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Amok-Alarm am Berufskolleg in Duisburg
Schüler und Lehrer schlossen sich in Klassenzimmern ein

Polizei-Großeinsatz an Gertrud-Bäumer-Kolleg in Duisburg
Polizei-Großeinsatz an Gertrud-Bäumer-Kolleg in Duisburg FOTO: Christoph Reichwein
Eine 17-jährige Schülerin des Berufskollegs hatte am Mittwoch gemeldet, dass sie einen bewaffneten Mann in der Schule gesehen habe. Die Polizei alarmierte Spezialeinsatzkräfte. Sofort griffen die Notfallpläne für einen Amok-Alarm. Am Abend gab es vorläufige Entwarnung. Von H. Chudobba und P. Klucken, Duisburg

Statt mit Sternekoch Stefan Marquard zu kochen, verschanzten sich der Fernsehkoch und die Schüler des Gertrud-Bäumer-Berufskollegs in einem verriegelten Klassenraum – panisch vor Angst, weil angeblich ein Mann mit Waffen durch das Gebäude läuft. Eine 17-jährige Schülerin hatte, als sie kurz vor 15 Uhr von der Toilette zurück zu ihrer Klasse laufen wollte, einen Mann gesehen, der angeblich zwei Waffen in der Hand hielt. Sie rannte sofort zu Schulleiterin Ruth Gesing und erzählte ihr davon.

Gesing informierte die Polizei. Auf deren Anweisung hin machte sie anschließend eine Durchsage an die Schüler. Sie wurden aufgefordert, in den Räumen zu bleiben und die Türen abzuschließen, was auch sofort geschah. Diese Form der Sicherungsmaßnahme gilt als abgemilderte Variante des so genannten Amok-Alarms.

Schwer bewaffnete Polizisten holten Schüler aus Gebäude

Etwa 120 Schüler blieben zusammen mit ihren Lehrern eingeschlossen in den Klassenräumen. Hinzu kamen noch die Teilnehmer der Kochveranstaltung, rund zehn Lehrer und einige Dutzend Schüler. Auch sie verschanzten sich zusammen mit dem prominenten Koch in der Großküche. Gegen 16.30 Uhr entschied das Spezialeinsatzkommando, das in solchen Fällen unter der Leitung der Essener Polizei agiert, die Schüler und Lehrer unter Geleit von schwer bewaffneten Polizisten aus den Klassenräumen zu holen und mit Bussen der DVG zu bringen, die dann zum Polizeipräsidium fuhren. Einige Schüler winkten aus einem großen, vollbesetzten Gelenkbus Angehörigen und Freunden, die auf der Straße warteten, zu. Andere Schülerinnen und Schüler wirkten sichtlich schockiert.

Während des Einsatzes hatten Polizeibeamte große Mühe, Eltern vom Betreten der Schule abzuhalten. Einige Eltern zeigten sich gegenüber gutem Zureden vollkommen uneinsichtig und wären einfach in die Schule gestürmt, wenn sie die Beamten davon nicht abgehalten hätten. Die Polizei hatten auf der Straße einige Beamte zur Betreuung der Angehörigen eingesetzt. Auch wurde eine eigene Rufnummer bei der Essener Polizei freigeschaltet; hier konnten sich Eltern über den Stand der Dinge informieren lassen.

Zudem nutzte die Polizei Soziale Netzwerke wie Twitter, um die Eltern aufzufordern, das Schulgebäude nicht zu betreten, da dies den Einsatz und damit auch die Schüler gefährden würde und bat auch andere, den Bereich um die Schule weiträumig zu umfahren. Die Straßen rund um das Gertrud-Bäumer-Berufskolleg wurden von Polizeiwagen abgesperrt. Ein Passieren mit dem Auto war nicht möglich. Fußgänger mussten sich innerhalb von Absperrbändern bewegen. In die Nähe der Schule wurde niemand vorgelassen. Selbst die Schulleiterin, die gegen 16.45 Uhr zum Polizeisprecher vorgelassen wurde, musste zurück gehen, um in den Bus zu ihren Schülern zu steigen.

Ermittlungen der Polizei gehen weiter

Nach Angaben des Polizeisprechers hat das Spezialeinsatzkommando der Polizei keine verdächtige Person in der Schule gefunden. Die Suche wurde abgebrochen. Die Polizei mochte keine abschließende Einschätzung darüber geben, ob wirklich eine Gefahr durch einen Bewaffneten bestanden hat. Jetzt hat die Kriminalpolizei die Ermittlungen übernommen. Ob die Befragung der Schüler im Polizeipräsidium Klarheit bringen konnte, wird wohl erst am Donnerstag bekannt gegeben.

Am Gertrud-Bäumer-Berufskollege in Neudorf, wenige Gehminuten vom Hauptbahnhof entfernt, werden Jugendliche und junge Erwachsene aus gewerblichen und sozialen Berufen unterricht. Es gibt dort zum Beispiel Klassen für angehende Floristen, Bekleidungsfachleute, Kindergärtnerinnen, Haushälterinnen oder auch Sozialarbeiter. Wie an Berufskollegs üblich werden die jungen Leute dort zum großen Teil neben ihrer Berufsausbildung schulisch unterrichtet. Es gibt aber auch Vollzeitschüler und solche, die zusätzlich zu ihrem Beruf noch das Abitur machen wollen.