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Duisburg
Als der Eiffelturm auf Reisen ging

Duisburg. Sergej Prokofjew stand im Mittelpunkt des Profile-Kammerkonzerts. Von Ingo Hoddick

Sergej Prokofjew, geboren vor 125 Jahren, war nicht nur ein bedeutender Komponist, sondern auch literarisch begabt. Das zeigte jetzt das jüngste, vierte Profile-Kammerkonzert der Duisburger Philharmoniker im gut gefüllten Opernfoyer im Theater.

Auf dem musikalischen Programm standen zwei gewichtige, gleichwohl lyrische und gesangliche beziehungsweise graziöse Kammermusik-Werke des Meisters, nämlich die Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur op. 119 (komponiert 1949 für Mstislaw Rostropowitsch) und die Sonate für Flöte und Klavier D-Dur op. 94 (1942, besser bekannt in ihrer Zweitfassung als Violinsonate op. 94a). Der philharmonische Soloflötist Stephan Dreizehnter wirkte hier konsequenter als die philharmonische Cellistin Anja Schröder, auch der Pianist Tobias Bredohl hatte mit Flöte mehr Biss als mit Cello.

Zwischen den einzelnen Sätzen der Sonaten las Claus Dieter Clausmitzer zwei der erst vor einigen Jahren wieder entdeckten, elf subtil skurrilen Erzählungen von Prokofjew. Die Erzählung "Der wandernde Turm" entstand 1918 während einer Zugfahrt von Petrograd (St. Petersburg) nach Wladiwostok. Prokofjew lässt den Eiffelturm sich auf dem Weg machen zum Turm aller Türme nach Babylon.

Dabei lässt er sich durch nichts aufhalten, weder durch geografische Hindernisse wie die Alpen ("vor diesem Hintergrund, ganz ohne Menschen und Gebäude, wirkte der Eiffelturm nur wie ein überdurchschnittlich großer Tourist") noch durch eine fragwürdige militärische Aktion des deutschen Generals von Magenschmerzen. Am Ende kehrt der Turm pfeilschnell nach Paris zurück.

Die Erzählung "Ultraviolette Freiheiten" entstand nur wenig später (1919), aber schon auf dem Weg von Chicago nach New York. Hier werden Zeit und Raum durcheinander gewirbelt, und auf diese Weise begegnen sich ein steinreicher Ölmagnat und ein altägyptischer Pharao, der aus seiner Pyramide tritt. Clausnitzer, bekannt vor allem durch seine Fernsehrollen als "Vadder" im Münsteraner "Tatort" und als Hannes Lüder in der Serie "Rote Rosen", war die Idealbesetzung für Prokofjews klugen und trockenen Humor.

Quelle: RP
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