| 23.58 Uhr

Duisburg
Offener Brief der Marxloher Bürger

Nachts unterwegs in Duisburg-Marxloh
Nachts unterwegs in Duisburg-Marxloh FOTO: Christoph Reichwein
Dusiburg. Anwohner in Marxloh haben sich in einem offenen Brief zu den ihrer Meinung nach unhaltbaren Zuständen im Stadtteil geäußert. Jetzt sammeln sie Unterschriften anderer Bürger. Sie wollen, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel Brief und Liste bei ihrem Besuch bekommt. Wir zeigen Auszüge aus dem Brief.

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,

wir (die Unterzeichner) sind Bürger der Stadt Duisburg, wohnhaft seit vielen Jahren im Duisburger Norden, konkreter: in Marxloh [...] Mit Jahresbeginn 2014 haben wir massive, ja in hohem Maße zunehmende Probleme in diesem Umfeld durch Zuzug von Ausländern [...] überwiegend aus Rumänien und Bulgarien. Nahezu jeden Abend, auch an Sonn- und selbst religiösen Feiertagen, wird es ab 18 Uhr auf den nicht mehr passierbaren Gehwegen - simpel gesprochen - laut und krawallig und zwar bis Mitternacht. [...] Der Lärmpegel [wird] von allen Seiten durch rauhes Männergebrüll, Kindergeschrei und Gekreische von jungen Frauenstimmen dermaßen auf die Spitze getrieben, dass damit ein Party-Pegel weit überschritten ist  [...], der die hiesigen, ruhebedürftigen Anwohner an die Grenze des Tolerierbaren gebracht hat.

Einigende Versuche  [...]  stießen auf mangelnde Gesprächsbereitschaft  [...] und endeten in Beschimpfungen und Untersstellungen.  [...] . Die Betroffenen sind hier nicht nur Harz- IV-Empfänger (wir empfinden uns als kultiviertes Arbeiterviertel, in dem Solidarität kein leeres Wort ist), nicht nur "Schrottimmobilienbewohner" oder Alkoholiker, sondern Bewohner, die einer schweren körperlichen Erwerbstätigkeit – teilweise Schichtwechsel - nachgehen, außerhalb arbeiten und abends müde heimkehren, Rentner und auch Schulpflichtige, die ihrer wichtigsten Ressource (Schlaf) beraubt werden. Das ist ein übler, krankhafter Zustand, der neben dem Müllproblem und den wilden Kippen besteht. [...].

Einzelne Versuche von Anwohnern, telefonisch die Behörden (Polizei, Ordnungsamt) davon in Kenntnis zu setzen und um Abhilfe zu bitten, hatten keinerlei Erfolg. Die Liste der angeführten ablehnenden Argumente, die Zustände zu ändern und regulierend einzugreifen, ist mittlerweile lang und zeigt das mangelnde Verantwortungsbewusstsein gegenüber unserem Problem auf.

Eines dieser Argumente und Empfehlungen lautete : "Wenden Sie sich an Frau Kraft". Das tun wir hiermit und wir, die Unterzeichner, fordern die Behörden ein letztes Mal auf, die gesetzeswidrigen Zustände zu ändern, die unsere Lebensqualität und Würde massiv herabsetzen. Sollte in absehbarer Zeit keine Änderung eintreten, stellen wir Strafanzeige gegen Schuldige und Mitschuldige, denen an einem ordnungsgemäßen friedlichen Zusammenleben scheinbar nicht gelegen ist. [...].

Hochachtungsvoll

(rpo)