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Duisburg
Arbeit von "Tafel" und Co. immer wichtiger

Duisburg: Arbeit von "Tafel" und Co. immer wichtiger
Auf Spenden ist die Duisburger Tafel angewiesen, wenn sie ihr Angebot an Lebensmitteln aufrechterhalten will. FOTO: Archiv
Duisburg. Sie finanzieren sich ausschließlich über Spenden: Vereine wie die "Duisburger Tafel", "Immersatt" oder "Gemeinsam gegen Kälte Duisburg". Ihnen kommt eine immer größere Bedeutung zu. Von Sandra Kaiser

Die Zahl der Bedürftigen in unserer Stadt steigt stetig. "Allein 21 000 Kinder in Duisburg sind bedürftig. Das heißt, sie gehören Familien an, die unter oder an der Armutsgrenze leben, für die Arbeitslosengeld 2, Grundsicherung oder ihr geringes Einkommen nicht ausreichen, um an Monatsende noch genug Nahrungsmittel zur Verfügung zu haben", sagt Nicole Elshoff vom Kinder- und Jugendtisch "Immersatt". Die Zahl stammt aus dem aktuellen Armutsbericht der Stadt Duisburg. Zum Vergleich: 2011 gab es 19 000 bedürftige Kinder.

"Alles wird teurer, aber die Verdienste wachsen nicht adäquat, gerade in den unteren Lohngruppen. Es werden wenig neue Stellen geschaffen. Und die Arbeitsplätze, die es gibt, sind nicht sicher", sagt Günter Spikofski von der "Duisburger Tafel". Das ist für ihn der Hauptgrund, weshalb es in Städten wie Duisburg immer mehr arme Menschen gibt.

Auch Spielen gehört zu den Aufgaben von Immersatt. FOTO: Christoph Reichwein (crei)

Weil die Not in unserer Stadt so groß ist, kommt Vereinen wie der "Tafel" eine immer größere Bedeutung zu. Auch "Immersatt" oder "Gemeinsam gegen Kälte Duisburg" haben es sich zur Aufgabe gemacht, Hilfe zu leisten, wo sie am dringendsten gebraucht wird. Das zeigt sich an der Arbeit, die sie leisten, an den zahlreichen Aufgaben, die sie erfüllen, und an der Zahl der Menschen, die sie mittlerweile unterstützen.

Die Mitarbeiter von "Immersatt" beispielsweise packen täglich rund 800 Frühstücksbeutel und verteilen sie an 27 Schulen. Auf dem Rückweg bringen die Fahrer Lebensmittel aus verschiedenen Supermärkten mit. Ein Teil der Ware bleibt bei "Immersatt", ein Teil wird ausgefahren - jeden Tag zu zwei anderen großen Jugendzentren, bei denen sich kleinere wiederum bedienen. Zudem werden bei Immersatt täglich rund 200 Mahlzeiten zubereitet: 120 für diverse kleinere Einrichtungen, die übrigen für die beiden eigenen Standorte in der Altstadt und in Ruhrort.

Das Mobil von "Gemeinsam gegen Kält" unterwegs. FOTO: Probst, Andreas (apr)

Die "Tafel" versorgt an ihren Ausgabestellen in Hochfeld und Marxloh täglich bis zu 150 Familien mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs. Der Mittagstisch bereitet jeden Tag 50 warme Mahlzeiten für sozial Schwache und einsame Menschen zu. Zusätzlich beliefert die "Tafel" 15 soziale Einrichtungen, Schulen und Kindergärten mit Lebensmitteln. Die beiden Vereine, die sich ausschließlich über Spenden finanzieren, sind dabei keineswegs Konkurrenten. Im Gegenteil: Sie arbeiten eng zusammen, und das schon seit vielen Jahren. "Wir helfen uns gegenseitig, tauschen uns aus, wenn Not am Mann ist. Ohne diese Netzwerkarbeit könnten wir das alles gar nicht mehr leisten", sagt Elshoff. Vor allem ihr Verein profitiert davon, weil er der Kleinere ist. "Das sind ja ganz andere Dimensionen bei der ,Tafel'", erklärt Spikofski. "Unsere Mitarbeiter steuern täglich 60 Geschäfte in der Stadt an und bekommen dort Lebensmittel. Bei ,Immersatt' sind es lediglich fünf Geschäfte." Zudem habe die "Tafel" aufgrund ihrer Größe - 900 gibt es bundesweit - viele überregionale Spender. Klar, dass die Auswahl an Lebensmitteln da viel größer ist. "Wenn bei uns mal die Milch knapp wird, reicht ein kurzer Anruf bei der ,Tafel', und sie hilft uns", sagt Elshoff.

Aber es geht auch anders herum: Ergattert "Immersatt" mal eine größere Lieferung, die der Verein so schnell gar nicht verarbeiten kann, gibt er der "Tafel" etwas ab.

Auch der Verein "Gemeinsam gegen Kälte Duisburg", der mit seinem Bus viermal in der Woche festgelegte Standorte anfährt und dort Arme und Wohnungslose mit Kaffee, Stullen und Kleidung versorgt und Ansprechpartner für sie ist, profitiert: "Wir bestücken vor jeder Tour unseren Bus mit Lebensmitteln, die wir von der ,Tafel' bekommen", berichtet Kurt Schreiber. Umgekehrt hätten "Tafel" und "Immersatt" von ihnen aber auch schon Kleidung übernommen, die gespendet wurde, mit denen Obdachlose aber wenig anfangen können. Und bekommt "Immersatt" mal eine Palette Duschgel, ruft Elshoff sofort Schreiber an. Eine halbe Stunde später hat er sie und kann sie unter den Obdachlosen verteilen. So funktioniert gute Netzwerkarbeit.

Quelle: RP
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