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Duisburg
Al-Qaida-Anhänger war Lehrer in Duisburg

Duisburg: Al-Qaida-Anhänger war Lehrer in Duisburg
Marcel K. ist als Salafisten-Prediger im Internet zu sehen. FOTO: Screenshot Youtube
Duisburg. Unbehelligt von Behörden hat ein bekennender Salafist, dem Kontakte zum Terrornetzwerk Al Qaida nachgesagt werden, ein halbes Jahr lang an einer Duisburger Berufsschule unterrichtet. Marcel K. war Anfang des Jahres von der zuständigen Düsseldorfer Bezirksregierung als Quereinsteiger für das Fach Elektrotechnik an der Schule eingestellt worden. Von Jörg Isringhaus und Christian Schwerdtfeger

Das bestätigte gestern das NRW-Schulministerium, das erst vor wenigen Wochen durch einen Hinweis auf die radikalen Ansichten des Mannes aufmerksam gemacht wurde. "Wir haben ihm dann sofort fristlos gekündigt", sagte eine Sprecherin. "Solche Personen haben an unseren Schulen nichts zu suchen." Wieso der bekannte Salafist vor seiner Einstellung als Lehrer nicht überprüft wurde, wollte das Ministerium mit dem Verweis auf ein schwebendes Verfahren nicht sagen. K. will nach Informationen unserer Zeitung auf Wiedereinstellung klagen. Der Konvertit Marcel K. gilt als einer der führenden Salafisten in Deutschland mit guten Kontakten zu mittlerweile verbotenen radikalen Vereinen.

Er war der Mitbegründer des mittlerweile geschlossenen Islamischen Zentrums Münster, das nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ins Visier des Verfassungsschutzes geriet. Der Drahtzieher der Anschläge, der als Terrorhelfer verurteilte Mounir al Motassadeq, hatte dort gearbeitet und gelebt. Das Landeskriminalamt ermittelte gegen ihn wegen des Verdachts auf Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, reagierte schockiert auf den Vorgang. "Es ist unfassbar, dass so ein Mann als Lehrer eingestellt werden konnte", sagte er und forderte die Schulbehörden zu mehr Sensibilität bei der Einstellung von Lehrern auf. "So ein Fehler stellt die Arbeit des Innenministeriums in Frage, das gute Arbeit im Kampf gegen den Salafismus leistet", sagte Wendt.

Peter Biesenbach, Innenexperte der CDU-Landtagsfaktion, warf den zuständigen Aufsichtsgremien Sorglosigkeit vor. "So etwas darf nicht passieren." Das Innenministerium wollte sich nicht zu dem Fall äußern. Der Chef des NRW-Verfassungsschutzes, Burkhard Freier, sagte im Innenausschuss des Landtags, die Zahl der Salafisten in NRW könne sich bis Ende des Jahres auf 1000 verdoppeln. Das Ruhrgebiet sei eine Hochburg.

(RP/ila/das)
 
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