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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten
Auf Lord Nelsons Flaggschiff

Duisburg. In Duisburgs Partnerstadt Portsmouth kann man das berühmte Schiff des legendären Admirals, die "HMS Victory", besichtigen. An Bord erlebt man eine Zeitreise in das Jahr 1805. Von Harald Küst

Seit 1950 ist Portsmouth, an der Südküste Englands gelegen, Duisburgs Partnerstadt. Zu den Top-Sehenswürdigkeiten gehört Nelsons Kriegsschiff "Victory". In der legendären Schlacht am Kap von Trafalgar - westlich von Gibraltar - triumphierte Lord Nelson über die französisch-spanische Flotte Napoleons.

21. Oktober 1805 gegen Mittag: Vizeadmiral Horatio Nelson stand auf dem Quarterdeck des Flaggschiffs "Victory". Rauchwolken behinderten die Sicht. Dazwischen blitzten die Mündungsfeuer der Geschütze auf. Die Engländer enterten Schiff um Schiff ihrer Gegner. Aber von der französischen "Redoutable" nahmen Scharfschützen das Oberdeck der "Victory" ins Visier. Dort stand der britische Oberbefehlshaber Nelson. Eine Bleikugel des Scharfschützen traf Nelson in die Schulter und warf ihn schwer verletzt zu Boden. Helfer brachten ihn unter Deck ins Lazarett. Den Ruhm für den glücklichen Ausgang der Schlacht konnte der Vizeadmiral allerdings nicht mehr entgegennehmen: Nelson starb, nachdem Kapitän Hardy die verheerende Niederlage der gegnerischen Flotte gemeldet hatte. Nelson letzte Worte lauteten: "Gott sei Dank habe ich meine Pflicht erfüllt."

Nelsons Leiche ließ Kapitän Hardy in ein Fass legen und in Brandy konservieren. Die Leiche wurde nach England überführt. Die letzte Fahrt des Seehelden. König Georg III. ordnete an, dass Nelson "mit militärischen Ehren begraben wird, nach denen die Genialität seines Sieges zu rufen scheint".

Die schreckliche Bilanz dieser Schlacht: 2458 Spanier und Franzosen starben, 2781 wurden verwundet, 2696 ertranken. Auf Seiten der Engländer verloren 458 ihr Leben, 1208 erlitten Verwundungen. Aber Zahlen spiegeln nur unzureichend die Dramatik der Seeschlacht wider. Was als Nebeneffekt bei einem Besuch der "Victory" deutlich wird: Das mächtige Kriegsschiff ist noch heute für die Engländer ein Symbol und Relikt vergangener Größe. Das spürt der Besucher sofort, wenn er das Schiff im Trockendock betritt und die markanten Stationen der "Victory" kennenlernt. "Die meisten Besucher erwarten Kanonen und Admirale, aber sie erhalten auch Einblicke in das Leben der Schiffszimmerleute, der Seeleute, Soldaten und der Köche", erläutert der britische Führer. Im Inneren der "Victory" geht es arg eng zu. Der Geruch von altem Holz und die Vorstellung, dass 800 Männer hier auf engem Raum lebten und kämpften, beeindruckt. Heute können sich die großgewachsenen Touristen nur mit eingezogenen Kopf und gebückter Haltung fortbewegen. Damals lag die Durchschnittsgröße der Männer bei 1,60 Meter. Die Männer auf den drei Kanonendecks arbeiteten damals unter Extrembedingungen. Dem höllischen Lärm der 104 Kanonen waren sie schutzlos ausgeliefert. Die meisten waren vermutlich taub. Zudem mussten sie sich vor dem Rückschlag der Kanonen in Acht nehmen.

Weiter geht`s. In der Mitte des Decks befindet sich die Küche, darunter die Lagerräume sowie die Räume der Handwerker, die für die Instandhaltung der Ausrüstung und des Schiffs sorgten. Die Nahrung wurde in Fässern gelagert. Sie bestand aus gesalzenen Rind- und Schweinefleisch, Schiffszwieback, Erbsen, Haferflocken, Butter und Käse. Maden und Ratten an Bord galten als Normalität. Gegen Skorbut gab es Zitronen und als Zugabe täglich eine Bier- oder Rumration. Der Aufstieg zum Quarterdeck, auf dem Nelson seine tödliche Schussverletzung erlitt, führt vor die Tür seiner damaligen Kajüte. Die weitläufigen Räume waren vergleichsweise luxuriös ausgestattet. Die gediegene Esstischdekoration belegt die Klassengesellschaft. In diesen Räumen erläuterte und begeisterte Lord Nelson seine Kapitäne mit der genialen Angriffsstrategie. Zwei Schiffskolonnen sollten parallel, mehrere hundert Meter entfernt, im 90 Grad-Winkel auf die feindliche Flotte zufahren und die Vereinigte Flotte dreiteilen. Soweit der Plan. Jetzt musste sein Gegner, Vizeadmiral Villeneuve, nur noch den Hafen von Cádiz verlassen; dann konnte der Angriff erfolgen. So geschah es. Die geniale Strategie machte Nelson zum legendären Seehelden. Ohne den englischen Sieg sähe die Landkarte Europas heute sicherlich ganz anders aus.

Quelle: RP
 
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