| 00.00 Uhr

Duisburg
Anklage wirft rechtem Trio 38 Taten vor

Duisburg: Anklage wirft rechtem Trio 38 Taten vor
Auf diese Einrichtung für Asylbewerber an der Kaiserswerther Straße soll das Trio einen Anschlagsversuch unternommen haben. Ein Kanister mit Lösungsmitteln zündete nicht. FOTO: Reichwein
Duisburg. Drei Duisburger der "Legion 47" und  Ex-NPD-Funktionäre stehen für viele Einbrüche und - meist missglückte - Brandanschläge vor dem Landgericht. Unter anderem planten sie einen Rauchbomben-Anschlag auf ein Asylbewerberheim.  Von Bodo Malsch

Vor dem wegen des Rocker-Prozesses eh schon scharf gesicherten Landgericht am König-Heinrich-Platz begann gestern auch der Prozess gegen drei Mitglieder der so genannten "Legion 47". Die drei 27 bis 35 Jahre alten Duisburger, die bei der jüngsten Kommunalwahl als Kandidaten der NPD für die Bezirksvertretung Süd angetreten sein sollen, gründeten offenbar Anfang 2013 die rechts gesinnte Gruppierung. Zu diesem Zeitpunkt sollen die Angeklagten auch beschlossen haben, als kriminelle Bande zu agieren.

Die umfangreiche Anklage listet 38 Straftaten auf. Die meisten davon sind keine politisch geprägten Gesetzesverstöße, sondern Einbrüche, mit denen die drei Hartz-IV-Empfänger ihren Drogenkonsum finanziert haben sollen.

NRW: Gewalt gegen Flüchtlingsheime 2015

Unter anderem soll das Trio innerhalb von 14 Monaten achtmal in das Vereinsheim des VfL Süd in Hüttenheim und viermal ins Schulzentrum am Huckinger Ziegelkamp eingebrochen sein. Sportbekleidung, Lautsprecheranlagen, Werkzeug und Chemikalien wurden gestohlen. Im Betriebshof der Wirtschaftsbetriebe in Huckingen sollen die Angeklagten Dienstkleidung gestohlen haben, bei einem Einbruch in eine Schule auch Trompeten und Querflöten nicht verschmäht haben. Und was sie mit einer Motorpumpe zum Aufblasen von Hüpfburgen wollten, bleibt vorerst ihr Geheimnis.

In der Nacht zum 26. Oktober 2013 sollen die Angeklagten vor einem Asylbewerberheim an der Kaiserswerther Straße einen Brandsatz deponiert haben. Eine Rauchbombe sollte einen Kanister mit Lösungsmittel zünden. Es gab viel Qualm und einen Knall, aber das Lösungsmittel entzündete sich nicht. Die 120 Bewohner des Hauses kamen mit dem Schrecken davon.

Auch ein Brandanschlag auf einen Rewe-Markt an der Mündelheimer Straße klappte nicht: Ein selbst gebastelter Molotow-Cocktail zerschellte nicht. Bereits am 4. März 2013 soll das Trio den Anbau eines türkischen Imbisses an der Mündelheimer Straße angezündet haben.

Die Angeklagten schwiegen am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Bei Wohnungsdurchsuchungen im Rahmen ihrer Festnahme im August 2014 waren diverse Beutestücke aus den Einbrüchen, selbst gebastelte Waffen und Drogen gefunden worden.

Für das Verfahren sind bis Ende Juni neun weitere Termine vorgesehen.

Quelle: RP