Einer der wenigen Namen, die dort schon seit vielen Jahren zu lesen sind, ist Marsollek. Er gehört zu der Mieterin einer modern eingerichteten Dreizimmerwohnung. Mit ihrem Sohn wohnt Janine Marsollek dort seit mittlerweile fast neun Jahren. "Damals war es so schön hier, doch seit einem Jahr ist es die absolute Vollkatastrophe", sagt die 37-Jährige. Im Gegensatz zu den freundlichen und hilfsbereiten Flüchtlingen aus Syrien und dem Irak verhielten sich viele ihrer osteuropäischen Nachbarn so respektlos, dass man nur staunen könne. "Wenn du als Frau hier entlang gehst, ist es ganz normal, dass du von Schnalzen und ,Ficki-Ficki'-Rufen begleitet wirst", erzählt Marsollek. Auch dass im Hausflur auf Kochplatten Essen zubereitet würde und die Sperrmüll-Abfuhr, die man im Regelfall erst rufen müsse, hier regulär alle zwei Wochen komme, sei Alltag. Vom Dreck im Treppenhaus und auf der Wohnanlage ganz zu schweigen: Unachtsam weggeworfener Unrat jeglicher Art, der die Ratten anlocke.

Das sind Zustände, die an Marxloh oder Hochfeld erinnern. Doch die beschauliche Wohnsiedlung Erlinghagenplatz befindet sich in Friemersheim. Noch wurden die Gebäude nicht derart misshandelt, dass sie in die Kategorie Schrottimmobilie fallen. Es bestehen keine brandschutztechnischen oder sonstigen Mängel, die es dem Ordnungsamt bzw der Taskforce möglich machten, einzuschreiten. In den vergangenen Monaten gab es mehrere Ermittlungen wegen stillgelegter Fahrzeugen, heißt es von der Stadt. Erst gestern wurde die Immobilie durch den städtischen Außendienst aufgesucht und überprüft. Es wurde festgestellt, dass dort mehrere Schrottfahrzeuge abgestellt sind und einige Bereiche vermüllt sind. Von Seiten des Bürger- und Ordnungsamtes würden nun Maßnahmen zur Beseitigung eingeleitet. Unsoziales Verhalten rechtfertige aber keine Räumung, sagte ein Sprecher der Stadt Duisburg.

FOTO: Christoph Reichwein

Wobei "unsozial" es oftmals nicht ganz treffe, wie Marsollek berichtet: "Mein Sohn traut sich schon gar nicht mehr, draußen zu spielen, weil er von den Kindern in heftigster Wortwahl beschimpft wird. Er sei fett, seine Mutter sei eine Hure, sind da nur einige Beispiele." Versucht Marsollek mit den Eltern der Kinder zu reden, würden diese immer nur mit dem Kopf schütteln und andeuten, dass sie nicht verstünden, worum es gehe. "Verstehen können sie nichts, aber reden können sie gut. Zumindest in Beschimpfungen verstehen sie sich bestens", sagt sie.

Die Zustände seien unerträglich, denn das rücksichtslose Verhalten beeinträchtige mittlerweile auch die schulischen Leistungen ihres Sohnes. Er sei übermüdet, könne sich kaum konzentrieren, wenn die Nachbarn mal wieder bis spät in die Nacht Partys feierten. Ausziehen möchte Marsollek aber nicht. Sie liebt ihre Wohnung. Hier hat sie mit ihrem verstorbenen Mann zusammen gewohnt, hier stimmt die Miete und erst kürzlich hat die 37-Jährige eine erhebliche Summe investiert, um sich noch heimischer zu fühlen. In ihren vier Wänden fühlt sie sich wohl. Das muss sie auch, denn das Haus verlässt sie nur noch ungern. Vor allem, seitdem sie von einem Nachbarn angegriffen, geschlagen und gegen die Wand geschubst worden sei. "Und das nur, weil ich darum gebeten habe, die Musik etwas leiser zu drehen." Die Folge: Eine ausgekugelte Schulter, Prellungen am Arm, Wunden an der Hand. Die Anzeige, die Marsollek erstattet hat, sei fallengelassen worden.

Links: Der Zettel, der auf das Grillverbot hinweiset, wurde angekokelt. Rechts: Dieser Transporter mit englischem Kennzeichen wurde gestern erst einmal von den Ordnungskräften stillgelegt. FOTO: Christoph Reichwein

Marsollek könnte noch etliche Beispiele nennen, die Liste sei lang. Der Vermieter fühlt sich nicht zuständig, der Stadt sind die Hände gebunden. Doch gerade die sieht Marsollek in der Pflicht, etwas zu unternehmen, "damit wir Alteingesessenen wieder in Frieden leben können".

Quelle: RP
 
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