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Duisburg
Alles ist möglich, wenn du daran glaubst

Duisburg. Mit "Eigengrau" hat ein wundervolles Theaterstück auf der "Spieltrieb"-Bühne des Theaters Duisburg seine Premiere. Von Olaf Reifegerste

Die Premiere von "Eigengrau" im Foyer III des Duisburger Theaters am Freitagabend war nicht "nur" eine Premiere, sondern zugleich auch die deutsche, wenn nicht sogar deutschsprachige Erstaufführung des von Penelope Skinner geschriebenen Textes. Kompliment! Schauspiel-Intendant Michael Steindl ist es gelungen, vom renommierten Kölner Jussenhoven & Fischer Theaterverlag die notwendigen Aufführungsrechte dafür zu bekommen. Gratulation an ihn und seine erfolgreiche "Spieltrieb"-Bühne für diese Auszeichnung.

Eine klassische "Spieltrieb"-Aufführung war die Premiere allerdings nicht. Die Darsteller haben zwar allesamt ihre Wurzeln im "Spieltrieb". Mittlerweile haben Katharina Abel und Sandra Welki sowie Stefan Kolkenbrock und Maximilian Strestik aber die entsprechende Altersgrenze (17 bis 23 Jahre) überschritten. Zudem sind die beiden männlichen Schauspieler inzwischen Profis. Also hat man kurzerhand den Namen des Ensembles "Jugendclub" in "Junges Ensemble im Theater Duisburg" umgetauft - wer weiß, vielleicht sogar grundsätzlich.

Regisseurin Eva Zitta, Bühnenbildner Simon Paul Schneider und Kostümbildnerin Frederike Marsha Coors haben zusammen eine rasante, einfallsreiche und sehenswerte Inszenierung des aus 19 Szenen bestehenden Stücktextes hingelegt, dessen Handlung im Original zwar in London angesiedelt ist, deren Figuren- und Beziehungskonstellationen im Zeitalter des "Word-Wide-Web" aber verallgemeinerbar sind. So treffen zwei je gleichgeschlechtliche Wohngemeinschaften, Cassie und Rose auf der einen Seite sowie Mark und Tim auf der anderen, in zeitlich-räumlich verschiedenen Situationen aufeinander.

Die überzeugte Feministin Cassie hat ihre neue Mitbewohnerin Rose einst über das Internet kennengelernt, während der gut verdienende Marketingmanager Mark und sein Job suchender Mitbewohner Tim früher gemeinsam zur Uni gegangen sind. Zunächst lernt Mark die etwas neben der Spur lebende Rose ("Es war ein Geschenk des Universums.") kennen, die sich daraufhin Hals über Kopf in ihn verliebt und ihm verwirrende Fotos von sich in Unterwäsche mailt.

Etwas später begegnet Mark ("Ich bin sauer auf das Patriarchat.") allerdings Cassie ("Fick dich!") und verliebt sich in sie, diese im Laufe der Zeit umgekehrt auch in ihn. Beim Aufeinandertreffen von Tim ("Bitte, gib' mir ein Zeichen!") und Rose an einer Fried-Chicken-Bude, verspürt der schüchtern auftretende Zeitgenosse Gefühle für sie, die von der 27-Jährigen zunächst unerwidert bleiben. Zum Schluss kommen zwar Tim und Rose zusammen (Rose: "Ist das nicht ein tolles Happy End?"), die mittlerweile schwangere Cassie (Rose: "Sie baut einen Menschen") und Mark dagegen nicht.

Die britische Autorin Skinner zeichnet mit "Eigengrau" ein Bild von vier jungen Großstadtbewohnern, die längst nicht immer wissen, was sie eigentlich wollen. Und wenn sie es dann doch endlich wissen, ist es mitunter schon zu spät. Penelope Skinner wirft die Frage auf, wie verschieden Menschen sein müssen, um nicht trotzdem das Gleiche zu wollen, und welche Kraft der Glaube an etwas bewirken kann - ob es nun die totale Gleichstellung der Geschlechter ist oder der Glaube an sich selbst und seine Männlichkeit, der Glaube an das Schicksal und das vollkommene Glück durch bloße Überzeugung oder einfach nur der Glaube daran, dass man einen geliebten Menschen auch nach seinem Tod nicht verlieren muss, solange man seine Asche in einer Porzellankatze als Urne mit sich herumträgt.

Quelle: RP
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