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Duisburg
"Albert Dölken ist ein Abt mit Charisma"

Duisburg. Die Prämonstratenser-Abtei in Hamborn hat eine fast 900 Jahre alte Geschichte. Bei einer Führung kann man mehr über das Gebäude und das Leben der Chorherren erfahren. Von Volker Poley

Alle zwei Wochen finden sich immer wieder zahlreiche Interessenten ein, um sich über die historischen und kirchengeschichtlichen Hintergründe des bereits im Jahr 1136 gegründeten Klosters in Hamborn zu informieren, aber auch um die mit der Abtei verbundenen Bauwerke in Augenschein zu nehmen. Jetzt fand ein besonderer Rundgang im Rahmen der von der Stiftung Schloss Dyck initiierten "Offenen Gartenpforte" statt. Knapp 50 Teilnehmer hatten sich vor der Abtei-Kirche eingefunden. Für Abtei-Führerin Christina Becker Grund genug, die Hälfte der Gruppe ihrem Ehemann Klaus zu überlassen, der genauso wie seine Ehefrau als absoluter Abtei-Insider gilt. Bevor die Gruppe sich auf den Rundgang begab, fragte die Kloster-Expertin die verdutzten Besucher mit Blick auf die "Wohnzellen" der Chorherren: "Wie vermehren sich Prämonstratenser?". Die Antwort schob sie verschmitzt lächelnd hinterher: "Durch "Zell"-Teilung natürlich." Der Friedhof direkt neben der Kirche - dort befindet sich auch die Grabstätte der Familie König - zeugt auch von der Industriegeschichte Hamborns. Am Grabmal "Für unsere Verunglückten" erläuterte sie, dass im Stahlwerk und im Bergbau Verunglückte oftmals nicht geborgen werden konnten. Mit dieser Stätte wurde den Hinterbliebenen Gelegenheit gegeben, dennoch ihrer Angehörigen zu gedenken. Vorbei am elektronischen Opferstock ("Den hat sich Pater Tobias einfallen lassen") - hier kann man per Scheckkarte spenden - führte die Abtei-Expertin die Besuchergruppe in den Licht durchfluteten Innenraum der Abteikirche. Ältester Teil der in der Vergangenheit mehrfach zerstörten Kirche ist der untere Bereich des romanischen Kirchturms, der aus dem Jahr 1136 stammt. Ältestes Ausstattungsstück ist der mächtige Basalt-Taufstein aus dem 12. Jahrhundert. Die prächtigen Fenstermosaike - besonders eindrucksvoll die drei Kirchenfenster von Anton Wendling im Chorraum - sorgen gerade bei Sonnenschein für beeindruckende Effekte. Weitere Gemälde und kirchliche Gegenstände sowie die Dreier-Ikone mit der Heiligen Anna, Maria und dem Jesuskind ("Anna-Selbdritt-Gruppe") gehören zu dem sehenswerten Interieur der vormals romanischen Abtei-Kirche, die "heute eigentlich keinen speziellen Stil mehr hat". Nicht unerwähnt blieb die voll mechanische Orgel aus dem Jahr 1986, die bei zahlreichen Konzerten die Besucher - auch durch die hervorragende Akustik in der Kirche - immer wieder beeindruckt. Gut erhalten ist noch der Nordflügel des historischen Kreuzgangs (vor 1170), von dem man in den gediegen wirkenden Kreuzgang-Innenhof mit dem ins Auge fallenden Brunnen von Prof. Gernot Rumpf gelangt. Die sommerlichen Serenadenkonzerte sind bei Musikfreunden sehr beliebt, das Ambiente sei, so Christina Becker, "einfach einmalig". Der Brunnen selbst zeigt diverse Tiermotive, ins Auge fällt ein relativ großformatiger Pfau. "Den hat der Künstler wohl zusätzlich geschaffen, offensichtlich weil ihm die Chorherren so eitel erschienen", erläuterte sie augenzwinkernd. Einen starken Eindruck hinterließ auch der abschließende Besuch der Schatzkammer (Paramentenkammer). Neben prächtigen, reich bestickten Messgewändern - zum Teil aus dem 15. Jahrhundert - sind dort kostbare liturgische Gegenstände und wertvolle Ausgrabungsfunde zu bewundern, die von der reichen kirchengeschichtlichen Vergangenheit der Hamborner Abtei zeugen. Ausgestellt ist dort auch der imposante Abtstab aus alter Zeit, den Albert Dölken nach seiner Amtseinführung vor gut 20 Jahren als erster wieder getragen hat. Christina Becker ist überzeugt von "ihrem" Abt ("Er ist jetzt schon Geschichte"), der bereits nach seiner Wahl 1995 bereits zweimal in seinem Amt bestätigt wurde:"Albert Dölken ist ein Abt mit Charisma und starker Führungsqualität, eine überragende Persönlichkeit." Die heutige Abteikirche geht auf die kleine Pfarrkirche St. Johann zurück, die im 9. Jahrhundert an gleicher Stelle erbaut wurde. Im Jahr 1136 wurde anstelle der Pfarrkirche ein Prämonstratenser- Kloster errichtet, das 1170 zur Abtei erhoben wurde. Nach der napoleonischen Besatzung des Rheinlandes kam es im Rahmen der Säkularisation zur Aufhebung des Klosters. Die Pfarrei St. Johann bestand aber weiter. Im Jahr 1959 wurde das Kloster mit dem Einzug von sieben Prämonstratensern aus dem Allgäu (Rot) wiedererrichtet. Bischof Luthe erhob 1994 das Kloster erneut zur Abtei. Zum ersten Abt weihte er Albert Dölken, der dieses Amt bis heute innehat.

Die nächsten Führungen finden am 6. und 20. August sowie am 3. und 17. September statt. Anmeldungen unter 0203 54472600.

Quelle: RP
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