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Duisburg
Alte und junge Stadt an Rhein und Ruhr

Duisburg: Alte und junge Stadt an Rhein und Ruhr
In Duisburg wurde die erste Parkuhr in Deutschland aufgestellt. Dieses Original befindet sich im Kultur- und Stadthistorischen Museum. FOTO: Reichwein
Duisburg. Wer in die Geschichte Duisburgs eintaucht, wird viele Facetten einer Stadt sehen, die alt und jung zugleich ist. Die Dauerausstellung im Kultur- und Stadthistorischen Museum reicht von der Steinzeit bis in die Gegenwart. Von Peter Klucken

Vielleicht war es ja wirklich so, dass einst Steinzeitmenschen hier, auf dem Gebiet der gegenwärtigen Stadt Duisburg, mit großer Kühnheit Mammuts erlegt haben und auf diese Weise hungrigen Familienclans eine Zeitlang das Überleben sicherten. In dem Heimatbuch für Schulkinder "Unsere Stadt Duisburg" wird eine solche Mammutjagd im ersten Kapitel phantasievoll geschildert. In einer nur an Fakten orientierten Geschichte der Stadt Duisburg beginnt das erste Kapitel später. Zwar gilt als sicher, dass auch Tausende Jahre vor unserer Zeitrechnung hierzulande Menschen lebten, doch größere Siedlungen scheinen erst die alten Römer der Region am Zusammenfluss von Rhein und Ruhr beschert zu haben.

Von der Steinzeit bis zur Gegenwart reicht die Dauerausstellung im Kultur- und Stadthistorischen Museum, das auch als Duisburger "Heimatmuseum" konzipiert ist. Die Ausstellung lädt dazu ein, in die Geschichte der Stadt einzutauchen. Und dabei kann man viele Facetten einer Stadt entdecken, die alt und jung zugleich ist. "DU, wo find' ich dich", hieß ein Literaturwettbewerb, den die Stadt vor rund 30 Jahren ausgeschrieben hatte. Gesucht wurden Texte, bei denen die Verbundenheit von Stadt und Mensch zum Ausdruck kommt. Beschrieben wurden in den sehr unterschiedlichen Beiträgen Bauwerke, Institutionen oder auch Stimmungen, die nach Meinung der Autoren untrennbar mit Duisburg verbunden sind: Der Hafen, der Zoo, die Salvatorkirche, der MSV, der Duisburger Wald, Hüttenwerke, Schornsteine und natürlich immer wieder der Rhein. Und beim Stichwort Rhein sind wir auch schon mitten in der Ausstellung des Kultur- und Stadthistorischen Museums. Denn der Fluss, der Duisburg den Beinamen "Stadt am Rhein" beschert, konnte der Stadt auch mal untreu werden und sich verlagern. Die größte Rheinverlagerung geschah vermutlich um das Jahr 1000.

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Duisburg eine eher betuliche Stadt mit etwa 4000 Einwohnern. Allerdings hatte sie einen guten Ruf, schließlich kam kein Geringerer als der große Kartograph Gerhard Mercator 1552 in die Stadt, in der er bis zu seinem Tod im Jahr 1594 blieb. Duisburg galt damals als ein Ort, in der ein vergleichsweise tolerantes Klima herrschte. 1655 wurde Duisburg sogar zur Universitätsstadt. Bis 1818 wurde hier ein akademisches Leben gepflegt, das durchaus bemerkenswert war. Der erste Rektor der alten Universität, Johannes Clauberg, hatte als Philosoph Renommee. Und der Universalgelehrte Johannes Gottlob Leidenfrost ging als Physiker in die Wissenschaftsgeschichte ein.

Die Industrialisierung, die Ende des 19. Jahrhunderts begann, machte aus dem Städtchen erstaunlich schnell eine Großstadt. Das vor- und frühindustrielle Gewerbe wurde zunehmend abgelöst durch die von Kohle und Stahl geprägte Schwerindustrie. Die Häfen in Duisburg und Ruhrort wuchsen. Heute hat Duisburg den wohl größten Binnenhafen der Welt.

Die Hafenregion war aber nicht nur Umschlagplatz von Erzen. Viele Jahre galt der Duisburger Innenhafen als "Brotkorb des Ruhrgebiets". Um das Jahr 1900 gab es in Duisburg 30 Getreidehandlungen und Mühlen. Die bekannteste Mühle ist heute ein Kunstmuseum: die Küppersmühle. 1972 schloss übrigens die letzte Getreidemühle am Duisburger Innenhafen.

1903 wurden in Duisburg erstmals mehr als 100.000 Einwohner gezählt. 1906 waren es bereits 200.000, wobei der Zuwachs auch durch Eingemeindungen verursacht wurde. Heute zählt Duisburg 485.000 Einwohner; Anfang der 70er Jahre waren es auf dem heutigen Stadtgebiet noch 650.000. Im Hinblick auf die Einwohnerzahl deutscher Großstädte steht Duisburg zurzeit auf Platz 15. Die Menschen zieht es aus grauer Städte Mauern, wobei Duisburg besonders durch den Strukturwandel gebeutelt ist. Sorgten in den Zeiten des Wirtschaftswunders Kohle und Stahl noch für ein überdurchschnittlich hohes Pro-Kopf-Einkommen, so bescherte die Stahlkrise Einbrüche, die bis heute nicht überwunden sind. Der Arbeitskampf in den 80er Jahren und die symbolträchtige Brücke der Solidarität werden in der stadtgeschichtlichen Ausstellung zu einem großen Thema. Seit 1972 ist Duisburg wieder Universitätsstadt. Und die Hochschule, die 2003 mit der Essener Universität zur Universität Duisburg-Essen, abgekürzt UDE, fusioniert wurde, gehört zu den Einrichtungen, die das oftmals schlechte Image der Stadt verbessern. Wer hier wohnt, weiß, dass die Stadt Duisburg besser als ihr Ruf ist. Hier gibt es nicht nur Industrie, sondern auch ausgedehnte Waldgebiet. Und hier gibt es eines der schönsten Theater Deutschlands, das auch eine Heimstatt der Deutschen Oper am Rhein ist, sowie bedeutende Museen. In der alten Stadt sieht man viele junge Menschen, die hier ihren Weg machen wollen. Man kann die schönen Seiten der Stadt, die ein ungewöhnlich wechselhafter Schauplatz der Geschichte ist, durchaus sehen. Allerdings darf man dabei nicht so vorgehen, wie es bei Kamerafahrten zu Schimanski-Tatorten im Fernsehen gelegentlich geschah: Da verharrte der Blick lange auf den Schmuddelecken. Und kurz bevor ein Kameraschwenk die grünen Rheinauen Duisburgs hätte erfassen können, wurde "wegen der Dramatik" abgeblendet.

Quelle: RP
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